Westbahn kooperiert in Zukunft mit RegioJet

Ab Juni 2020 soll der Betrieb auf die Strecke Wien–Budapest ausgedehnt werden.
© RegioJet

Das mehrheitlich private Bahnunternehmen Westbahn arbeitet auf der Strecke Wien-Prag künftig mit der ebenfalls privaten tschechischen Bahngesellschaft RegioJet zusammen. Ab Jahresende wird die Westbahn auf österreichischer Seite für den Betrieb der RegioJet-Züge bis zur Grenze verantwortlich sein, wie das Unternehmen bekannt gab. Bisher war dafür die Graz-Köflacher Bahn (GKB) zuständig.

„Ab dem 15. Dezember übernehmen wir das“, sagte Westbahn-Sprecherin Ines Vopert am Montag zur APA. „Für die Reisenden wird sich nichts ändern, denn die ganze Erscheinungsform wird nach wie vor RegioJet sein.“ Und es werde nach wie vor die vier täglichen Verbindungen zwischen Wien-Hauptbahnhof und Prag geben, die am 10. Dezember 2017 eingeführt wurden. Ab Juni 2020 ist zudem geplant, die Verbindung von Prag über Brünn nach Wien auf die Strecke über Hegyeshalom nach Budapest zu verlängern. Die Westbahn wird ab diesem Zeitpunkt somit nicht nur für alle betrieblichen Aufgaben im österreichischen Netz zwischen Břeclav und Wien Hauptbahnhof, sondern auch weiter bis zum ungarischen Grenzbahnhof Hegyeshalom zuständig sein. Dort übernimmt der ungarische Betreiber Continental Railway Solution die entsprechenden Funktionen auf der Weiterfahrt bis Budapest.

Bisher haben die Westbahn und die Tschechen nur im Ticketvertrieb zusammengearbeitet, nicht operativ. „Wir haben bereits den gemeinsamen Verkauf am Wiener Hauptbahnhof“, so Volpert unter Verweis auf den gemeinsamen Ticketshop. Die Festsetzung der Fahrkartenpreise auf der Strecke Wien-Prag obliegt der tschechischen Gesellschaft. „Das Ticketing ist Aufgabe der RegioJet, das heißt die Preise bestimmen die“, bestätigte die Sprecherin. Auch das Service im Zug bleibt in tschechischer Hand.

Für den operativen Betrieb der tschechischen Züge hat die Westbahn jedenfalls mehr als ausreichend personelle Ressourcen frei. Denn sie hat zum einen neue, längere Zuggarnituren bestellt und zum anderen einen Teil ihrer Flotte per Mitte Dezember 2019 bereits nach Deutschland verkauft. Ab dem Fahrplanwechsel im Winter bietet die Westbahn deshalb vorerst nur noch stündlich eine Verbindung von Wien-Westbahnhof nach Salzburg an, die – zeitlich versetzte – stündliche Verbindung ab Wien-Praterstern entfällt, bis die bestellten sechsteiligen Zuggarnituren – in Summe sind das 15 Doppelstockfahrzeuge – zur Verfügung stehen. Das Angebot an Verbindungen wird also vorerst halbiert.

Das wird den Unternehmensangaben zufolge „voraussichtlich zwei Jahre“ dauern. „Wir wollen das ohne Personalabbau schaffen“, bekräftigte die Westbahn-Sprecherin. Derzeit beschäftigt der ÖBB-Konkurrent rund 400 Mitarbeiter. 2021 geht auch der Rest der alten Westbahn-Flotte an die Deutsche Bahn. Die alten vierteiligen Garnituren umfassten rund 326 Sitzplätze, die neuen sechsteiligen sind mit 526 Sitzplätzen deutlich größter.

Das Nachsehen betreffend RegioJet hat nun jedenfalls die steirische Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH (GKB), deren zweijähriger Vertrag nicht verlängert worden ist und heuer am 14. Dezember um 24.00 Uhr ausläuft. „Es war für die GKB kein Verlustgeschäft – wir haben einen überschaubaren – aber doch – Gewinn gemacht und die Fahrgastzahlen waren toll“, sagte Unternehmenssprecher Ernst Suppan zur APA. Schon nach einem halben Jahr sei man auf rund 500.000 Passagiere gekommen, also gut am Weg zur geplanten Million nach zwölf Monaten gewesen. Es habe aber „Auffassungsunterschiede über die betriebliche Abwicklung“ gegeben.

Der Personalaufwand für den RegioJet-Betrieb auf österreichischer Seite war für die GKB recht gering – in Summe wurden dafür nur vier Zugbegleiter aufgenommen. Denn als Kooperationspartner für den Betrieb stellten die Steirer für die vier täglichen Verbindungen lediglich einen Schaffner und einen Lokführer pro Zug – das Servicepersonal an Bord kam ebenso wie die Garnituren von RegioJet. Die Spitzenabdeckung, etwa zu Urlaubszeiten, übernahm dann das ohnehin vorhandene Stammpersonal der GKB. Die Lokführer stammten von der GKB-Tochter LTE. Für die vier Mitarbeiter, die ab Dezember frei würden, habe man bereits eine Beschäftigung innerhalb des Unternehmens gefunden, betonte Suppan.

„Die Kooperation wurde von RegioJet beendet – wir gehen davon aus, aber das ist eine Vermutung, dass die geänderte strategische Ausrichtung die Ursache ist“, so der Sprecher. Diese Meinungsverschiedenheiten betrafen „betriebliche Rahmenbedingungen und die Entwicklung von neuen Projekten“, wie es dazu in einer Unternehmensmitteilung hieß. Die Fortführung des „wirtschaftlich erfolgreichen Personenfernverkehrsprojektes der GKB“ sei „letztlich an der Kostenstruktur“ gescheitert.

Auf der Strecke nach Prag von RegioJet kam jetzt, nach Vertragsablauf, der österreichische Konkurrent Westbahn zum Zug. GKB strebt nun dem Sprecher zufolge beim Personenfernverkehr „Kooperationen mit anderen an“.

APA/red

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