Musik-Genuss

Konzertveranstalter und Diskothekenbetreiber haben es in der Zeit der Corona-Pandemie nicht leicht. Viele Aufführungen mussten aus Sicherheitsgründen abgesagt oder auf 2021 verschoben werden. Und für die Diskothekenbesitzer stellt sich die Frage, wie sinnvoll ein Clubbetrieb ist, wenn schon um ein Uhr wieder Sperrstunde ist.
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Im Großen Saal des Wiener Konzerthauses finden erst seit dem 24. August wieder Konzerte statt

In der Musikveranstaltungsbranche wirkten und wirken sich die Einschränkungen wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus besonders stark aus. Ab Mitte März gab es ein behördliches Veranstaltungsverbot. Dadurch konnten die Fix- und Strukturkosten nicht aus dem laufenden Betrieb abgedeckt werden. Da ging es vor allem den Konzertveranstaltern besser, die mehr Rücklagen hatten oder die – wie  etwa Barracuda Music, die Vereinigten Bühnen Wiens oder die Wiener Stadthalle – in ein größeres Unternehmen eingebettet sind. Die von der Regierung angebotene Kurzarbeit half dabei, wie es Christoph Huber, Geschäftsführer von Porgy & Bess, ausdrückt, „Mitarbeiter im Betrieb zu behalten bzw. einen ‚Notbetrieb‘ aufrecht zu erhalten“. Inzwischen können Konzerte mit dem Freilassen einiger Sitzplätze oder im Freien wieder durchgeführt werden. Besonders gut gelungen ist das etwa bei den Salzburger Festspielen, die zudem heuer ihr hundertjähriges Jubiläum feierten. Stattfinden konnten beispielsweise auch die Konzerte beim Schloss Grafenegg. Andere Opern- und Konzertveranstaltungen mussten aber abgesagt werden, weil zu viele Besucher zu erwarten waren. Prominente Beispiele dafür sind die Bregenzer Festspiele oder die Seefestspiele in Mörbisch.

Bei den Salzburger Festpielen, die dieses Jahr coronabedingt in kleinerem Rahmen zwischen 1. und 30. August stattfanden, gab es insgesamt 110 Konzert-, Theater- bzw. Opernaufführungen. Es kamen zu den Veranstaltungen in diesem Sommer etwa 76.500 Besucher aus 39 Nationen. Das bedeutet für die Veranstalter eine Auslastung von 96 Prozent, was wirklich beachtlich ist in diesem speziellen Jahr. Insgesamt wurden rund 8,7 Millionen Euro an Einnahmen erwirtschaftet. Das zeigt, dass mit einem gut durchdachten Sicherheits- und Hygienekonzept auch in diesem Jahr Konzertveranstaltungen möglich sind. Freilich sind die Einnahmen vor allem wegen der strengen Hygieneauflagen bei Weitem nicht so hoch wie in den vergangenen Jahren. Bei kleineren Events muss der Veranstalter auf jeden Fall froh sein, wenn er mit einem Nullsummenspiel über die Runden kommt. 

CTS Eventim als größter Veranstalter des deutschsprachigen Raums

Da geht es international tätigen Veranstalter, wie das folgende Beispiel zeigt, verhältnismäßig gut. Der größte Konzertveranstalter des deutschsprachigen Raums, CTS Eventim – zu ihm gehören in Österreich der Veranstalter Barracuda Music und oeticket –, leidet zwar wegen der Corona-Pandemie, kämpft aber nicht ums Überleben, da die Rücklagen hoch genug sind. In diesem Jahr mussten vor allem große Popkonzerte und andere Starauftritte mit teilweise zehntausenden Zuschauern abgesagt werden. Hinzu gekommen ist auch, dass das österreichische Unternehmen Barracuda – es wurde erst im Jänner 2020 von CTS Eventim übernommen – durch die Insolvenz der Commerzialbank Mattersburg Einlagen von rund 34,3 Millionen Euro verloren hat. Durch die Einlagensicherung sind nämlich nur 100.000 Euro davon gedeckt. Trotzdem will Konzern-Chef Klaus-Peter Schulenberg nicht den Kopf in den Sand stecken, da es Hoffnungsschimmer am Horizont gibt: So konnten in der Kölner Lanxess Arena – sie gehört zu CTS Eventim – bereits wieder Konzerte mit mehreren hundert Personen stattfinden. Der Konzertveranstalter wolle im September in der bekannten Berliner Waldbühne sogar Konzerte mit 5.000 Zuschauern durchführen, schreibt die APA in einer Aussendung vom 20. August. Durch Kosten- und Effizienzmaßnahmen konnten die Verluste des Unternehmens auf einen relativ geringen Betrag (16,2 Millionen – letztes Jahr gab es noch einen operativen Gewinn von 54,7 Millionen Euro) gesenkt werden. Auch Investitionen wurden auf ein Mindestmaß reduziert. 

Die APA schreibt in diesem Zusammenhang auch, dass in der Branche schon lange gemunkelt werde, dass viele kleine und mittlere Musikveranstalter die Coronakrise nicht überstehen werden. Damit sind vor allem solche gemeint, die in Gaststätten und anderen lokalen Veranstaltungsräumen Musikdarbietungen in eher kleinem Rahmen anbieten. 

In Wien mussten viele Veranstaltungshäuser die Saison vorzeitig beenden. Das betraf vor allem die großen Bühnen Staatsoper, Volksoper, Konzerthaus, Stadthalle, die großen Säle im Musikvereinsgebäude, das Theater an der Wien und das Ronacher.  Viele dieser Veranstalter konnten nur dank der staatlichen Unterstützung, beispielsweise eines Fixkostenzuschusses, und durch das Anmelden der Angestellten zur Kurzarbeit ihre Mitarbeiter weiter beschäftigen und finanziell einigermaßen überleben.

Das Wiener Konzerthaus

Das Wiener Konzerthaus als größte Musikbühne nach der Wiener Stadthalle veranstaltet seit 24. August wieder Konzerte. Der Veranstaltungsort finanziert sich zu 60 Prozent aus Kartenverkäufen, wie Pressereferentin Charlotte Hartwig berichtet. Als privater Verein mit einem Eigendeckungsgrad von rund 90 Prozent ist es für die Wiener Konzerthausgesellschaft essenziell, dass Konzerte stattfinden, um Einnahmen zu erzielen. Laut Hartwig erlauben die derzeitigen Regeln eine Auslastung von 60 bis 65 Prozent. Da einige Konzerte jetzt zweimal pro Abend gespielt werden, kann nach Angaben Hartwigs ein Teil des Schadens der vergangenen Monate abgedeckt werden.

Von Thomas Langer

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