In der Bredouille

Schon im Vorjahr stand unsere ganze Reisebranche hart am Rande des Abgrunds. Jetzt sind wir einen guten Schritt weiter.
© privat

Als Kinder ergötzten wir uns an schaurigen Szenarien im Wiener Prater. Da gab es ein Schild, das verhieß schreierisch: „Die Falltür zur Hölle.“ Und darunter stand: „Von 10 bis 16 Uhr geöffnet.“ Daran muss ich denken, wenn ich mir mein letztes Restchen Humor zusammenkratze, um die aktuelle Situation noch irgendwie zu beschreiben: Die Falltür zur Hölle ist mittlerweile von 0 bis 24 Uhr geöffnet.

Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Politiker schimpfen, mich nicht über die Impfgegner verbreiten, mich nicht darüber wundern, warum man mich im Mai dafür beschimpft hat, als ich eine allgemeine Impfpflicht gefordert habe, und das Ganze dann knapp ein Jahr später, ab 1. Februar, Realität wird. Ich möchte mich nicht darüber ärgern, wie viele Milliarden der ganze Wahnsinn gekostet hat.

Und ich werde nicht darüber larmoyieren, dass ich als einer, der sehr outspoken und öffentlich für stringentes und gesetzlich vorgeschriebenes Impfen eingetreten ist, dafür knapp 6000 Beschimpfungen in den sozialen Medien erhalten hat (nur auf den Pages, die ich kenne und auf die ich Zugriff haben kann oder will, die Schwurbler-Treffpunkte wie Telegram und Co. nicht eingerechnet) und dass darunter auch 16 hübsche Drohungen zu finden sind, die mittlerweile die Staatsanwaltschaft beschäftigen.

Denn ich bin damit nicht allein.

Nehmen wir etwa Bundesministerin Elisabeth Köstinger, die eine der ersten war, die sich getraut haben, die Impfpflicht öffentlich anzusprechen: Wie ich hinter vorgehaltener Hand erfahren konnte, hat sie auch ordentlich ihr Fett abbekommen. Wobei (und ich weiß jetzt nicht, ob mir das zur Ehre gereicht) ich die Frau Bundesministerin um Längen geschlagen habe, was die Hass-Attacken betrifft.

Nicht, dass mich das auch nur im Geringsten stören würde. Wer weiß, wie die Schwurbler, die Leugner, die Internet-Apotheken-Besucher, die Globuli-Gläubigen ticken, die brav und gedankenlos hinter Neonazis und gewaltbereiten Hooligans bei Demonstrationen hermarschieren, der weiß, was das für eine „Partie“ ist.

Wobei von dem letzten Drittel, das uns in Sachen Impfen noch fehlt, die Extremisten, Verrückten und Aggressions-Trolle nur maximal ein Drittel ausmachen. Die anderen beiden Drittel könnten wir erreichen. Vielleicht. In unserer Schwesterzeitschrift ExtraDienst haben wir gerade die Werbeagenturen Österreichs aufgerufen, Impfkampagnen für die letzten Unentschlossenen zu kreieren. Denn nur mit Kreativität, gepaart mit jenem Schuss Humor, den es braucht, um bei Menschen vielleicht doch die Restbestände ihres Gehirns zu aktivieren, lässt sich aus dieser Malaise herauskommen.

In unserer diesmaligen Titelgeschichte beschäftigen wir uns mit den Mitarbeiterproblemen, die vor allem im Reisegeschäft, aber auch in der Gastronomie und Hotellerie extrem durchschlagen. Der Schlüsselsatz dazu kommt von Walter Säckl, dem Generalsekretär des Österreichischen Reisebüroverbands, wenn er meint: „Es ist ein Problem, jungen Menschen, die selbst nicht mehr ins Reisebüro gehen, die Arbeit im Reisebüro schmackhaft zu machen.“

Dass auch wir als Verlagsunternehmen so unsere Probleme haben, illustriert ein hübsches kleines Beispiel: Mitarbeiterin N.N. fragt an, ob sie die nächste Woche im Homeoffice verbringen darf. Darauf ich: „Die Woche geht bitte nicht, das ist eine Produktionswoche, und Sie sind doch das Bindeglied zwischen Anzeigenabteilung, Redaktion und Produktion. Aber die Woche darauf können Sie gerne aus dem Homeoffice arbeiten und bei Ihren Kindern sein.“ Das akzeptiert sie. Sind ja wohl auch Sach-Argumente. Am Montag um acht Uhr meldet sie sich dann krank. Mit über 40 Grad Fieber. Sie hat Corona. Plus positivem Test.

Daraufhin setzt sich das Rad in Bewegung. Wie vorgeschrieben. Alle Mitarbeiter werden durchgerufen. Keiner darf ins Büro. Alle machen sich ans PCR-Testen. Um zehn Uhr bitte ich unseren Geschäftsführer, den positiven Corona-Test der Kollegin für den Akt anzufordern. Sie weigert sich. Das sei ihre Privatsache. Wir sind bass erstaunt. Ich bitte unseren Geschäftsführer, sie an ihrer Privatadresse heimzusuchen. Unangemeldet. Damit rechnet die Gute nicht. Als wir an der Tür läuten, öffnet sie. Völlig gesund. Stampft mit dem Fuß auf, knallt die Türe zu und verschwindet in der Wohnung. Zehn Minuten später öffnet sie die Türe einen Spalt weit und reicht uns einen PCR-Test nach draußen. Darauf hat sie mit einer Nagelschere das Testergebnis weggekratzt…

Sie glauben, das gibt es nicht? Nun, solch eine Geschichte kann man nicht erfinden. Und es gibt viele derartiger Stories tagein, tagaus in unserem schönen Land. Was lernen wir daraus: Die Zahl der Egoisten, der Selbstverwirklicher, der Work-Life-Balancer, der „Ich arbeite nur mehr vier Tage in der Woche, und das nur bis 15 Uhr“, der „Unter 40% Prozent Homeoffice-Tätigkeit mache ich’s nicht“-Faulpelze wächst täglich. Ein verheerender Effekt, den das verordnete Nichtstun ausgelöst hat. Und viele, die sich rund um die Woche abrackern und versuchen, diesen Wahnsinn durchzustehen, fragen sich dann: „Wie blöd bin ich, wenn die anderen dem Staat auf dem Sack liegen und nicht wirklich irgendetwas tun wollen?“

Jüngst konnte ich das Gespräch eines renommierten Airliners mithören. Er sprach mit seinen internationalen Chefitäten und erklärte, wie „overprotected“ die österreichische Reisebüro-Branche sei. Da gebe es Kurzarbeit, Fixkostenzuschüsse und Umsatzausfälle. Seine Ausführungen gipfelten in einem logischen Schluss. Es gibt, so meinte er, in der Reisebranche zwei Gruppen: Die einen arbeiten fleißig und strudeln sich ab, und die anderen haben begriffen, dass der Staat für sie aufkommt, und ruhen sich auf den Lorbeeren der Gesellschaft aus. Da sitzen sie dann bequem neben den Impfverweigerern und lachen sich einen Ast ab. Und mir vergeht dabei langsam das Lachen.

Herzlichst Ihr

Christian W. Mucha

Herausgeber

P.S.: An dieser Stelle möchte ich noch eine Sache erwähnen: Auch wir haben gewaltige Personalprobleme. Und wir haben sie alle gelöst. Und ich mache jetzt aus reinem Herzen Werbung für ein Unternehmen, das fantastisch arbeitet: Die Firma Dekra, im Eigentum von Doris Kropacz, hilft uns seit Längerem, unsere Lücken aufzufüllen. Also – wenn Sie Mitarbeiter suchen, rufen Sie Doris Kropacz an. Da wird Ihnen geholfen. Der Obige

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