Santorin eröffnet wieder für Touristen

Nach einem von Erdbeben geplagten Frühjahr empfängt die Insel das erste Touristen-Schiff.

25.03.2025 10:12
red05
© MarinadeArt / Adobe
Oia auf der Insel Santorin.

Wochenlang hielten tausende kleine und größere Erdstöße Santorin in Atem. Die seismische Aktivität rund um die weltberühmte Kykladeninsel erreichte Anfang Februar einen historischen Höchststand: Eine Reihe von Erdbeben ließen nicht nur Gläser klirren, sondern auch die Reisepläne tausender Urlauber platzen. Behörden riefen den Notstand aus, Einheimische verließen die Insel, und Hoteliers bangten um eine ganze Saison. Jetzt, nachdem sich die Lage spürbar beruhigt hat, wagt Santorin den Neustart – doch nicht jeder Tourist wird beruhigt sein.

Mit der Ankunft des Kreuzfahrtschiffs Celestyal Discovery am Sonntag hat auf Santorin offiziell die neue Tourismussaison begonnen. Rund 1.700 meist amerikanische Gäste betraten die beliebte Kykladeninsel – ein deutliches Signal: Santorini ist wieder offen. Die griechischen Behörden haben die Insel nach einer Phase intensiver seismischer Aktivität für sicher erklärt. Doch der Weg zurück zur touristischen Normalität bleibt steinig.

Ein Comeback nach den Beben

Zwischen Ende Januar und Mitte Februar bebte die Erde rund um Santorin mehr als 1.200 Mal – ein Rekordwert selbst für das erdbebengeplagte Griechenland. Die Insel stand zeitweise unter Ausnahmezustand, Schulen wurden geschlossen, Baustellen gestoppt, Hotels evakuiert. Zwei Drittel der Bevölkerung verließen zeitweise die Insel. Jetzt, wo die Erdbebenaktivität spürbar nachgelassen hat, kehren viele Insulaner zurück – ebenso wie die ersten Touristen.

Die griechische Tourismusministerin Olga Kefalogianni gab gegenüber CNN Entwarnung. Santorin sei offen und funktioniere wieder ganz normal. Besucher könnten zu 100 Prozent mit einem sicheren Aufenthalt rechnen.

Wissenschaftler bleiben vorsichtig optimistisch

Trotz der offiziellen Freigabe beobachten Experten die Situation weiterhin intensiv. Die Aktivität des unterseeischen Vulkans Koloumbos und mögliche Magmaströme werden täglich gemessen. Laut Geologen handelt es sich bei den jüngsten Beben hauptsächlich um natürliche tektonische Bewegungen – eine Eruption gilt als unwahrscheinlich, ist aber nicht völlig ausgeschlossen.

Der deutsche Reisebuchautor Dirk Schönrock, der seit Jahren auf der Nachbarinsel Naxos lebt, spricht von einem „verhaltenen Optimismus“. Zwar sinke die Anzahl der Beben, doch eine endgültige Entwarnung sei noch nicht möglich. „Die Gefahr eines massiven Abschlussbebens ist zwar gering, aber nicht ganz vom Tisch“, sagt Schönrock. Das Auswärtige Amt rät ebenfalls weiterhin zur Vorsicht und weist auf mögliche Nachbeben sowie Erdrutschgefahr hin.

Verunsicherung bei Urlaubern

Diese Unsicherheit könnte sich auf das Buchungsverhalten auswirken. Während Kreuzfahrten offenbar wieder im Kommen sind – im April werden 35 Schiffe auf Santorin erwartet –, zögern Individualreisende. In Reise-Foren und sozialen Netzwerken äußern viele potenzielle Urlauber ihre Bedenken: Ist es wirklich sicher? Was, wenn erneut ein Beben kommt? Wie schnell kann man die Insel im Notfall verlassen?

Die Bilder der fliehenden Bewohner und gesperrten Straßen sind noch frisch. Auch wenn Hotels und Restaurants inzwischen wieder Gäste empfangen und viele Sehenswürdigkeiten geöffnet sind, bleibt ein mulmiges Gefühl. Der Vulkan, der einst den einzigartigen Krater der Insel formte, schläft – ist aber nicht tot.

Zwischen Hoffnung und Vorsicht

Santorin lebt vom Tourismus – rund 1,3 Millionen Menschen besuchten die Insel allein im letzten Jahr. Für die Einheimischen ist die Rückkehr der Urlauber existenziell. Viele Hoteliers und Gastronomen investieren derzeit mit großer Hoffnung in den Saisonstart. Gleichzeitig bleiben sie wachsam – und vorbereitet.

„Wir haben Notfallpläne, regelmäßige Sicherheitschecks und stehen in engem Kontakt mit den Behörden“, sagt ein Hotelbetreiber aus Oía. „Aber wir wissen auch: Das Vertrauen der Touristen kommt nicht über Nacht zurück.“

(red)

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