Boomendes Luftfrachtgeschäft

Lufthansa profitiert von Lieferketten-Problemen
© Lufthansa, Oliver Roesler

Dank des boomenden Luftfrachtgeschäfts sieht die Fluggesellschaft Lufthansa positiv in die Zukunft

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sieht wieder Licht am Horizont. Grund dafür ist das boomende Luftfrachtgeschäft. Die Fluggesellschaft war durch die Coronakrise hart getroffen. Jedoch gibt es nun positiven Nachrichten für den Konzern von der Luftfrachttochter, wie der Konzernchef am Montagabend verriet. „Sie wird dieses Jahr über eine Milliarde Gewinn besteuern“, heißt es. Dies werde „mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit“ erreicht.

Die globalen Lieferketten seien aufgrund der Corona-Pandemie absolut aus dem Takt geraten, heißt es seitens des Airline-Chefs im internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). Daher ist „das ideale Geschäft bei der Luftfracht“, dass diese immer gebraucht werde, wenn Werttransporte per Schiff oder per Bahn nicht schnell genug seien. Neben der Autoindustrie, Pharma- und medizinischen Produkten spiele auch der Onlinehandel eine wichtige Rolle. „Wir sind mehr oder weniger global ausverkauft in der Luftfracht“, sagte Spohr. „Wir haben jetzt gerade entschieden, ins Kurzstreckengeschäft einzusteigen“.

Auch die Rückkehr des Geschäftsverkehrs sei ermutigend, so der Lufthansa-Chef. Die Nachfrage nach Flügen in die Region Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien sei um 15 Prozent gestiegen. „Und wenn man nur auf die innerdeutschen Flüge schaut, sogar um 30 Prozent.“ Beides sei ein Streckengebiet, in dem Lufthansa viele Geschäfts- und weniger Tourismusreisen habe.

Finanzierung in Milliardenhöhe

Im vergangenen Jahr 2020 wurde mit einem Finanzierungsrahmen von neun Milliarden Euro die Lufthansa vor einer Pleite bewahrt. Der deutsche Staat hatte im Rahmen einer milliardenschweren Stützaktion eine Beteiligung von 20 Prozent erworben, wodurch er zum Hauptaktionär aufgestiegen ist. Laut Spohrs Aussage, sei die Lufthansa bereits dazu in der Lage gewesen, die ersten Stabilisierungsmittel zurückzuzahlen. So sei die erste Milliarde bereits zurückgeführt. Spätestens Ende 2023 soll der deutsche Staat die Aktien verkauft haben. Sowohl die Lufthansa als auch die deutsche Regierung wollen die Fluggesellschaft möglichst schnell wieder unabhängig von der Hilfe des Steuerzahlers machen.

Noch im Juni hatte Spohr das Ziel, die milliardenschweren Staatshilfen vor der Wahl am 26.September zurückzuzahlen. Jetzt gehe es aber darum, ob der Schritt noch heuer gelingt. Für die Rückzahlung der stillen Einlagen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds benötigt der Konzern jedoch eine Kapitalerhöhung, wie der Lufthansa-Chef bekräftigt. Finanzvorstand Remco Steenbergen hatte zuletzt von deutlich unter drei bis vier Milliarden Euro gesprochen. Insgesamt hat die Lufthansa Staatshilfen in Höhe von vier Milliarden Euro in Anspruch genommen. Das Geld stammt von Deutschland, Belgien sowie Österreich und der Schweiz.

APA/ Red.

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