Mount Fuji-Kirschblütenfest wegen Touristen abgesagt

Wegen überfüllter Wege und rücksichtsloser Touristen muss das japanische Kirschblütenfest am Mount Fuji in diesem Jahr ausfallen.

06.02.2026 12:28
red04
© Adobe Stock
Jedes Jahr lockte das Fest bisher bis zu 200.000 Besucher aus dem In- und Ausland an.

Die japanische Stadt Fujiyoshida hat das berühmte Kirschblütenfest am Mount Fuji für dieses Jahr abgesagt. Grund ist das Verhalten vieler Touristen, das in den vergangenen Jahren zunehmend Probleme für die Anwohner geschaffen hat. Die Entscheidung markiert einen ungewöhnlichen Schritt in Japan, wo Tourismus traditionell als willkommene Einnahmequelle gilt.

Berühmte Kulisse, massiver Andrang

Das Festival im Arakurayama Sengen Park gilt als eines der bekanntesten Fotomotive Japans. Besucher reisen an, um die rosa Kirschblüten vor der fünfstöckigen Chureito-Pagode zu sehen, mit dem majestätischen Mount Fuji im Hintergrund. Jedes Jahr lockte das Fest bisher bis zu 200.000 Besucher aus dem In- und Ausland an. Was einst ein beschauliches Frühlingsfest war, verwandelte sich durch die Menschenmassen zunehmend in eine logistische Herausforderung. Wege waren überfüllt, Parkplätze knapp, Straßen oft blockiert. Müllberge häuften sich und machten den Spaziergang durch die blühenden Alleen für Einheimische teilweise unmöglich.

Beschwerden der Anwohner

Anwohner berichteten von respektlosem Verhalten der Besucher: Einige Menschen drangen in private Grundstücke ein, setzten sich auf Zäune oder nutzten öffentliche Bereiche als Toiletten. Bürgermeister Shigeru Horiuchi sagte, viele Bürger fühlten sich dadurch in ihrer Alltagsruhe und Sicherheit bedroht. Die Entscheidung, das Fest 2026 komplett abzusagen, sei notwendig gewesen, um die Lebensqualität der Menschen vor Ort zu bewahren. Trotz der Absage bleibt der Arakurayama Sengen Park während der Blütezeit zugänglich. Die Stadt plant zusätzliche Sicherheitskräfte, mobile Toiletten und strengere Verkehrsregelungen, um den Besucherandrang zu kontrollieren. Touristen können also weiterhin die Kirschblüten bewundern, müssen sich aber auf kontrollierte Zugänge, längere Wege und eingeschränkte Parkmöglichkeiten einstellen. Ziel ist es, das Naturerlebnis für alle zu schützen, ohne die gesamte Kirschblütensaison zu verbieten.

Massentourismus als Herausforderung

Die Absage zeigt die Kehrseite des wachsenden Tourismus in Japan. Nach der Corona-Pandemie und dem schwachen Yen boomte das Land erneut als Reiseziel. 2025 erreichte die Zahl der internationalen Besucher historische Rekordwerte, und Sehenswürdigkeiten wie Fujiyoshida, Kyoto oder Kamakura berichten von Überfüllung und Konflikten zwischen Einheimischen und Besuchern. Experten warnen, dass beliebte Natur- und Kulturschauplätze überlastet werden könnten, wenn kein verantwortungsvoller Umgang mit den Besuchermassen stattfindet. Fujiyoshida gilt damit als Beispiel für die wachsende Herausforderung, Tourismus und lokale Lebensqualität in Einklang zu bringen.

Zeichen für die Zukunft

Die berühmte Kirschblüte bleibt ein Symbol Japans – doch Fujiyoshida macht deutlich: Schönes erleben heißt nicht, Grenzen zu ignorieren. Das Festival war einst ein friedlicher Ort der Freude, heute ist es ein Symbol für die Spannungen zwischen Massentourismus und dem Alltag der Menschen vor Ort. Die Stadt hofft, dass die Absage nicht nur den Anwohnern Ruhe bringt, sondern auch ein Signal an Besucher sendet: Respekt vor Kultur, Natur und Nachbarn ist unverzichtbar, um das einzigartige Erlebnis der Kirschblüte langfristig zu bewahren.

(red)

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