Tourismus kämpft mit Personalmangel

Branchensprecherin: Es fehlt an Hilfskräften ebenso wie an Fachkräften.
© WKÖ

Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich

Vier Wochen nach der Öffnung des Tourismus herrscht in der Ferienhotellerie Freude über das Wiederaufleben des Geschäfts – die Buchungen springen an. Nach über einem Jahr Pandemie und monatelangen Lockdowns mangelt es aber an allen Ecken und Enden massiv an Personal. „Diese Sommersaison wird eine ziemliche Herausforderung, was die Mitarbeiter betrifft“, betonte WKÖ-Branchensprecherin Susanne Kraus-Winkler im Gespräch mit der APA. Rund ein Viertel der Beschäftigten ist weg. Hotellerie und Gastro beschäftigen zu Normalzeiten rund 220.000 Mitarbeiter. Geschätzt 55 Prozent waren der Hotelierssprecherin zufolge während des Lockdowns in Kurzarbeit, rund 28 Prozent waren in der Arbeitslosen und nur etwa 16 Prozent wurden voll weiterbeschäftigt. Die Zahl der Arbeitslosen im Tourismus sei heuer von April auf Mai von rund 62.000 auf 44.600 gesunken. Anfang Juni waren den Angaben zufolge weitere rund 100.000 Beschäftigte in Kurzarbeit, Ende März waren es noch rund 122.000 gewesen.

„Das ist kein Österreich-Problem, das ist sogar weltweit ein Problem“, berichtete die Obfrau des Fachverbands Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich. Auch in den USA würden in den „total gut gebuchten Hotels“ oft nur „limited services“, also eingeschränkte Dienstleistungen, angeboten, da viele Mitarbeiter fehlten. „Dort ist das Thema aktuell sogar noch stärker als bei uns, da das hier durch die Kurzarbeit abgefedert wurde.“ Das Einzige, was in den US-Herbergen immer besetzt sei, sei die Rezeption.

Während die Gäste in die Ferienhotellerie zurückkommen, hat ein erheblicher Teil der Beschäftigten der Branche inzwischen den Rücken gekehrt – nach Monaten der Ungewissheit darüber, wie es mit ihrem Job weitergeht. „Das größte Problem im Moment ist das Thema Mitarbeiter – es geht nicht nur um die Fachkräfte, auch um die Hilfskräfte“, strich Kraus-Winkler hervor. Das Arbeitsmarktservice (AMS) komme mit dem Vermitteln der offenen Stellen nicht mehr nach.

„Die Arbeitslosen sowie grob drübergeschätzt 5 bis 10 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit springen ab, wenn diese beendet wird“, sagte Kraus-Winkler. Das impliziert 50.000 bis 55.000 offene Stellen in der Branche. „Ich höre das vor allem in der Stadthotellerie, aber beispielsweise auch von einigen Betrieben in Niederösterreich“, so die Hotelierssprecherin. Von dieser Entwicklung ausgenommen seien hauptsächlich Betriebe, die sehr viele Stammmitarbeiter haben.

APA/Red.

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