Linz gibt Flughafen-Anteil an Land ab
Mit dem Verkauf wird das Land Alleineigentümer des Flughafens und will 2027 bis zu 5 Millionen Euro für Investitionen bereitstellen.
Der Linzer Gemeinderat hat am gestrigen Donnerstag den Verkauf des städtischen 50-Prozent-Anteils am Linzer Flughafen an das Land Oberösterreich beschlossen. Der vorläufige Kaufpreis beträgt 1,325 Mio. Euro, könnte aber noch deutlich sinken. Die Landesregierung will den Deal am Montag beschließen und gleichzeitig bis zu 5 Mio. Euro für das Jahr 2027 für den Flughafen bereitstellen. In der Vorlage von Finanzstadtrat Thomas Gegenhuber (SPÖ) wurde auf das Risiko verwiesen, dass der Flughafen mittel- und langfristig nicht operativ positiv geführt werden könne. Das sei mit einem verantwortungsvollen und zweckmäßigen Umgang mit öffentlichen Mitteln „gegenwärtig nicht in Einklang zu bringen“.
Kaufpreis könnte auf 1 Euro sinken
Der vorläufige Kaufpreis orientiert sich an einem KPMG-Gutachten. Dieses kommt je nach Berechnung auf einen Liquidationswert von 1,9 Mio. bis 3,4 Mio. Euro beziehungsweise einen negativen Fortführungswert von 17,3 Mio. Euro. Eine alternative Berechnung unter der Annahme, dass die Hälfte der Kosten für die notwendige Pistensanierung durch einen öffentlichen Zuschuss finanziert wird, ergibt einen negativen Wert von 9,5 Mio. Euro. Wie viel die Stadt tatsächlich erhält, steht deshalb noch nicht endgültig fest. Erst wenn die Kosten für die notwendige PFAS-Sanierung feststehen, soll der Kaufpreis angepasst werden. Laut Vertrag kann er theoretisch auf bis zu 1 Euro sinken. Umgekehrt könnte die Stadt zusätzlich profitieren, wenn das Land die Anteile innerhalb der kommenden fünf Jahre zu einem höheren Wert weiterverkauft. Der Gemeinderat stimmte dem Verkauf nach einer Diskussion, in der mehrfach von einer „Notbremse“ beziehungsweise einem „Notverkauf“ die Rede war, mehrheitlich zu. Gegen den Verkauf stimmten die Liste Linz+ und der ehemalige MFG-Mandatar Norbert Obermayr.
Land plant weitere Millionen für den Flughafen
Mit der Übernahme des städtischen Anteils wird das Land Oberösterreich Alleineigentümer des Flughafens. In weiterer Folge ist eine Teilprivatisierung von bis zu 49 Prozent geplant. Die Landesregierung will am Montag die Finanzierung des Anteilserwerbs über die OÖ Verkehrsholding GmbH beschließen. Die Zustimmung des Landtags steht noch aus und soll voraussichtlich am 1. Oktober erfolgen. Gleichzeitig soll mit dem Regierungsbeschluss die Grundlage geschaffen werden, dem Flughafen im Finanzjahr 2027 bis zu 5 Mio. Euro für Investitionen zur Verfügung zu stellen. Laut Landeshauptmann Thomas Stelzer und Landesrat Markus Achleitner (beide ÖVP) kann das Geld vorbehaltlich der Zustimmung des Landtags als Gesellschafterzuschuss, Gesellschafterdarlehen, Kapitalerhöhung oder Kombination dieser Instrumente bereitgestellt werden.
Weitere Kosten bereits absehbar
Die Grünen kündigten eine Anfrage im Landtag an. Sie wollen unter anderem wissen, wie viel Geld das Land in den kommenden Jahren noch in den Flughafen investieren muss und wie dieser wieder in die Gewinnzone geführt werden soll. Der Airport kämpft seit Jahren mit rückläufigen Passagierzahlen. Im ersten Halbjahr 2026 ging die Zahl der Fluggäste erneut um 15,3 Prozent auf 110.627 zurück. Bereits im Vorjahr mussten Land und Stadt gemeinsam 8 Mio. Euro zuschießen. Für die kommenden vier Jahre stellt das Land zudem bis zu 36 Mio. Euro als Anschubfinanzierung für die Verbindung Linz-Frankfurt bereit. Laut Landesrechnungshof benötigt der Flughafen bis 2035 zusätzlich zwischen 27,6 und 45 Mio. Euro. Die Kosten für die Beseitigung früherer Umweltschäden sind darin noch nicht enthalten.
(APA/red)
