In Sorge um den Opernball

Kommentar von Chrístian W. Mucha

12.02.2026 13:29
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Wiener Staatsoper

Als ich in den letzten Tagen – mit Sorgfalt und Bedacht – in den sozialen Medien geäußert habe, dass ich dem überbordenden Lugnerismus am Wiener Opernball nur wenig abgewinnen kann, ist eine wahre Flut von (mehrheitlich zustimmenden) Reaktionen dazu über mich hereingebrochen. Und wer meinte: „Der Mucha meckert schon wieder“, dem sei entgegengehalten, dass ich als zahlender Gast, der seit 15 Jahren einen Riesenbetrag an die Staatsoper leistet, mir das Recht ausbedinge, dann, wenn es angebracht ist, auch (berechtigte) Kritik anzubringen.

Viele, die der Staatsoper als treue Besucher, als jahrelange Opernball-Geher und als Freunde und Förderer nahestehen, haben mich ermutigt, meine Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft des Opernballs akzentuiert zu kommunizieren. Und haben hinter vorgehaltener Hand gemeint, dass sie völlig meiner Meinung sind, aber sich die Finger nicht öffentlich verbrennen wollen.

Ich habe über das Thema lange nachgedacht und in mehreren TV- und Medien-Interviews meine diesbezüglichen kritischen Überlegungen in den letzten Tagen öffentlich gemacht.

Meine Argumente wurden vielfach übernommen. Zustimmung kam von vielen Freunden und Besuchern der Staatsoper, Verlegern, Journalisten und Society-Reportern, die meine Befürchtungen teils wortgetreu übernommen haben. Noch schöner wäre es, wenn der eine oder andere diesbezüglich auch auf die Idee gekommen wäre, den Namen des Urhebers dieser Kritik – sprich meinen Namen – zu nennen und sich nicht meine Argumente ohne Zitat anzueignen. Aber das sei nur am Rande erwähnt.

Der Opernball ist das wichtigste traditionelle Ereignis Österreichs. Mit weitem Abstand.

Er ist die höchste Einnahmequelle der Wiener Staatsoper im Jahr.

Er ist ein immens belebender Faktor für ungezählte Lieferanten und die Gastronomie.

Er ist eine große Austro-Tradition und damit ein ganz wesentlicher Faktor für den heimischen Tourismus und das Standing der Stadt Wien als Weltzentrum der Kunst, Kultur und der Musik.

Wer über solch ein Kleinod verfügt, der hat die Verantwortung, es auch zu pflegen. Der muss es schützen.

Doch leider ist dieses Kleinod in die Hände diverser Publicity-geiler Unternehmer gefallen, die das Vakuum nach dem Abgang von Richard Lugner nutzen wollen, um sich und ihre Unternehmungen in Szene zu setzen.

In Ermangelung von eigener Bekanntheit, Prominenz und Charisma grassiert nun bedauerlicherweise ein Call-Star-Modell, wo von internationalen Filmstars (Guschlbauers Sharon Stone und Lugners Fran Drescher) bis zu Dschungelstar-Prominenz alle möglichen und unmöglichen Figuren zum Opernball geladen werden.

Die Einlader sonnen sich in der Bekanntheit ihrer Bezahlt-Gäste, stopfen ihre Logen (in extremis bevölkern zwei Bühnenlogen da gezählte 18 Personen) mit einer Vielzahl sogenannter Promis voll und denaturieren Österreichs größten Gesellschaftsabend zur „Wer wird Austria’s Next Lugner?“-Reality-Show auf niedrigem Niveau. Im Wettbewerb um die Lugner-Nachfolge.

Doch wer war der Nachfolger von Hans Moser? Wer war der Nachfolger von Peter Alexander? Die Antwort ist einfach: Keiner. Denn für Originale gibt es keine Nachfolger. Und Richard Lugner war wahrhaftig ein Original.

Ach, wo sind die Zeiten geblieben, als noch Weltstars und gekrönte Häupter den Opernball besuchten? Als von Curd Jürgens bis zu Franz Josef Strauß, von Caroline von Monaco bis zur belgischen Königin wahrhaftige Größen unserer Welt den Opernball adelten.

Doch heute bleiben sowohl der Bundespräsident als auch der Bundeskanzler dem Ball fern. Eine traurige Entwicklung.

Und der Vizekanzler lädt in seine (Gratis-)Loge aus kosmetischen Gründen und zur Selbstrechtfertigung Max Minichmayr, einen jungen Mann mit Down-Syndrom, ein. Eine durchaus ansprechende Geste, die freilich Andreas Babler auch nichts helfen wird: Denn man sieht die Absicht und ist verstimmt.

Nun ist es klar, dass kaum ein Staatspräsident, kaum ein Weltpolitiker sich in Zeiten wie diesen, wo Kriege toben, Menschen hungern und Europa am Rande des Abgrunds steht, auf einer Veranstaltung präsentieren möchte, wo ein Glas Champagner 40 Euro und eine Rangloge samt Nebengeräuschen annähernd 60.000 Euro kostet. Denn diese Beträge sind obszön und politisch inkorrekt. Und da draußen sind nur allzu viele Menschen, die keinerlei Verständnis für Großmannssucht unserer Staatsdiener zum Nulltarif in Zeiten wie diesen haben.

Ich glaube, es wäre an der Zeit, diesem Negativ-Trend, der den Opernball sukzessive entwertet, Marketing-Maßnahmen entgegenzusetzen, um diese bedauerliche Entwicklung zu stoppen. Dagegen gäbe es eine ganze Reihe von probaten Mitteln:

Zum einen wäre die Bundesregierung aufgerufen, wesentliche Proponenten, die international ein hervorragendes Standing haben, zum Opernball einzuladen. Die für Frieden und Demokratie stehen. Und so ein Zeichen zu setzen.

Die Staatsoper wäre eingeladen (ja, es gibt eine Künstlerloge, aber die dort Eingeladenen sind in der Berichterstattung untergegangen), zwei großartige Künstlerlogen aufzulegen, wo internationale Stars aus Oper, Ballett, Gesang, Kunst und Kultur eingeladen werden.

Heuer gibt es ja wieder eine Künstlerloge der Staatsoper. Doch ich habe keinen einzigen bekannten Namen gefunden, der dort im Vorfeld kolportiert wurde. Angeblich soll Anna Netrebko kommen. Aber das ist bis dato unbestätigt.

Wenn Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić nach Sympathie heischt, dann könnte er die Tradition der Opernball-Lady wiederbeleben. Seien wir uns ehrlich, die Sache mit dem Komitee hat überhaupt nicht funktioniert. Opernball-Ladies wie Christl Gräfin Schönfeldt, Lotte Tobisch-Labotyn, Elisabeth Gürtler-Mauthner oder Desirée Treichl-Stürgkh waren starke Zeichen. Mit starken Frauen. Eine wundervolle Tradition. Und es gäbe so viele tolle Damen, die dafür höchst qualifiziert wären.

Lieber Herr Roščić, wenn Sie diesen Schritt nächstes Jahr wagen, dann fliegen Ihnen alle Herzen garantiert zu. Denken Sie doch bitte einmal darüber nach…

Der Österreichische Rundfunk könnte eine Loge für Weltstars aus dem Sportgeschehen kreieren und darauf verzichten, die hochgepushten, sogenannten „ORF-Stars“ in Ego-Manier in Szene zu setzen. Und stattdessen wahrhaftige Größen featuren.

Die heimischen Aristokraten (ja, ich weiß, der Adel ist abgeschafft, aber wir verfügen über eine hochkarätige Szene von Familien mit historischem Background) sollten dabei unterstützt werden, Vertreter des internationalen Hochadels – und damit meine ich nicht irgendwelche Nichten – zum Opernball einzuladen.

Und last but not least sind die Medien aufgerufen, in ihrer Berichterstattung sorgfältig zwischen Qualität und Trash zu unterscheiden.

Die sogenannte heimische Society ist eine bunte Mischung von Stars, Sternen und Möchtegern-Adabeis. Dass sich die alle am Opernball tummeln und natürlich gefeatured werden wollen, ist völlig in Ordnung. Dagegen ist nicht das Geringste einzuwenden. Aber seien wir uns ehrlich: Keiner braucht fette Berichterstattung über Nacktmodelle, Dschungelstars und Glööcklers. Oder die Töchter der Geissens.

Stattdessen könnte man sich auf jene konzentrieren, die der stilgerechten Berichterstattung über den Opernball wahrhaftig wert sind. Stellen Sie sich vor, die Geiss-Töchter sind am Opernball, und keine berichtet über die… Gääähn. Das wäre schön.

Es wird Zeit zum Umdenken. Bevor – dank der grassierenden Lugneritis – der Opernball endgültig zum flachen Trash-Event abdriftet

mahnt

Ihr

Christian W. Mucha,

der sich mit seinen Logen-Partnern Mag. Rudolf Brenner (philoro) und Dr. Christoph Urbanek (Urbanek Law und Finance) und unseren Begleitungen auf einen ungetrübten Opernball-Abend freut. Ohne Stress.

Und das ganz ohne Bezahlt-Stargäste. Nur in unserer Freundesrunde. Mein persönlicher Stargast trägt eine Traumrobe, den schönsten Schmuck am Ball, ist Akademikerin, beliebt bei alt und jung und hat sogar mein Frackhemd gebügelt… Und hört auf den Namen Ekaterina.

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