Das Geschäft mit Job-Träumen

Die Welt umsonst sehen und dabei gutes Geld verdienen. Das versprechen Institute, die um gutes Geld eine Ausbildung zum Reiseleiter anbieten. Die Berufschancen sind – nach der Pandemie-Auszeit – gut, denn man rechnet mit dem Durchstarten der Reisebranche.
© Unsplash

Reiseleiter zu werden ist ganz einfach: Man geht mit einem gültigen amtlichen Ausweis zur nächsten Dependance der Wirtschaftskammer und meldet das freie Gewerbe als selbstständiger Reisebetreuer an. Eine Ausbildung, Sprachkenntnisse oder besonderes Wissen über Destinationen ist nicht nötig. Auf Wunsch wird ein Ausweis im Scheckkartenformat ausgestellt. Wer allerdings eine zertifizierte Ausbildung bei einem anerkannten Erwachsenenbildungsinstitut absolviert hat, erhält zusätzlich das Attribut „geprüft“ auf dem WKO-Ausweis. Dafür ist der erfolgreiche Abschluss eines Lehrgangs nötig, der mehr als zweitausend Euro kosten kann. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt das AMS die Gebühr. Gelernt wird entweder bei Bildungsinstituten wie dem BFI und WIFI, bei Personal- und Unternehmensberatern oder bei privaten Kursanbietern. Qualitätssiegel wie ÖCERT, wiencert oder TÜV belegen die Anerkennung der Bildungseinrichtungen.„Urlaub mit Arbeit verbinden? Mit dieser Ausbildung kein Problem!“ „Von der Leidenschaft zum Traumberuf.“ „Sie reisen gerne und wollen damit Geld verdienen?“ Das sind nur einige der Slogans, mit denen die unterschiedlichen Kursanbieter eine Karriere als Reiseleiter schmackhaft machen.

Sabine Tanner bildet seit mehr als zehn Jahren Reisebetreuer aus und sieht keinen Grund für den Blick durch die rosarote Brille. „Reiseleitung ist ein ganz normaler Job, ein Knochenjob, rund um die Uhr und 24/7“, weiß sie aus langjähriger Praxis. „Das sage ich Teilnehmern bereits beim kostenlosen ersten Info-Abend. ‚Ich reise gerne, weshalb soll ich damit kein Geld verdienen?‘ Das funktioniert aber nicht ganz so. Alle glauben, dass ich als Reiseleiter die Welt entdecken kann. Als Reiseleiter entdecke ich aber nicht, sondern war schon da. Ich kann eine Reise nur dann leiten, wenn ich das Land schon gut kenne.“

Ähnlich sieht das Rafael Prehsler, der in Kooperation mit Ruefa im Herbst 2019 seine Reiseakademie mit einem Pilot-Kurs eröffnete. Er widmet sich hauptsächlich dem Outgoing-Tourismus. „Der Job macht durchaus Spaß. Der Reiseleiter hat die Welt als Büro und kommt herum. Gerade für Studenten ist das eine super Sache“, erklärt er. „Zum Gehalt kommt noch der Faktor Trinkgeld, der von der eigenen Kompetenz und dem Einsatz, den man zu bringen bereit ist, abhängt. Der Markt benötigt auf jeden Fall gut ausgebildete Reiseleiter, denn nicht viele Menschen üben diesen Beruf hauptberuflich aus. Das ist ein Kommen und Gehen, die Fluktuation ist groß. Es gibt viele, die nur vier bis zehn Reisen pro Jahr machen. Ich würde das auch nicht als Vollzeitjob empfehlen, außer man möchte sein Sozialleben in Österreich aufgeben. Denn ansonsten wäre man jeden zweiten Tag im Ausland.“

 

Von Alexander Haide

 

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