Wo daneben gefördert wurde

Wer die Zahlen der Hilfsgelder-Verteilung für Österreichs Gastronomie studiert, dem steigt schnell das Geimpfte auf.
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Insgesamt wurden 36 Milliarden Euro von der österreichischen Regierung an Wirtschaftshilfen entweder ausgezahlt. Oder zugesagt. Hier werden Kurzarbeitsgelder, der Fixkostenzuschuss, der Ausfallbonus sowie staatliche Garantien miteinberechnet.

Das EU-Beihilfenrecht lässt Österreich keine andere Wahl, als dass alle staatlichen Hilfen ab 100.000 Euro ein Jahr nach der Genehmigung veröffentlicht werden müssen. Warum man sich davor bislang gedrückt hat? Nun, wer sich die Zahlen genau anschaut, dem steigt schnell das Geimpfte auf. Grundsätzlich möchte man meinen, dass sich vor allem die heimischen Gastronomen über die meisten Zuschüsse freuen konnten, da diese doch die heftigsten Umsatzeinbußen durch die Corona-bedingten Schließungen hinnehmen mussten und bei denen so manche befürchtete Existenzkrise längst Realität wurde.

Dass die Gastronomen sich nach der entsprechenden Veröffentlichung auf die Hinterbeine stellen werden und ein lautes Gezeter anheben wird, kann angesichts der vorliegenden Zahlen vorausgesetzt werden: Kanzler-Sympathisant und Szenegastronom Martin Ho zum Beispiel erhält sage und schreibe 1,28 Millionen Euro an Förderungen für seine fünf Unternehmen, die vier Dots-Lokale und die Chin Chin Gastronomie.

Wo einem bei näherer Betrachtung die Kinnlade herunterfällt: Dem Franchise-Unternehmen Starbucks wurden 800,000 Euro von der österreichischen Regierung zugesprochen. Was daran völlig aus dem Verhältnis gerissen wird und eine absolute Farce für unsere Gastronomiebetreiber bedeutet? Die Kaffeehauskette hat im gesamten Jahr 2019 bei einem Umsatz von 14,6 Millionen Euro nur 2.850 Euro Steuern gezahlt. Dem Konzern wird somit 280 Mal so viel Geld aus dem Steuertopf ausbezahlt, als er tatsächlich beigetragen hat. Seine Gewinne soll das Unternehmen sowieso mittels Steuertricks in die Niederlande weiterschieben.

Das Unternehmen stellt sowieso schon seit Jahren eine Konkurrenz zur Kaffeehauskultur in Österreich dar. Aber diese auch noch in einem so hohen Ausmaß zu unterstützen – das lässt einen doch wundern, welche Stellung unsere Gastronomie- und Kaffeehausbetreiber bei den Entscheidungsträgern innehaben. Von fehlender Wertschätzung ganz zu schweigen.

von Linda Bräuer

 

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