Hongkong leidet stark unter Touristenmangel

Die Besucherzahlen in der ehemaligen britischen Kronkolonie sind um fast 99 Prozent eingebrochen.
© Pixabay

Panoramaansicht von Hongkong

Hongkong hat wegen des Mangels an Touristen einen eigenen Bus-Friedhof dieses Jahr eingerichtet. Hunderte Fahrzeuge verstauben auf einem Parkplatz am Containerhafen im Norden der Metropole, wo sie seit zehn Monaten herumstehen. Das wäre noch vor kurzem undenkbar gewesen, denn die ehemalige britische Kronkolonie war schließlich im vergangenen Jahr das weltweit führende Reiseziel: Rund 56 Millionen Menschen besuchten die Stadt. Dann kam Corona und änderte alles.

Für die Beschäftigten der Reisebranche ist das Fernbleiben ihrer Kunden bitter. Viele denken mittlerweile ans Aufgeben. „Wenn du kein Licht siehst, wirst du einfach aufhören, um die Verluste zu begrenzen“, sagt Freddy Yip, Präsident der Hongkonger Vereinigung der Reisebüroinhaber. Der 70-Jährige ist seit fast einem halben Jahrhundert in der Branche tätig. Bald schon könnte auch er zum Aufgeben gezwungen sein. Die Regierung hat zwar im Juni ein weitreichendes Hilfsprogramm aufgelegt und im September verlängert, doch Ende dieses Monats soll es auslaufen. Zu hohe Kosten, lautet die Begründung der Regierung, die bisher Lohnausfälle für rund zwei Millionen Beschäftigte aller Branchen zumindest zum Teil aufgefangen hat.

Das von China regierte, halbautonome globale Finanzzentrum erwirtschaftet etwa fünf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts oder etwa 18 Milliarden Dollar (15 Mrd. Euro) direkt durch den Tourismus. Die Einnahmen lokaler Geschäfte und Restaurants sind darin noch nicht einmal mitgerechnet. Hongkongs Tourismusbranche beschäftigt nach Angaben der Regierung etwa 260.000 Menschen direkt. Sie hatten bis ins vergangene Jahr noch alle Hände voll zu tun. Besucher, die meisten von ihnen vom chinesischen Festland, fühlen sich von der Mischung der Kulturen, dem Hafenblick und den erstklassigen Einkaufsmöglichkeiten angezogen.

Touristen aus der Volksrepublik geben in der Regel pro Tag mehr für Babynahrung, Kosmetika und Luxusgüter aus als der durchschnittliche Hongkonger. Sie sind der Meinung, dass Hongkong bessere Qualitätsstandards hat. Offiziellen Angaben nach sind die Besucherzahlen seit dem Abriegeln der Stadt vom Festland im Februar jeden Monat um 96 bis 99 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahreszeitraum eingebrochen.

Verbindung Singapur – Hongkong soll Tourismus ankurbeln

Die Stadt bemüht sich, den Tourismus zumindest ein bisschen anzukurbeln. So soll es bald einer begrenzten Anzahl von Menschen erlaubt werden, zwischen Singapur und Hongkong hin und her zu reisen – nach einem negativen Corona-Test. Die Vereinbarung ermöglicht es den Reisenden, auf die Quarantäne zu verzichten. Allerdings ist der Testlauf auf einen Flug pro Tag mit maximal 200 Passagieren pro Richtung beschränkt – ein Tropfen auf dem heißen Stein für eine Stadt, die im Jänner 2019 mit 6,8 Millionen Besuchern einen Monatsrekord aufgestellt hatte.

Auch das Tagungs- und Kongressgeschäft der Stadt steckt in der Krise. Es wird in diesem Jahr wahrscheinlich einen Umsatzrückgang von 90 Prozent auf 50 Milliarden Hongkong-Dollar (5,5 Mrd. Euro) erleiden, sagt Stuart Bailey, Vorsitzender des Branchenverbandes Hong Kong Exhibition & Convention Industry Association. Der Sektor, der rund 80.000 Mitarbeiter beschäftigt, habe die meisten der diesjährigen Veranstaltungen absagen müssen.

APA/red

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