Personalabbau im Lufthansa-Konzern läuft nicht glatt

Fliegendes Personal soll durch Schließung von Teilgesellschaften abgebaut. Daraufhin hagelte es Kündigungsschutzklagen.
© Lufthansa Bildarchiv/Oliver Roesler

Noch etwas Zeit haben die Piloten der Kerngesellschaft Lufthansa, um sich mit dem Unternehmen auf die geforderten kreativen Teilzeitmodelle zu einigen

Bei ihrem Stellenabbau in Deutschland stößt die AUA-Mutter Lufthansa auf Widerstand. Die Kranich-Airline ist mit Kündigungsschutzklagen konfrontiert. Der Konzern setzt in der Coronaflaute auf die Schließung von Teilgesellschaften, während die große Masse der Beschäftigten im Kern noch vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt ist und im laufenden Jahr mit Kurzarbeitergeld über die Runden kommt. An manchen Stellen wird sogar neu eingestellt.

Relativ schnell hatte sich der Konzern nach dem Corona-Einbruch im vergangenen Jahr entschieden, die ungeliebte Germanwings zu schließen. Nach dem vom Co-Piloten verursachten Absturz im März 2015 mit 150 Toten war der Markenname ohnehin weitgehend verschwunden und nur noch zum Dienstleister innerhalb der Eurowings-Marke degradiert worden. Auch die SunExpress Deutschland, ein Gemeinschaftsbetrieb mit Turkish Airlines, hatte unter Coronabedingungen keine Zukunft mehr. SunExpress-Crews hatten unter anderem touristische Langstreckenflüge unter dem Lufthansa-Logo absolviert. Rund 2.600 Beschäftigte stehen so vor äußerst unsicheren Zukunftsperspektiven, auch wenn die Eurowings-Kerngesellschaft und die neue Eurowings Discover jeweils rund 300 Leute für weiter aufrecht zu erhaltende Flugangebote suchen.

Mehr als 150 Piloten und Flugbegleiter klagten

Der Anwalt Martin Leufgen aus Rommerskirchen vertritt nach eigenen Angaben mehr als 150 Piloten und Flugbegleiter bei Kündigungsschutzklagen. Er ist der Meinung, dass die Betriebe auf andere Lufthansa-Gesellschaften übergegangen sind, die Leute daher nicht hätten gekündigt werden dürfen. Ab Juni werden sich damit die Arbeitsgerichte in Köln und Frankfurt beschäftigen. In ersten Güteterminen hat die Germanwings nach Auskunft beider Seiten keine Kompromissbereitschaft erkennen lassen.

Die Lufthansa sieht hingegen keinen Betriebsübergang, bei dem dann sämtliche Mitarbeiter übernommen werden müssten, wie eine Sprecherin bestätigt. Die rund 600 Stellen gebe man zwar bevorzugt an Bewerber aus dem Konzern, behalte sich aber die „Bestenauswahl“ vor. Immerhin werde die Berufserfahrung berücksichtigt, lobt Verdi, wenn auch keine Kabinenchefs (Purser) gesucht würden. Nicht berücksichtigt werden bei den Bewerbungen die SunExpress-Piloten mit einer Zulassung auf die Boeing 737, ein Flugzeugtyp, der im gesamten Lufthansa-Konzern nicht mehr geflogen wird. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit bietet ihnen zwar Rechtsschutz an, sieht aber die Chancen wegen der fehlenden Arbeitsmöglichkeiten begrenzt.

Wesentlich besser schätzt die Gewerkschaft Verdi die Chancen von Flugbegleitern ein, bei der Eurowings Deutschland unterzukommen. Die Lufthansa-Tochter für Direktflüge hat ihr Programm mächtig umgebaut und hofft, im Sommer rund 80 Jets auslasten zu können. Statt der klassischen Urlaubsziele am Mittelmeer werden nun auch Verbindungen nach Südosteuropa geflogen, die oft für Familienbesuche in diesen Ländern genutzt werden. „Das funktioniert in der Krise besser“, hofft man in Köln. Bei den Touristikzielen legen Griechenland und die Kanaren zu.

Job von 1.200 Piloten wackelt

Noch etwas Zeit haben die Piloten der Kerngesellschaft Lufthansa, um sich mit dem Unternehmen auf die geforderten kreativen Teilzeitmodelle zu einigen. Sollte es dazu nicht kommen, müssen bis zu 1.200 der mehr als 5.000 Piloten ab dem zweiten Quartal des kommenden Jahres gehen. Mit der Flugbegleitergewerkschaft UFO sowie Verdi hat sich das Unternehmen bereits auf längerfristige Sparbeiträge des Boden- und Kabinenpersonals verständigt und dabei als Gegenleistung den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen versprochen.

 

APA/red

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