Reise-Chaos auf Berliner Flughafen

Am BER zeigte sich der Personalmangel am Wochenende sehr deutlich - und mündete in langen Wartezeiten und verpassten Fliegern.
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BER ist ein internationaler Verkehrsflughafen in Schönefeld und liegt südlich der Berliner Stadtgrenze.

Der neue deutsche Flughafen BER in der Hauptstadt Berlin wurde dadurch bekannt, dass satte 14 Jahre daran gebaut und die eigentlich für 2011 geplante Eröffnung sieben Mal verschoben wurde. Im Oktober des vergangenen Jahres konnte er dann endlich in Betrieb gehen. Nur ein knappes Jahr später kam es vergangenes Wochenende erstmalig zur Überlastung aller Kapazitäten – und das obwohl man vom Vorkrisen-Niveau noch weit entfernt ist.

Alleine am Freitag reisten rund 67.000 Passagiere über den BER, am Samstag waren es 55.000 und am Sonntag stieg die Zahl wieder auf ganze 66.000 Fluggäste. Das sind Menschenmengen, die der Flughafen eigentlich locker stemmen sollte, trotzdem wurden Geduld und Nerven der Passagiere auf die Probe gestellt: Neben Check-In-Wartezeiten bei teilweise über zwei Stunden verpassten viele ihre Flieger, für ankommende Maschinen fehlten immer wieder mal die Ausstiegstreppen.

Die Frage der Schuld

Die deutsche Airline Lufthansa gab die Schuld dem Flughafen und wies darauf hin, dass diesem schlichtweg die Abfertigungskapazitäten fehlten. Sie selbst hätte nämlich die maximale Zahl der 12 Check-In-Schalter besetzt und zusätzliches Personal im Warteraum eingeteilt. Zudem machte eine Unternehmenssprecherin darauf aufmerksam, dass das Eincheck-Verfahren sich im Gegensatz zum Normalzustand als deutlich aufwendiger herausstellt, da die Reisenden Test- bzw. Impfzertifikate vorweisen müssen.

Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg hingegen gab den Airlines selbst die Schuld. Ihnen zufolge hätte die Mitarbeiterzahl „unter der Planung“ gelegen. Grund dafür waren zahlreiche Krankmeldungen von Angestellten, die so kurzfristig nicht ersetzt werden konnten. Demnach sei es vor allem am Samstag zu langen Wartezeiten gekommen, obwohl die Anzahl der Fluggäste an diesem Tag deutlich geringer war als am restlichen Wochenende. Auch bei den Bodenverkehrsdiensten sei die Personaldecke zu gering gewesen.

Personal-Notstand

Weltweit leidet die Luftfahrtbranche aktuell unter Personalmangel, wie der Flughafenverband ADV festhält: „Durch Kurzarbeitszeitregelungen an den Flughafenstandorten wegen des mehrmaligen Lockdowns haben viele Beschäftigte das Arbeitsverhältnis gelöst oder stehen durch ausgelaufene Verträge nicht mehr zur Verfügung.“ Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage der Airlines wäre es zudem nicht möglich, neue Mitarbeiter auf Kurzarbeitsbasis einzustellen. „Wir haben beim Neustart in allen Bereichen zu wenig Leute“, pflichtet auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bei. „Das System ist kaputt und hat sich als nicht krisenfest erwiesen.“

Nicht nur am neuen Berliner Flughafen, sondern auch am größten deutschen Airport, dem Frankfurter Flughafen, kam es im Sommer zu großen Spitzen in der Verkehrsauslastung. Aufgrund von Personalengpässen wurde schließlich sämtliche Kurzarbeit gestoppt und neue Leute gesucht. Aber auch am vergangenen Wochenende kam es mit einer Passagierzahl von unglaublichen 130.000 Personen pro Tag zu starkem Andrang – dennoch ging man professionell mit der Situation um, sodass im Gegensatz zum BER lange Wartezeiten vermieden werden konnten.

Normalisierung erst 2025 erwartet

Aus Kostengründen ist am BER aktuell nur eines von drei Terminals, nämlich das Hauptterminal 1, geöffnet. Während der Pandemie möchte man kein weiteres für den Passagierverkehr zugänglich machen, obwohl das Terminal T2 bereits im vergangenen Jahr fertiggestellt wurde. Die verantwortlichen gehen nach wie vor davon aus, dass die Kapazitäten reichen werden.

Zudem ist Fraport der Ansicht, dass das Vorkrisen-Verkehrsniveau erst 2025 oder gar ein Jahr später erreicht werden könne. Bis dahin möchte man auch die aktuell 5.600 Mitarbeiter in der Abfertigung wieder auf die alte Stärke – rund 2.000 Personen mehr – anheben. Bis dahin will man mit Sonderschichten und Aushilfen aus anderen Bereichen zurechtkommen. Auch die Betreiber des BER schließen sich dem an und glauben erst für 2025 an eine Normalisierung des Passagieraufkommens.

APA/Red.

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