Bahnverkehr zwischen Hamburg und Berlin rollt wieder

Unbekannte Täter setzten am Freitag Kabelschächte an Bahnstrecken Brand
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Nach einem mutmaßlichen Brandanschlag ist die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin wieder freigegeben. „Die Fernverkehrszüge fahren wieder in beide Richtungen“, sagte ein Bahnsprecher der dpa am Samstag. Ein Sabotageakt hatte am Freitag den Fernverkehr der Deutschen Bahn zwischen Hamburg und Berlin schwer beeinträchtigt.

In Folge der langen Sperrungen könne es im Laufe des Tages jedoch noch zu einzelnen Verspätungen kommen, so der Sprecher. Samstagfrüh war die Lage in Hamburg ruhig gewesen. Nur einzelne Reisende standen an den Gleisen, von denen Verbindungen nach und über Berlin abfahren sollen.

In der Nacht auf Freitag wurden der Polizei zufolge an drei Stellen im Hamburger Stadtgebiet Kabelschächte an Bahnstrecken in Brand gesetzt. Der Fernverkehr der Deutschen Bahn zwischen Hamburg und Berlin wurde schwer beeinträchtigt. Es fielen mehr als 30 Züge komplett oder teilweise aus. Das große Chaos an den Hauptbahnhöfen in Hamburg und Berlin blieb allerdings aus.

Auf der verbotenen linken Plattform Indymedia tauchte ein Bekennerschreiben auf. „In der Nacht des 7. September haben wir in Hamburg Verkehrsadern der kapitalistischen Infrastruktur sabotiert“, heißt es in dem Schreiben. „Einige Liter Benzin in den Kabelschächten an den Schienen sollten zu möglichst langfristigen Ausfällen oder Einschränkungen beim Transport von zum Beispiel im Zuge neokolonialer Ausbeutung und erdzerstörendem Extraktivismus beschafften Rohstoffen führen.“

Allerdings bezieht sich das Schreiben vor allem auf den Güterverkehr. Bei der Tat sollte es demnach um Streckenabschnitte gehen, „die nicht für den Personenverkehr genutzt werden“. Dennoch war am Freitag der Personenverkehr zwischen Berlin und Hamburg stark gestört.

Deutschlands Verkehrsminister Volker Wissing forderte ein konsequentes Durchgreifen des Rechtsstaats. „Solche Anschläge sind eine Form von Terrorismus“, sagte der FDP-Politiker.

Innenministerin Nancy Faeser will die Bahntrassen besser schützen. Der „Bild am Sonntag“ sagte die SPD-Politikerin: „Wer die Täter waren, wird mit Hochdruck ermittelt. Und klar ist nicht erst seit dieser Tat: Wir müssen unsere Bahn-Infrastruktur noch besser schützen. Daher verstärken wir die Videoüberwachung: Bis nächstes Jahr erhöhen wir die Zahl der Kameras an Bahnanlagen von 9.000 auf 11.000.“

Bei größeren Verspätungen oder Zugausfällen haben Bahnreisende bestimmte Rechte. Sie können etwa ihre Fahrkarte zu einem anderen Zeitpunkt und auch über eine andere Streckenführung zum Ziel nutzen oder sich den Ticketpreis erstatten lassen. Je nach Wartezeit können sie auch auf Mahlzeiten und Erfrischungen pochen. Darauf wies die Bahn auch via Twitter (X), die Fahrgäste hin: Zugbindungen seien teils aufgehoben, einige Tickets auch am Samstag noch gültig.

Eher mau sind nach Einschätzung von Juristinnen und Juristen im aktuellen Fall die Aussichten auf zusätzliche Entschädigungen, die einem sonst oft bei Verspätungen ab mehr als einer Stunde zustehen. Der Hintergrund dafür: Der mutmaßliche Brandanschlag ist ein Eingriff Dritter und damit außerhalb des Einflussbereichs der Deutschen Bahn. Der bundeseigene Konzern verurteilte den Brandanschlag „auf das Schärfste“.

APA/Red.

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