Kongresstourismus erwacht zu neuem Leben

Mit 10.400 Veranstaltungen 2021 fehlten aber immer noch 70 bis 80 Prozent auf das Niveau vor der Pandemie 2019.
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Die Touristiker hoffen wieder auf die Kongresse

Der Kongresstourismus kehrt zurĂŒck. Die vergangenen zwei Pandemiejahre waren fĂŒr die Veranstaltungsbranche „alles andere als erfreulich“, sagte der PrĂ€sident des österreichischen Tagungsverbandes ACB (Austrian Convention Bureau), Gerhard StĂŒbe, in einer Pressekonferenz im Rahmen der Österreichischen Tourismustage im Wiener Austria Center. Mit rund 10.400 Kongressen und dabei ĂŒber 811.000 generierten NĂ€chtigungen sei 2021 gegenĂŒber 2020 „doch ein gewisser Turnaround gelungen“.

2019 hatte die Tagungsbranche noch fĂŒr ĂŒber 3,3 Millionen NĂ€chtigungsbuchungen in Österreich gesorgt. „Wir haben einen Anteil von 20, 25 vielleicht 30 Prozent im Vergleich zu 2019 – das war ein bombiges Jahr, die FrĂŒchte hingen tief fĂŒr uns, wir mĂŒssen da wieder hin“, so der ACB-PrĂ€sident.

Bei den Kongressen (2.731) gab es im abgelaufenen Jahr gegenĂŒber 2020 einen Zuwachs von rund 27 Prozent, bei den Firmentagungen (4.608) betrug das Plus rund 23 Prozent, bei den Seminaren (3.063) fast 15 Prozent, wie aus dem aktuellen Meeting Industry Report (MIRA) hervorgeht. Insgesamt nahmen mehr als 500.000 Menschen an den Veranstaltungen teil.

„Über 60 Prozent dieser Kongresse haben wir alleine im Herbst generieren können“, berichtete StĂŒbe. „Erfreulich ist, dass wir um 50 Prozent mehr internationale Kongresse begrĂŒĂŸen konnten – wir freuen uns darĂŒber, auch wenn wir von einem sehr niedrigen Niveau kommen.“

Das nationale GeschĂ€ft sei in den vergangenen beiden Jahren vorherrschend gewesen. „Wir sind wirklich die gebrandmarkten Kinder, egal ob StĂ€dtetourismus oder Kongresstourismus“, sagte er mit Blick auf die Pandemie. An die Politik gewandt setzte er den Appell ab, kĂŒnftig fĂŒr österreichweit einheitliche Coronaregeln zu sorgen. Die Branche wĂŒnscht sich Planbarkeit fĂŒr ihre Großevents und möchte auch rechtzeitig wissen, welche EinschrĂ€nkungen sie bei einer möglichen nĂ€chsten Coronawelle trĂ€fe, was die ersten Schritte wĂ€ren.

Die seit 2021 spĂŒrbare Belebung in der Tagungswirtschaft setzt sich heuer – nach einem pandemiebedingt holprigen Start am Jahresanfang – fort. „In Wien haben wir dieses Jahr 40 Kongresse mit ĂŒber 1.000 Personen und zehn davon mit ĂŒber 5.000 Personen – so erfreuen wir uns, dass es wieder verstĂ€rkt losgeht“, sagte der Leiter des Vienna Convention Bureau, Christian Woronka, und hob als Beispiel den internationalen Radiologenkongress hervor, der heuer im Juni stattfindet. Es sei positiv, dass weiterhin in Wien große Nachfrage, auch fĂŒr den Sommer, vorhanden sei. „Zu Beginn des Jahres haben wir kleinere Veranstaltungen an LĂ€nder wie Spanien oder Portugal verloren, weil die Restriktionen dort frĂŒher zurĂŒckgenommen wurden als das in Österreich der Fall war“, so Woronka. Die 3G-Regel fĂŒr die Einreise nach Österreich wurde beispielsweise erst mit Beginn dieser Woche aufgehoben.

„Die Tagungsindustrie zahlt sich aus“, betonte er. 2019 kam ein Kongresstourist auf Ausgaben von 541 Euro pro Tag – das war rund doppelt so viel wie beim Urlaubstouristen mit 276 Euro pro Person und Tag. Außerdem gebe es in der Branche sehr qualifizierte ArbeitsplĂ€tze.

Als Herausforderungen fĂŒr die Meeting-Branche nannte StĂŒbe steigende Energiekosten, den FachkrĂ€ftemangel, die Kurzfristigkeit der Buchungen und die Digitalisierung. KĂŒnftig wĂŒrden fĂŒr die Veranstaltungen verstĂ€rkt Interface-Manager und KI-Manager gebraucht und nicht nur eine Kongressleitung.

Die Tagungswirtschaft möchte an alte Erfolge anschließen – bis vor Corona gehörte Wien im weltweiten Vergleich alljĂ€hrlich zu den Top-Kongressdestinationen. DafĂŒr braucht es aber auch eine Neuausrichtung in der heimischen Branche. „Das Thema hybrid wird noch extrem ausgebaut werden mĂŒssen, damit die Destinationen fit fĂŒr die Herausforderungen sind“, hielt StĂŒbe fest. „Wir wissen noch gar nicht genau, wohin das Thema Digitalisierung fĂŒhrt.“

Als strategische Eckpunkte fĂŒr die Branche machte Sandra Neukart, neue Chief Operating Officer (COO) der nationalen Tourismusmarketing-Organisation Österreich Werbung (ÖW), zwei Bereiche fest – die Stabilisierung des GeschĂ€fts und die „Anpassung des Businesses an die Zukunft“. „Dazu gehört natĂŒrlich die Nachhaltigkeit – den Kongressstandort als nachhaltig zu positionieren“. Um KlimaneutralitĂ€t zu erreichen, sei es notwendig, dass die Veranstaltungen klimapositiv werden, betonte StĂŒbe.

 

apa

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