Fakten zur diskutierten Wintersperre

Jetzt wissen wir‘s: Bus und Bahnfahren ist ungefährlich – Gondelfahren lebensgefährlich (?!) Faktum sammelte alle Infos zur geplanten Wintersport-Sperre 2020/21.
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Italiens Regierungschef Giuseppe Conte will sich für ein europaweites Verbot für Skiurlaub bis Mitte Jänner einsetzen. In Österreich hat man für diese Forderung wenig Verständnis. „Ich kann dem italienischen Vorstoß nichts abgewinnen“, sagte Elisabeth Köstinger (ÖVP). „Winterurlaub in Österreich wird sicher sein. Unsere Betriebe haben bereits umfassende Sicherheitskonzepte für den Skiurlaub, Apres Ski wird es beispielsweise heuer nicht geben“, versicherte sie. Tourismus und Gastronomie seien nicht für die hohen Infektionszahlen verantwortlich, nahm sie ihre Branchen in Schutz.

Entschädigung der Betriebe notwendig

Finanzminister Gernot Blümel meinte, als Voraussetzung für eine Debatte über die Schließung von Skigebieten wäre, dass die EU die Kosten dafür übernimmt. „Wenn die EU tatsächlich vorgibt, dass die Skigebiete geschlossen bleiben müssen, dann bedeutet das Kosten von bis zu 2 Mrd. Euro. Wenn die EU das wirklich will, dann muss sie dafür auch bezahlen.“ Blümel schlug dafür entweder Direkt-Überweisungen an den Bund, die dann an die betroffenen Unternehmen verteilt würden oder eine Reduktion der österreichischen EU-Zahlungen um diesen Betrag vor.

Harsche Kritik an dem Vorschlag hatte es auch in Italien selbst gegeben – von den Skiregionen und vom Hoteliersverband. „So schenken wir unseren Nachbarländern wie Österreich, der Schweiz und Frankreich Touristen, während wir geschlossen bleiben müssen“, protestierte der Präsident des Hotelierverbands Federalberghi, Bernabo Bocca.

Deutschland und Frankreich sind für eine Skigebiet-Sperre

Bund und Länder in Deutschland sind hingegen für eine abgestimmte europäische Regelung, um den Skitourismus bis zum 10. Jänner zu unterbinden. Darauf verständigten sich die Ministerpräsidenten der Länder mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sei eine Öffnung der Skigebiete vor Jahresende im eigenen Land „unmöglich“. Er zieht eine Wiedereröffnung im Jänner unter guten Bedingungen und in Abstimmung mit anderen europäischen Ländern vor.

In der Schweiz hoffen die Touristiker gegenwärtig, die Saison pünktlich starten zu können und sogar von der hitzigen Verschiebungsdebatte in den Nachbarländern profitieren zu können.

Medizinische Sicht

Aus medizinischer Sicht ist eine Wintersport-Sperre nicht notwendig, wenn ein Corona-Konzept gewährleistet wird, meint Eva Schernhammer, Leiterin der Epidemiologie an der Med-Uni Wien. Das habe sich etwa bei den Salzburger Festspielen gezeigt. Notwendig wären also Hygienekonzepte für Sessellifte und Warteschlangen, sowie Sicherheitskonzepte für die Unterbringung und den Transport. Einzig Gondeln stellen für Schernhammer ein Problem dar. Hier kann sie sich kein Covid-Konzept vorstellen.

Touristiker augmentieren, dass Straßenbahnen oder U-Bahnen gleich gefährlich sein sollen, als Gondeln. Außerdem wurden bereits Präventionskonzepte entwickelt. Kärnter Skigebiete etwa sehen eine Desinfektion der Gondeln durch Kaltvernebelung vor. Eine Fahrt dauere außerdem selten mehr als zehn Minuten. Bei Bedarf könne man auch das Tempo erhöhen, um Menschenansammlungen im Anstellbereich zu vermeiden.

Für eine sichere Wintersaison gewappnet

Auch Saalbach Hinterglemm wäre für eine sichere Skisaison gewappnet. Hier ist man sich sicher, mit 121 Seilbahnen und Liften und auf 408 Pistenkilometern, ausreichend Sicherheitsabstand bieten zu können. Für eine zusätzliche Entflechtung würden zudem 23 Seilbahnen vom Tal aus in die Skigebiete sorgen. Die Bergbahnen Gesellschaften setzen auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket: Organisierte Anstehbereiche, Verwendung von Masken, Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen, Mitarbeiterscreenings, usw.

Saalbachs Tourismusdirektor, Wolfgang Breitfuß, sagt dazu im Gespräch mit FaktuM: „Wir haben uns sehr intensiv auf den Winter vorbereitet und unsere Learnings aus dem Sommer mitgenommen, wo es bereits super funktioniert hat. Das heißt, wir stehen Gewehr bei Fuß, haben auch schon beschneit. Das Thema begleitet uns ohnehin schon das ganze Jahr. Ich hoffe, dass eine Öffnung der Skigebiete noch vor Weihnachten möglich sein wird. Es ist natürlich eine sehr schwierige Situation für uns alle. Aber wir müssen es nehmen, wie es ist. Uns ist natürlich auch klar, dass es medizinisch wichtig ist, dass das Gesundheitssystem entlastet wird. Aber irgendwann würde man doch gerne wieder ein Geschäft machen…“

Bei NLW Tourismus wird von einer Skigebiet-Öffnung kurz nach geplantem Saisonstart ausgegangen. „Wir haben Neuschnee bekommen, bekommen laufend Neuschnee und produzieren Kunstschnee. Wir gehen also davon aus, dass wir öffnen werden“, so Gerald Kroschel, Pressesprecher von NLW Tourismus, und ergänzt: „Wir bereiten uns natürlich auch auf alle Sicherheitsmaßnahmen vor, damit die Gäste in unserem Skigebiet – auf der Piste, in der Hütte, in der Gondel – ein gutes Gefühl haben. Wir glauben, gut gerüstet zu sein. Speziell für den kommenden Winter haben wir auch sogenannte „Buddys“ im Ski-Gebiet eingeführt. Die sind vom Parkplatz, bis zum Lift und auch im Skigebiet unterwegs. Sie werden als Ansprechperson für unsere Gäste agieren und bei allfälligen Corona-Fragen zur Verfügung stehen.“

 

Red

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