Schlussakkord für die Mini-Mozarts
Wien verschärft seine Zonierungsregeln deutlich und will den Straßenverkauf von Konzerttickets im Herzen der Stadt künftig unterbinden.
Die Stadt Wien will die als Mozart verkleideten Ticketverkäufer im historischen Zentrum der Stadt bald komplett verbannen. Hintergrund sind zahlreiche Beschwerden über aufdringliches Verhalten und wiederholte Verstöße gegen bestehende Regeln. Ab Mai 2026 soll der Verkauf von Konzert-Tickets durch diese Straßenhändler an touristischen Hotspots wie dem Stephansplatz, dem Graben, der Kärntner Straße und dem Herbert-von-Karajan-Platz verboten werden.
Beschwerden und Kontrollen
In offiziellen Mitteilungen betont Planungsstadträtin Ulli Sima, dass die bisherigen Regelungen nicht ausreichend Wirkung gezeigt hätten. Eine sogenannte „Zonierungsverordnung“, die 2021 eingeführt wurde, beschränkte die Zahl zulässiger Standorte auf maximal 18; besonders sensible Bereiche wie direkt vor dem Stephansdom waren schon damals ausgenommen. Doch trotz regelmäßiger Kontrollen seien viele Verkäufer ohne Genehmigung unterwegs – allein im Jahr 2024 wurden bei 42 Aktionstagen insgesamt 579 Verkäufer überprüft und 299 Verstöße festgestellt. Besonders an Engstellen wie dem Stephansplatz fühlten sich Passanten und Touristengruppen oft bedrängt.
Vom touristischen Image zum Dauerärgernis
Wien ist nicht nur österreichische Hauptstadt, sondern einer der Hotspots klassischen Musik-Tourismus. Die Mozart-Verkäufer haben über Jahre das Straßenbild der Innenstadt geprägt: in barock anmutenden Kostümen, mit Perücken und gedruckten Broschüren, die klassische Konzerte oder Opernabende versprechen. Doch was als charmante Erinnerung an Mozart gedacht war, geriet zunehmend zur Belastung – für Einheimische und viele Besucher gleichermaßen.
Alte Probleme, neue Fragezeichen
Die aktuelle Debatte knüpft an langjährige Diskussionen über die Rolle der Mozart-Verkäufer in Wien an. Schon in den Jahren vor der Pandemie gab es Versuche, die Szene zu ordnen und zu regulieren – etwa durch Anmeldepflichten, Gebühren und definierte Verkaufszonen. Doch Verstöße und Beschwerden blieben ein Thema. In unserer FaktuM–Recherche wurde vor einem Jahr analysiert, wie die Straße-Mozarts für viele Touristen zu einem zweifelhaften Erlebnis geworden sind – ein Geschäft zwischen Information, Verkaufsschmäh und enttäuschten Erwartungen. Denn viele Konzertbesucher bemerken erst nach dem Kauf, dass sie nicht etwa Karten für hochwertige Opern- oder Philharmonieabende erworben hätten, sondern Tickets für kleinere, weniger prestigeträchtige Konzerte. Die Verkäufer sind dabei nur das sichtbare Ende eines wirtschaftlichen Systems, in dem Veranstalter mit klingenden Namen profitieren – während die Verkäufer selbst häufig schlecht bezahlt werden und die kritische Wahrnehmung auf sie selbst abfärbt.
Bedeutung des Verbots
Mit dem nun geplanten Verbot geht Wien einen deutlich strengeren Weg als bisher. Ein kompletter Ausschluss der Mozart-Verkäufer aus den zentralsten Teilen des ersten Bezirks ist rechtlich über eine überarbeitete Zonierungsverordnung geplant – eine vierwöchige Begutachtungsfrist läuft derzeit, bevor die Regelung Anfang Mai in Kraft treten soll. Fest steht: Mit dem geplanten Verbot betritt Wien nun einen neuen Abschnitt in der Regulierung des öffentlichen Raums, der weit über eine bloße Schönheitskorrektur hinausgeht.
(red)