Venedig kämpft um seine Zukunft

Der touristische Neustart ist in der Lagunenstadt wegen der Coronakrise noch nicht in Sicht.
© Pixabay

Canale Grande in Venedig

Die Geschäfte am Markusplatz sind zum Großteil geschlossen, genau wie vor einem Jahr. In der Nacht auf den 13. November wurde Venedig von einer katastrophalen Flutwelle überschwemmt. Das Wasser – angetrieben durch Schirokko-Wind – stieg auf 187 Zentimeter über dem Meeresspiegel. Das war der höchste Stand seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 Zentimeter erreicht wurden.

Seit dieser dramatischen Nacht ist Venedig nicht mehr die selbe Stadt. Das Symbol des Massentourismus, in dessen Gassen sich täglich bis zu 130.000 Menschen tummelten, ist zum Erliegen gekommen. Zwar hat die UNESCO-Stadt relativ schnell die Schäden behoben, die Touristen sind seit dem dramatischen November 2019 aber fern geblieben. Drei Monate nach der „Acqua alta“, wie die Venezianer das ihnen vertraute Phänomen bezeichnen, brach in Norditalien die Coronavirus-Epidemie aus, die die Lagunenstadt und ganz Italien zu einem beispiellosen Lockdown zwang. Seitdem hat der touristische und wirtschaftliche Niedergang Venedigs begonnen, für den bisher noch kein Ende in Sicht ist.

Der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, gedachte des Hochwassers vor einem Jahr: „Das Szenario war einfach apokalyptisch. Ich hätte es damals nie für möglich gehalten, dass wir heute weiterhin so hart kämpfen müssen und zwar gegen einen unsichtbaren Feind, wegen dem wir in einen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Notstand geschlittert sind.“

„365 Tage sind seit der außerordentlichen Flutwelle des vergangenen Novembers ins Land gezogen, doch Venedig kämpft immer noch um seine Zukunft. Nach dem Hochwasser konnten wir uns vor Fasching noch einmal aufraffen, sind aber kurz darauf in den Coronavirus-Albtraum gestürzt, der immer noch nicht zu Ende ist. 30 Prozent der Lokale und Geschäfte rund um den Markusplatz sind geschlossen“, klagt Claudio Vernier, Präsident des Verbands der Kaufleute, laut lokalen Medien.

Dammsystem MOSE gegen Flutwellen

Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist Venedig jetzt besser für weitere Flutwellen gerüstet. Im Oktober wurde erstmals das mobile Dammsystem MOSE erfolgreich eingesetzt. Trotz „Acqua Alta“ von 125 Zentimetern blieb der Markusplatz trocken. Bürokratie, Korruptionsskandale und unterschiedliche politische und wirtschaftliche Interessen hatten das Milliarden-Projekt immer wieder verzögert. „In einem Jahr ist es uns trotz Corona-Pandemie gelungen, MOSE fertigzubauen. Dieses Infrastrukturprojekt hat eine umstrittene und komplizierte Geschichte hinter sich. Jetzt ist aber ein langes Kapitel glücklicherweise zu Ende gegangen. Wir können bei Hochwasser die Barrieren aufstellen, um die Lagune vor den Fluten zu schützen“, sagte die dafür zuständige Regierungskommissarin Elisabetta Spitz.

APA/red

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