Land kauft Stadt aus Linzer Flughafen aus
Das Land Oberösterreich übernimmt den Anteil der Stadt Linz am Flughafen und plant anschließend den Einstieg privater Partner.
Das Land Oberösterreich übernimmt den 50-Prozent-Anteil der Stadt Linz am Flughafen und wird damit zum Alleineigentümer. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) gaben die Einigung am Freitag bekannt. In weiterer Folge soll der Flughafen teilweise privatisiert werden. Bis zu 49 Prozent der Anteile könnten an private Partner gehen. Der vorläufig vereinbarte Kaufpreis für den Anteil der Stadt beträgt 1,325 Mio. Euro. Die Vereinbarung muss allerdings noch von den zuständigen Gremien genehmigt werden. Aufseiten des Landes sind Landesregierung, Landtag, Verkehrsholding und Landesholding zuständig, bei der Stadt müssen Stadtsenat und Gemeinderat zustimmen.
Kaufpreis hängt von PFAS-Sanierung ab
Fixiert ist der Kaufpreis noch nicht. Die endgültige Summe soll angepasst werden, sobald die Kosten für die notwendige Sanierung von PFAS-Belastungen feststehen. Umgekehrt könnte die Stadt zusätzlich profitieren, wenn das Land die übernommenen Anteile innerhalb der nächsten fünf Jahre zu einem höheren Wert weiterverkauft. Die vereinbarten 1,325 Mio. Euro basieren auf einem von KPMG ermittelten Liquidationswert sowie einer zweiten Einschätzung von Ernst & Young. Für das Land steht mit dem Einstieg auch die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Wende im Vordergrund. Stelzer will den Flughafen wieder wirtschaftlich erfolgreich machen und setzt dabei auf eine Zusammenarbeit von Land, Stadt, Wirtschaft und künftig privaten Partnern.
Passagierzahlen weiter rückläufig
Der Eigentümerwechsel erfolgt vor dem Hintergrund einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Zahl der Passagiere am Flughafen erneut um 15,3 Prozent auf 110.627. Bereits im Vorjahr mussten Land und Stadt gemeinsam 8 Mio. Euro zuschießen. Für die kommenden vier Jahre stellt das Land zudem bis zu 36 Mio. Euro für die Flugverbindung zwischen Linz und Frankfurt bereit. Die Strecke wird von der dänischen DAT bedient. Nach einem Bericht des Landesrechnungshofs könnte der Flughafen bis 2035 zusätzlich zwischen 27,6 und 45 Mio. Euro benötigen. Kosten für die Beseitigung früherer Umweltschäden sind darin noch nicht enthalten.
Stadt zieht sich zurück
Dass Linz angesichts seiner angespannten Finanzlage nicht dauerhaft weitere Mittel in den Flughafen stecken wollte, hatte sich bereits abgezeichnet. Eine Gruppe von Unternehmern hatte der Stadt ein Kaufangebot über 1 Mio. Euro gemacht, das Ende Juni auslief. Stattdessen einigten sich Stadt und Land nun auf die Übernahme durch das Land. Dieses hält trotz der finanziellen Probleme am Flughafen als Teil der Infrastruktur des Wirtschaftsstandorts fest. Eine Studie des Ökonomen Teodoro Cocca von der Johannes Kepler Universität Linz, die im Auftrag des Landes erstellt wurde, beziffert dessen volkswirtschaftliche Wertschöpfung mit 128,5 Mio. Euro pro Jahr. Zusätzliche Hoffnungen setzt das Land auf das künftige Management. Jörg Ebbighausen soll mit Jahreswechsel die Geschäftsführung von Norbert Draskovits übernehmen. Gleichzeitig verliert der Flughafen weitere Verbindungen: Corendon will die Strecke nach Hurghada im kommenden Sommer einstellen, Ryanair streicht im Herbst die Verbindung nach London. Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) fordert deshalb weiterhin die Abschaffung der Luftverkehrsabgabe.
(APA/red)
