Österreicher offen für zeitgemäßes Kaffeehaus
Eine Umfrage zeigt, dass das Wiener Kaffeehaus für die Österreicher Tradition bleibt, sich aber gleichzeitig an neue Gewohnheiten anpassen soll.
Das Wiener Kaffeehaus bleibt für Österreicher eng mit Tradition verbunden, soll sich aber zugleich weiterentwickeln. Eine Umfrage von TQS Research & Consulting im Auftrag des Café Landtmann zeigt, dass 93 Prozent der Befragten eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Kaffeehauskultur begrüßen. 68 Prozent sehen ohne entsprechende Veränderungen sogar die Bedeutung der Traditionsbetriebe für jüngere Generationen gefährdet. Anlässlich des Tages des Kaffees und des 153. Geburtstag des Café Landtmann wurde nach der heutigen Bedeutung des Wiener Kaffeehauses gefragt. Für 95 Prozent ist es ein Stück Wiener Geschichte, das bis heute lebendig ist. 85 Prozent sehen Kaffeehäuser als Orte, an denen unterschiedliche Generationen zusammenkommen. Knapp zwei Drittel sprechen sich außerdem dafür aus, neue Besuchsanlässe und Tageszeiten zu erschließen.
Jüngere Gäste offen für Veränderungen
Besonders deutlich zeigt sich die Offenheit bei den jüngeren Befragten. 90 Prozent der 16- bis 29-Jährigen sind der Ansicht, dass sich das Wiener Kaffeehaus weiterentwickeln kann, ohne seine Identität zu verlieren. 80 Prozent finden zudem, dass sich ein Kaffeehaus am Abend anders präsentieren darf als tagsüber. Insgesamt teilen 77 Prozent diese Einschätzung. Cafetier und Geschäftsführer des Café Landtmann, Berndt Querfeld, sieht darin keinen Gegensatz zur Tradition. „Ein Wiener Kaffeehaus darf nicht zum Museum werden“, sagt er. Entscheidend sei vielmehr, den Charakter des Kaffeehauses zu bewahren und gleichzeitig auf neue Gewohnheiten einzugehen.
Nachfrage nach einem Ort für den Abend
Die Befragung zeigt auch ein Bedürfnis nach Gastronomieangeboten zwischen Restaurant und Bar. 93 Prozent schätzen Lokale, in denen man länger zusammensitzen kann, ohne dass daraus ein klassischer Restaurant- oder Barbesuch werden muss. Ebenso viele wünschen sich Orte, an denen man sowohl essen als auch lediglich einen Kaffee oder ein Getränk konsumieren kann. Für 91 Prozent ist dabei eine besondere Abendstimmung wichtig, bei der das Gespräch weiterhin im Mittelpunkt steht. Irmgard Querfeld, Geschäftsführerin und Miteigentümerin der Querfeld-Betriebe, sieht genau darin eine Stärke des Kaffeehauses: Anders als im Restaurant müsse das Essen nicht im Zentrum stehen, während es anders als in einer Bar auch nicht ausschließlich um den Drink gehe. Kaffee, Aperitif, Essen und längeres Zusammensitzen könnten nebeneinander Platz finden.
(APA/red)