Vier Museen, vier Perspektiven auf Geschichte, Gegenwart und Zukunft

Das Jüdische Museum Wien, das Haus der Musik, das KunstHausWien und das Mozarthaus Vienna zeigen, wie museale Praxis 2026 gesellschaftliche Diskurse aufgreift und gestaltet.

28.01.2026 10:35
Redaktion
© Wien Holding
Museum Judenplatz

Wiens Museumsszene zeigt sich 2026 besonders vielschichtig: Erinnerungskultur, Musikvermittlung, zeitgenössische Kunst und biografische Historie finden in den Häusern der Wien Holding präsente, aktuelle Ausdrucksformen. Das Jüdische Museum Wien, das Haus der Musik, das KunstHausWien und das Mozarthaus Vienna verknüpfen in ihren laufenden Ausstellungen gesellschaftliche, künstlerische und historische Fragestellungen. Ergänzend dazu wird die Stadt im Frühling erneut zum Schauplatz eines transdisziplinären Festivals, das Kunst und Klima zusammenführt – die Klimabiennale Wien 2026, deren Festivalzentrale im KunstHausWien angesiedelt ist und die Diskussion über Nachhaltigkeit, Stadt und Zukunft aufs Parkett hebt.

Jüdisches Museum Wien: Die Macht des Vergessens

Im Museum Judenplatz eröffnet am 27. Jänner 2026 die Ausstellung „Alles vergessen“ – eine kulturhistorisch fundierte Auseinandersetzung mit der doppelten Natur des Vergessens: als Machtinstrument und als Zustand der Ohnmacht. Die Schau reflektiert, wie Vergessen in jüdischen Traditionen wirksam wird – etwa im Bann Cherem, der nicht nur Ausschluss, sondern das Auslöschen von Erinnerung bedeutet – und wie es im Kontext des Nationalsozialismus zum bewusst eingesetzten Mittel der Vernichtung von Spuren jüdischen Lebens wurde. Ebenso thematisiert die Ausstellung die österreichische Vergessenskultur nach 1945 und die späte gesellschaftliche Aufarbeitung im Zuge der Waldheim-Affäre.

Im Museum Judenplatz eröffnet am 27. Jänner 2026 die Ausstellung „Alles vergessen“
© Brigitte Kowanz

„Alles vergessen“ fragt, was verdrängt, überschrieben, übersehen oder bewusst ausgelöscht wird und betrachtet Vergessen nicht nur als Antithese zum Erinnern, sondern als integralen Bestandteil historischer und aktueller Auseinandersetzungen. Arbeiten von internationalen Künstler*innen wie Arnold Dreyblatt, Brigitte Kowanz, Dani Gal und Maya Schweizer verbinden visuelle, fotografische und installative Zugänge zu dieser komplexen Thematik. Die Ausstellung wurde in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems entwickelt und wird dort ab November 2026 weiter gezeigt.

Mehr Informationen: www.jmw.at

Haus der Musik: Klang als Erlebnis, Vermittlung und Reflexion

Das Haus der Musik bleibt ein einzigartiger Ort, an dem Klänge, Musikgeschichte und Wissenschaft zusammenwachsen. Interaktive Installationen machen die Physik des Tons erlebbar, erläutern das menschliche Gehör und öffnen Zugänge zur Musikgeschichte von Mozart und Beethoven bis zu den Wiener Philharmonikern.

Haus der Musik | © Paul Bauer

Neben der Dauerausstellung bereichern Sonderausstellungen und Klangkunstprojekte das Programm, das Musik nicht nur erklärt, sondern fühlbar und erlebbar macht. Das Haus fungiert als Vermittlungsinstitution, die Klangphänomene, historische Narrative und moderne Musikvermittlung verknüpft – ein Raum, in dem Zuhören und Verstehen in unmittelbaren Zusammenhang treten.

Mehr Informationen: www.hdm.at

KunstHausWien und die Klimabiennale Wien 2026: Kunst trifft Klima

Im KunstHausWien verschmelzen zeitgenössische Kunst und gesellschaftliche Themen in programmatischen Schwerpunkten, die Umwelt, Wahrnehmung und Mensch-Umwelt-Beziehungen thematisieren. 2026 ist das Museum zudem zentrale Festivalstätte der Klimabiennale Wien 2026, die von 9. April bis 10. Mai 2026 als zweite Ausgabe stattfindet und Wien erneut zu einem transdisziplinären Raum für Kunst und Klimadiskurs macht.

KunstHausWien | © ip-photography

Unter dem Titel „Seeds“ steht die Hauptausstellung der Biennale für die vielfältige Bedeutung von Samen – als Metapher für Biodiversität, kulturelles Erbe, Ernährungssouveränität, Widerstand und regenerative Zukunftsvorstellungen. Der Karlsplatz sowie weitere Standorte im öffentlichen Raum Wiens werden mit Interventionen bespielt, die künstlerische Positionen zwischen Idylle und Dystopie gegenüber den Herausforderungen der Klimakrise setzen. Begleitend findet ein Klimagipfel statt, der Wissenschaft, Kunst, Bildung, Wirtschaft, Aktivismus und Politik zusammenführt, um gemeinsam Perspektiven und Strategien für eine klimafitte Zukunft zu diskutieren.
Die Klimabiennale ist damit ein maßgeblicher Beitrag zur künstlerischen Vermittlung des Klimadiskurses in Wien und ein Beispiel dafür, wie Museen und Festivals gesellschaftlich relevante Themen öffentlich verankern können.

Mehr Informationen: www.kunsthauswien.com

Mozarthaus Vienna: Leben und Werk im historischen Kontext

Das Mozarthaus Vienna in der Domgasse vermittelt Wolfgang Amadé Mozarts Lebenswelt in seinem historischen Wohn- und Schaffensort. Die Dauerausstellung beleuchtet die familiären, sozialen und musikalischen Kontexte, in denen Mozart lebte und wirkte. Begleitende Sonderausstellungen – in der jüngsten Vergangenheit etwa zu Mozarts Ess- und Trinkkultur – öffnen biografische Zugänge, die über klassische Werkpräsentation hinausgehen.

© Mozarthaus Vienna

Mit seinem Konzert- und Vermittlungsprogramm richtet sich das Mozarthaus gleichermaßen an ein internationales Publikum sowie an interessierte Besucher*innen aus Wien.

Mehr Informationen: www.mozarthausvienna.at

Programmatische Vielfalt

Die programmatische Vielfalt dieser vier Wiener Häuser – von historisch-kritischer Erinnerung über interaktive Klangwelten bis zu zeitgenössischer Kunst und biografischer Annäherung – zeigt, wie museale Praxis 2026 gesellschaftliche Diskurse aufgreift und gestaltet. Mit der Integration der Klimabiennale Wien 2026 als stadtweite künstlerische Plattform erweitert sich das Spektrum der kulturellen Vermittlung um eine dringliche Dimension: die Frage nach Zukunft, Verantwortung und Lebensraum.

Mehr Infos unter: www.wienholding.at

 

(Entgeltliche Schaltung)

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