Speichersee-Projekt in Vorarlberg ist gestorben

Silvretta Montafon Bergbahnen GmbH nannte die Verfahrensdauer als primären Grund.
© Silvretta-Montafon/Daniel Zangerl

Skifahren ist ohne Beschneiungsanlagen oft nur mehr schwer möglich

Ein in Vorarlberg umstrittenes Speichersee-Projekt im Montafon hat am Dienstag (16.6.) ein unerwartetes Ende gefunden. Die Silvretta Montafon Bergbahnen GmbH zog sich aus dem laufenden Verfahren für das Projekt „Speichersee Schwarzköpfle“ zurück, wie das Unternehmen bekannt gab. Als primärer Grund dafür wurde die Verfahrensdauer genannt. Der vorliegende Antrag werde zurückgezogen, hieß es.

Das Projekt „Speichersee Schwarzköpfle“ im Gemeindegebiet von St. Gallenkirch (Montafon) hatte im Jänner 2018 – als es an die breite Öffentlichkeit gelangte – hohe Wellen geschlagen. Während die Talschaft Montafon auf die Errichtung des Stausees in über 2.000 Meter Seehöhe mit einem Verfassungsvermögen von rund 307.000 Kubikmeter als unbedingt notwendiges Zukunftsprojekt pochte, sprach Umwelt-Landesrat Johannes Rauch (Grüne) damals von einem „überdimensionierten Projekt, das es so nicht geben darf“. Die Erweiterung der Schneeerzeugungsanlage Versettla und Valisera sollte nach Angaben des Unternehmens die Basis für die Zukunft des Skigebiets und des Tourismus in der Talschaft sichern.

Im vergangenen Dezember wurde bekannt, dass für das Projekt nach Abänderungen durch den Projektbetreiber keine Pflicht zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) mehr bestand. Gemäß dem abgeänderten Antrag zufolge wäre unter anderem auf einen ursprünglich vorgesehenen Pistenbau verzichtet worden. Zudem wurde der Nutzinhalt im Vergleich zum ursprünglichen Projekt um gut 30.000 Kubikmeter reduziert. UVP-Pflicht bestand keine mehr, das veränderte Projekt musste aber einem Genehmigungsverfahren in Bezug auf das Wasser- als auch das Naturschutzrecht unterzogen werden.

Für die Silvretta Montafon Bergbahnen GmbH war nun insbesondere die zeitliche Dimension entscheidend dafür, sich aus dem Projekt zurückzuziehen. Trotz positiven Bescheids sei es im Beschwerde- und Instanzenweg immer wieder zu Verzögerungen gekommen. „Eine Realisierung des 2014 begonnenen Projektes ist nach wie vor nicht absehbar. Zudem gibt es Grund zur Annahme, dass sich der Behörden- und Instanzenweg im laufenden Verfahren weiter verlängern wird“, so das Unternehmen. Es sei unternehmerisch nicht mehr vertretbar, diesen Weg weiterzugehen.

In Sachen Schneesicherheit durch ausreichende Wasserversorgung der Beschneiungsanlagen wolle man nun neue Wege evaluieren. „Spätestens seit Corona sind wir in einer Situation, in der eine durch Schneemangel deutlich verkürzte Saison wirtschaftlich existenzgefährdend sein kann“, sagte Martin Oberhammer, Geschäftsführer der Silvretta Montafon Bergbahnen. Kurzfristig könne auch eine geringere Wassermenge hilfreich sein, die langfristig benötigten Kapazitäten blieben jedoch unverändert.

APA/red

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