Italiens Regierung gründet „neue Alitalia“

Mit der Neugründung soll der staatlich gelenkte Umbau der insolventen Fluglinie gelingen
© Alitalia

Alitalia-Maschine

Die Regierung in Rom legt mit der Gründung einer Firma den Grundstein zum staatlich gesteuerten Umbau der angeschlagenen italienischen Fluggesellschaft Alitalia. Zuvor hatte sich die Finanzlage des Unternehmens, das seit 2017 insolvent ist, durch den Geschäftsrückgang in der Coronakrise zugespitzt.

Vier Minister und Ministerinnen der Mitte-Links-Regierung unterschrieben ein Dekret zur Gründung des neuen nationalen Luftverkehrsunternehmens. Das teilte das Finanzministerium von Roberto Gualtieri mit.

Zeitungen und die Nachrichtenagentur Ansa nannten am Samstag (10.10.) „Italia Trasporto Aereo“ – abgekürzt ITA – als Namen der Neugründung in dem Dekret. Italiens Verkehrsministerin Paola De Micheli hatte auf Facebook schon nach der Unterschrift am Freitag von „ITAliana“ gesprochen: „Es wird ITAliana sein, weil sie Italien in die Welt tragen soll.“ Die Ministerin schrieb von einem „Industriebetrieb im Dienste des Landes“, der den Tourismus beleben solle.

„Die Neugründung stellt den ersten Schritt zur Schaffung eines hochqualitativen Transportunternehmens dar, das auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig ist“, wurde Wirtschaftsminister Gualtieri am Freitag zitiert. Es werde der „Grundstein für die Wiederbelebung des italienischen Luftverkehrs“ gelegt. Zum Verwaltungsratspräsidenten der neuen Luftfahrtgesellschaft rückt der Ex-Geschäftsführer der italienischen Post, Francesco Caio, auf. Der Manager Fabio Maria Lazzerini wird zum Geschäftsführer ernannt, teilte die Regierung am Freitagabend (9.10.) mit. Das Unternehmen ist aufgefordert, in 30 Tagen einen Fünf-Jahre-Industrieplan zu erstellen und dem Parlament vorzulegen.

„Unternehmen im Werden“

Wie „Sole 24 Ore“ schrieb, müsse man zunächst von einem „Unternehmen im Werden“ sprechen, das noch nicht operativ sei. Grundidee sei, allmählich Teile der alten Alitalia dorthin zu überführen, erläuterte das Blatt unter Berufung auf frühere Informationen aus der Politik. Das genaue Konzept, das auch eine Reduktion der Flugzeuge enthalten könne, stehe noch aus.

Die Regierung hatte zudem angekündigt, dass eine staatlich dominierte Fluggesellschaft nur ein Übergangsphänomen sein solle. Es gab mehrfach Berichte über Gespräche mit möglichen weiteren Investoren oder Partnern sowie über ein Tauziehen in der Regierung und mit den Gewerkschaften.

Die alte Alitalia gilt mit mehr als 10.000 Arbeitsplätzen als nationales Symbol. Der Staat hat die notleidende Gesellschaft mehrfach mit hohen Millionenbeträgen unterstützt. Für den Neustart sagte er vor Monaten im Zuge der Corona-Hilfen drei Milliarden Euro zu. Alitalia hatte nach Berichten gerade eine Verlängerung der Kurzarbeit für knapp 7.000 Mitarbeiter bis 2021 beantragt. In dem von der Coronavirus-Krise belasteten ersten Halbjahr 2020 hat Alitalia einen Verlust von 427 Mio. Euro gemeldet.

APA/red

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