Böses Erwachen für Spaniens Tourismusbranche

Mit dem Ende des Coronanotstands wollte Spanien in die "neue Normalität" starten und den Tourismus wiederbelben - Jetzt kommt alles anders.
© Pixabay

Besonders betroffen ist Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona

Die Hiobsbotschaft für Spaniens Tourismusbranche kam aus dem regnerischen und kühlen London. Wegen wieder steigender Coronazahlen müssen alle Reisenden aus Spanien nach der Rückkehr nach Großbritannien in eine zweiwöchige Quarantäne, entschied die britische Regierung am Samstag. Und zwar sofort, praktisch nur mit einigen Stunden Vorwarnung. Kalt erwischt wurde damit der ohnehin schon kränkelnde Tourismusbranche des wichtigsten europäischen Urlaubslands.

„Die Quarantäne hat dem Tourismussektor in Spanien, der sich auf einen katastrophalen Sommer gefasst macht, den Rest gegeben“, titelte die sonst nicht zum Alarmismus neigende Zeitung „El País“. Auch Norwegen und Belgien haben schon Quarantäneregeln für Spanien-Rückkehrer erlassen, Frankreich warnt vor Reisen nach Katalonien und in andere Regionen. Sollte auch noch Deutschland dem britischen Beispiel folgen, wäre die Katastrophe komplett. „La Vanguardia“ aus Barcelona schrieb von einem britischen „Todesstoß“ für die Urlaubssaison.

Etwa 280 lokale Coronaausbrüche gibt es derzeit nach offiziellen Angaben. Besonders betroffen sind Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und der Gegend um Lleida sowie die Region Aragon. Kataloniens separatistischer Regionalpräsident Quim Torra, der während des Notstands immer betont hatte, seine Region hätte viel effektiver als die Zentralregierung in Madrid auf die Pandemie reagieren können, steht jetzt im Kreuzfeuer der Kritik. Am Montag schloss er sogar Ausgangsbeschränkungen für seine Region nicht mehr völlig aus. Ein Alptraum für die Menschen, die schon ab Mitte März 14 Wochen in ihren Häusern ausharren mussten.

Folgen für das ganze Land

Ein Kollaps der Tourismusbranche könnte das ganze Land mit hinunterziehen. Im vergangenen Jahr besuchten 84 Millionen Ausländer Spanien. Nach Angaben des nationalen Statistikamts trägt der Sektor mehr als zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Nach Berechnungen der Zeitung „La Vanguardia“ betrugen Einnahmen aus dem Tourismus unter Einbeziehung indirekter Effekte sogar mehr als 160 Milliarden Euro, was 18 Prozent des BIP entsprechen würde. Mehr als drei Millionen Menschen finden Arbeit und Einkommen in der Branche.

 

APA/red

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