Neue Klimaschutzregeln für Luftfahrt

Neues Gesetzespaket „Fit for 55“
© Pixabay

Die EU-Kommission legt am 14. Juli das Gesetzespaket „Fit for 55“ vor. Damit soll das schon beschlossene Ziel erreicht werden, den Ausstoß von Treibhausgas bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Der Luftverkehr verursachte vor der Coronakrise 3,7 Prozent der CO2-Emissionen. Folgende Verschärfungen könnten in den Entwürfen enthalten sein:

Nachhaltiger Kraftstoff

Fossiles Kerosin könnte durch nachhaltiges Flugbenzin oder Biokerosin (SAF) ersetzt werden. Gewonnen wird es aus Restmüll oder Altöl. Experten zufolge soll es dreimal so teuer sein wie fossile Kraftstoffe. Nur 0,05 Prozent des Flugbenzins sind in der EU bisher Biokerosin. Die EU plant eine SAF-Beimischungsquote. Der erste Vorschlag, dass Airlines bis 2030 fünf Prozent nachhaltigen Kraftstoff tanken und bis 2050 auf mehr als 60 Prozent kommen sollten, wurde verworfen. Die Einstiegsquote könnte höher ausfallen.

Im Vergleich zu früher ist in der Branche bezüglich des Klimawandels ein Umdenken erkennbar. Man ist nicht mehr strikt gegen jede Quote. Einige EU-Länder planen schon nationale Quoten. Die AUA-Mutter Lufthansa hat gemeinsam mit etlichen Unternehmen und Klimaschützern der EU eine zusätzliche Quote für „E-Kerosin“ vorgeschlagen. Sie regen eine Beimischungsquote von 0,5 bis 1,0 Prozent E-Kerosin aus grünem Wasserstoff ab 2027 an. 2030 soll diese auf 2,5 Prozent ansteigen. In Deutschland haben Bund, Länder und Luftverkehr im Mai einen Fahrplan beschlossen, nach dem ab 2030 jährlich mindestens 200.000 Tonnen grünes Flugbenzin eingesetzt werden sollen. Das wären rund zwei Prozent des Verbrauchs aller in Deutschland startenden Flugzeuge. Dafür müssen allerdings noch ausreichende Produktionskapazitäten ausgebaut werden.

Kerosinsteuer

Eine Besteuerung des klimaschädlichen, bisher steuerfreien fossilen Flugbenzins soll die große Preislücke zum viel teureren nachhaltigen Kerosin verringern. Die EU will einen ab 2023 schrittweise steigenden Mindeststeuersatz auf Kerosin vorschlagen. Dieser Vorschlag erntete Kritik seitens der deutschen Luftfahrtbranche. Man befürchte gegenüber nicht-europäischen Konkurrenten benachteiligt zu werden, da diese keine Steuer zahlen müssten. Flugverkehr werde nur verlagert, für den Klimaschutz sei nichts gewonnen. In Deutschland gibt es außerdem schon die Luftverkehrssteuer, hieß es.

CO2-Emissionshandel (EHS)

Die Luftfahrt nimmt in der EU seit 2012 am CO2-Emissionshandel teil. Fast 6.000 internationale Airlines aus 150 Ländern sind dazu verpflichtet. Dabei kaufen sie für jede Tonne CO2, die im europäischen Luftverkehr ausgestoßen wird, Verschmutzungsrechte. Bis 2020 wurden die Emissionen mit dem EHS auf 95 Prozent des Ausstoßes von 2004-2006 reduziert, ab 2021 jährlich um weitere 2,2 Prozent. Beim EHS könnten die Stellschrauben angezogen werden, indem die verfügbaren Zertifikate schneller reduziert oder die kostenlosen verringert werden.

Die Airlines sehen sich durch den EHS benachteiligt, weil dieser für Flüge innerhalb der EU gilt, während Konkurrenten aus den Golf-Staaten für Zubringerflüge zu ihren Hubs, wie etwa Dubai, nichts zahlen. Die Branche fordert deshalb kostenfreie Zertifikate für Zubringerflüge zu Drehkreuzen in der EU.

Saubere Flugzeuge

Bis 2035 sollen die Hersteller emissionsfreie Flugzeuge zur Marktreife bringen. Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat ein emissionsfreies Verkehrsflugzeug in diesem Zeitrahmen angekündigt. Doch dabei handelt es sich um kleinere Maschinen für Regionalflüge und Kurzstrecken, während längere Flüge auch 2050 noch auf Treibstoff angewiesen sein werden.

Ideen der Branche

Die Modernisierung der Flotten mit sparsameren Flugzeugen ist nach Ansicht der Luftfahrt ein wirksames Klimaschutz-Instrument. Die schon lange diskutierte Reform der europäischen Flugsicherung könnte zu kürzeren Flugrouten mit weniger Umwegen um militärische Sperrgebiete in Europa führen. Airlines, Flughäfen und Lotsen könnten für kürzere Landeanflüge, weniger Warteschleifen und kürzere Rollwege am Boden sorgen. Kürzere Bahnreisen und bessere Anbindungen von Flughäfen an die Schiene sind eine Möglichkeit, den Inlandsluftverkehr zu reduzieren.

APA/red

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