Ryanair lehnt Starlink aus Kostengründen ab
Nach einem öffentlichen Wortgefecht mit Elon Musk äußert sich Ryanair-Chef Michael O’Leary zu einem möglichen Investment.
Nach dem öffentlichen Schlagabtausch zwischen Ryanair-Chef Michael O’Leary und dem US-Unternehmer Elon Musk schlägt der Airline-Manager nun gemäßigtere Töne an. Sollte Musk Interesse an einem Einstieg bei Ryanair haben, stünde ihm dies grundsätzlich offen. „Wenn er in Ryanair investieren möchte, hielten wir das für ein sehr gutes Investment“, sagte O’Leary am heutigen Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Dublin. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Nicht-Europäer keine Mehrheit an europäischen Fluggesellschaften erwerben dürfen.
Entscheidung gegen Starlink
Der Streit war in der vergangenen Woche durch O’Learys Ablehnung des Satelliten-Internetsystems Starlink entstanden, das von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX betrieben wird. In der Folge bezeichneten sich beide Manager öffentlich gegenseitig als „Idiot“ und „Vollidiot“. O’Leary begründete die Entscheidung damit, dass Starlink für die mehr als 600 Flugzeuge umfassende Ryanair-Flotte zu teuer sei. Die Antenne auf dem Flugzeug verursache zusätzlichen Luftwiderstand und damit einen höheren Treibstoffverbrauch. Dies führe laut O’Leary zu Mehrkosten von bis zu 250 Millionen Dollar (213,17 Millionen Euro) pro Jahr. Diese Ausgaben ließen sich nicht refinanzieren, da Passagiere auf den überwiegend kurzen Ryanair-Strecken keinen Aufpreis für Internetzugang zahlen würden.
Gegenseitige Vorwürfe
Musk entgegnete zunächst, O’Leary sei über technische Details „falsch informiert“. Daraufhin erklärte der Ryanair-Chef in einem Radiointerview, Musk habe „null Ahnung“ von Luftfahrt, und bezeichnete dessen Plattform X als „Jauchegrube“. Musk reagierte darauf mit der Forderung, O’Leary zu entlassen, und bezeichnete die von Nutzern geäußerte Idee, Ryanair zu kaufen, als eine gute Idee. Die Ryanair-Aktie zeigte allerdings keine nennenswerte Reaktion. Beobachter werteten dies als Zeichen dafür, dass Anleger die auf X diskutierte Übernahmeidee nicht ernst nahmen.
Gespräche mit Starlink laufen weiter
Trotz der öffentlichen Auseinandersetzung bestätigte O’Leary, dass Ryanair bereits seit einem Jahr mit Starlink im Gespräch sei. „Wir mögen das System“, sagte er, verwies jedoch erneut auf die aus seiner Sicht zu hohen Kosten. Starlink argumentiere, dass viele Passagiere bereit seien, für schnelleres Internet zu bezahlen – eine Einschätzung, die Ryanair nach eigenen Erfahrungen nicht teile. Die Airline suche stattdessen nach einem Anbieter, der die Installationskosten selbst übernehme. Auf X scherzte O’Leary, Musk wisse noch weniger über Eigentums- und Kontrollvorschriften für Fluggesellschaften als über die Aerodynamik von Flugzeugen. Nach einer EU-Regelung aus dem Jahr 2008 dürfen ausländische Investoren keine Mehrheit an europäischen Airlines halten.
Marketingeffekt
Ryanair nutzte die Auseinandersetzung auch für eine Werbeaktion. Der Billigflieger bot Musk und „allen anderen Idioten“ auf X ein sogenanntes „Idioten-Sonderangebot“ mit 100.000 Tickets für 16,99 Euro an. Die mediale Aufmerksamkeit habe die Buchungen in den vergangenen Tagen um zwei bis drei Prozent steigen lassen, sagte O’Leary.
Starlink bei Langstrecken passend
Für Starlink gewinnen Fluggesellschaften zunehmend an Bedeutung als Kundengruppe. Das System basiert auf Tausenden Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn und soll schnelleres sowie stabileres WLAN an Bord ermöglichen. Analysten zufolge handelt es sich dabei um ein Premium-Angebot, das sich vor allem für Langstreckenflüge eignet – ein Segment, das Ryanair nicht bedient. Starlink betreibt weltweit rund 9.400 Satelliten. In den USA erhielt SpaceX zuletzt die Genehmigung, 7.500 weitere Satelliten zu starten. Mehr als zwei Dutzend Airlines, darunter United Airlines und Lufthansa, haben angekündigt, den Dienst in ihren Flotten einzuführen. Die Entscheidung der Lufthansa stieß jedoch in der SPD-Bundestagsfraktion auf Kritik. Dort wurde bemängelt, dass man sich damit von Elon Musk abhängig mache und zugleich die Deutsche Telekom als Anbieter übergehe.
(APA/red)