Nach Zwangslandung in Minsk

Lufthansa und AUA wollen weißrussischen Luftraum meiden
© Lufthansa, Oliver Roesler

Behörden der Republik Belarus hatten am Sonntag ein Ryanair- Flugzeug mit mehr als 100 Passagieren auf dem Weg von Athen nach Vilnius zur Landung gebracht. Die erzwungene Landung eines Ryanair- Flugzeugs in Minsk veranlasst die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa den weißrussischen Luftraum vorerst zu meiden. „Aufgrund der aktuell dynamischen Lage setzen wir die Operation im weißrussischen Luftraum vorerst aus“, teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Diese Entscheidung betreffe auch Austrian Airlines, da diese zur Lufthansa- Gruppe gehört, so die Sprecherin der Fluggesellschaft. Auch andere Fluglinien sollen bis zur Klärung des Angelegenheit den belarussischen Luftraum meiden. Die radikalislamistische Palästinenserorganisation Hamas dementieren unterdessen die Vorwürfe, eine Bombendrohung gegen das Ryanair- Flugzeug ausgesprochen zu haben. Der Sprecher Fawzi Barhoum sagte, die Hamas habe mit der Sache „nichts zu tun“. Der Chef der Luftfahrt- Abteilung in belarussischen Transportministerium, Artem Sikorski, hatte am Montag vor den Journalisten erklärt, der weißrussische Regierung sei ein Drohschreiben der radikalislamistischen Palästinenserorganisation Hamas vorgelegen. In der E-Mail habe es unter anderem geheißen, dass an Bord der Maschine „eine Bombe deponiert“ sei. Die weißrussische Luftwaffe versicherte unterdessen, die Besetzung der Ryanair- Maschine habe selbst beschlossen, in Minsk zu laden, nachdem sie über die Bombendrohung informiert worden sei. Dabei habe es keinen Zwang von Außen gegeben.

Lufthansa doch unentschlossen?

Kurz nachdem die Lufthansa beschloss, vorerst keine Maschinen über weißrussisches Gebiet fliegen zu lassen, entschied sich die Fluggesellschaft doch dagegen. So dürften die Austrian Airlines Flüge 0S601 aus Wien nach Moskau und der Retourflug 0S602, die am Montag noch Weißrussland umflogen habe, vorerst die Ausnahme bleiben. „Man hat aber dann wie alle anderen Airlines der Lufthansa Group entschieden, dass man den weißrussischen Luftraum regulär nutzt“, erklärte die Sprecherin der APA. Anders als Austrian Airlines, die am Montag noch über Die Ukraine nach Moskau flogen, hatte ein Flug der Partnerlinie Lufthansa aus Frankfurt nach Moskau am späteren Vormittag Weißrussland wie gewöhnlich gekreuzt. 

Neben Lufthansa und Austrian Airlines, haben sich auch andere Fluggesellschaften entschieden, ihre Maschinen nicht mehr über den weißrussischen Raum fliegen zu lassen. So sollen Flüge der ungarischen Fluggesellschaft Wizz Air von Kiew nach Tallinn ebenso Belarus umfliegen. Auch die polnische Fluglinie Lot bereite nach eigenen Angaben ebenfalls alternative Routen für künftige Flüge vor. Darüber hinaus riet auch die schwedische Verkehrsbehörde den Fluglinien ihrer Landes am Montag davon ab, durch Strecken durch den belarussischen Luftraum zu führen. Litauen verhängte unterdessen ein Überflugsverbot über das weißrussische Gebiet. Flugzeuge, die nach Litauen fliegen oder in dem baltischen EU- und NATO- Land starten, dürfen nicht mehr über das benachbarte Belarus fliegen. 

Verhafteter Blogger

Ursache für diese Diskussionen ist die Verhaftung des Bloggers Roman Protassewitsch. Der oppositionelle Journalist ist am Montag nach seiner Verhaftung in einem Video zu sehen, in dem er erklärte, nasses ihm gut gehe und er sich im Untersuchungsgefängnis in Minsk befinde. Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hatte sich zuvor besorgt um den Verleib des Oppositionsaktivisten gezeigt. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass er jetzt von Mitgliedern der Sondereinheiten gefoltert wird“, sagte Tichanowskaja der Agentur BNS am Montag in Vilnius. Sie stehe in Kontakt mit den Eltern von Protassewitsch. Neben dem Blogger sei seine 23- jährige Freundin festgenommen worden. Sie sei in das Okrestina- Gefängnis in Minsk gebracht worden. Die EU- Staaten haben nach der erzwungenen Landung der Passagiermaschine in Minsk neue Sanktionen gegen Weißrussland erlassen. Wie der Sprecher von EU- Ratspräsident Charles Michael am Montag nach Beratungen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel mitteilte, sollen belarussische Fluggesellschaften künftig nicht mehr den Luftraum der EU nutzen auch auch nicht mehr auf Flughäfen in der EU starten und landen dürfen.

Weißrussland verbietet Berichterstattung über Massenproteste

Künftig sei es in Weißrussland für Journalisten verboten über die Massenproteste zu berichten. Der Präsident Alexander Lukaschenko setzte am Montag mehrere Änderungen am Gesetz für Medien und Massenveranstaltungen in Kraft. Diese untersagen Reportern, an nicht- genehmigten Massenveranstaltungen teilzunehmen, live über sie zu berichten oder sie zu organisieren. Die nun verabschiedeten Gesetzesänderungen schränken unabhängigen Journalismus in der Ex- Sowjetrepublik weiter ein. Dem belarussischen Journalistenverband zufolge sitzen derzeit rund 30 Journalisten in Haft. 

APA/ Red.

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