Deutsche Reisebranche erwartet “hervorragenden Sommer”

Nachfrage stark gestiegen. Zuletzt wurden mehr Buchungen als vor Corona verzeichnet.
Pixabay

FĂŒr die Deutschen steht Urlaub in diesem Sommer am Plan

Die rekordverdĂ€chtige Inflation und der Ukraine-Krieg scheinen die Reiselust der Menschen in Deutschland nach zwei Corona-Jahren nicht zu dĂ€mpfen – im Gegenteil. Reiseveranstalter berichten von krĂ€ftig gestiegenen Buchungen fĂŒr den Sommer, die seit einigen Wochen das Niveau vor der Coronakrise ĂŒbertreffen. Zudem lassen sich Sonnenhungrige die schönsten Wochen des Jahres teils mehr kosten.

Sie buchten beispielsweise lĂ€ngere Urlaube und mehr Luxushotels, erlĂ€utert Branchenprimus TUI. NachtrĂ€gliche Preiserhöhungen oder KerosinzuschlĂ€ge schließen TUI, Der Touristik und Co. fĂŒr bereits gebuchte Reisen aus. „Der Urlaub steht nach langem Verzicht in diesem Jahr ganz oben auf der Wunschliste der Deutschen, selbst steigende Energiekosten und zunehmende Inflation tun diesem Wunsch keinen Abbruch“, beschreibt Norbert Fiebig, PrĂ€sident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) die aktuelle Lage. Stattdessen gĂ€ben die Menschen bei einem insgesamt stabilen Preisniveau bei Pauschalreisen in diesem Jahr sogar mehr fĂŒr den Urlaub aus.

Viele Veranstalter haben einen großen Teil der Flug- und Hotelkontingente im vergangenen Jahr zu damaligen Preisen eingekauft. Je nĂ€her das Abreisedatum rĂŒckt, desto teurer kann es allerdings fĂŒr Kurzentschlossene werden, weil die Reise möglicherweise nicht mehr aus dem bestehenden Kontingent bedient werden kann. Nach EinschĂ€tzung von TUI-Chef Fritz Joussen könnte es in diesem Jahr weniger Last-Minute-SchnĂ€ppchen geben.

Nach einer Umfrage der GfK-Konsumforscher im Auftrag des Bayerischen Zentrums fĂŒr Tourismus (BZT) möchten 69 Prozent der Befragten, die generell verreisen, in diesem Sommer auf jeden Fall in den Urlaub fahren. Dabei ist ein niedriger Preis fĂŒr jeweils ein Drittel der Reisewilligen, die noch nicht gebucht haben oder noch unsicher sind, ein wichtiges Kriterium fĂŒr die Wahl des Urlaubsziels.

Flugpassagiere mĂŒssen sich wegen gestiegener Treibstoffkosten infolge des Ukraine-Krieges jedenfalls auf höhere Ticketpreise im Sommer einrichten. Darauf weisen die Luftverkehrskonzerne Lufthansa und Air France-KLM hin. „Steigende Kosten mĂŒssen wir an unsere Kunden weitergeben“, sagte Lufthansa-Finanzchef Remco Steenbergen jĂŒngst.

Eine Delle bei den Buchungen stellte der Reisekonzern FTI Group nach Beginn des Ukraine-Krieges fest. Inzwischen habe die Nachfrage wieder stark angezogen, sagt FTI-Chef Ralph Schiller. „Der Buchungseingang ist fĂŒr die gesamte Zeit seit den Osterferien bis in den Herbst gut, und wir ĂŒbertreffen in begehrten Zielgebieten die Vor-Corona-Zahlen von 2019.“ Besonders gefragt sind Schiller zufolge unter anderem Ziele rund um das Mittelmeer, etwa Kroatien, Griechenland und die TĂŒrkei, sowie Ägypten. „Hier könnte es zu den begehrten Terminen in der Sommersaison eng werden mit den PlĂ€tzen.“

Auch Veranstalter Alltours spĂŒrt nach eigenen Angaben „einen enormen Nachholbedarf“. Die tĂ€glichen BuchungseingĂ€nge fĂŒr den Sommer lĂ€gen derzeit zwischen 40 und 80 Prozent ĂŒber denen des Vor-Corona-Sommers 2019. „FĂŒr bereits gebuchte Reisen wird es bei Alltours definitiv keinen Kerosinzuschlag geben“, betont eine Sprecherin.

DER Touristik berichtet von aktuell stabilen Preisen fĂŒr die TĂŒrkei sowie die Balearen und die Kanaren. Langstreckentrips zum Beispiel nach Thailand oder in die Karibik seien sogar rund fĂŒnf Prozent gĂŒnstiger als im vergangenen Sommer. Trotz des deutlich gestiegenen Buchungseingangs rechnet das Unternehmen nicht mit EngpĂ€ssen zur Hauptreisezeit. „Allerdings gibt es eine extrem hohe Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Produkten. Vor allem die Ziele TĂŒrkei, Griechenland und die Balearen sind sehr nachgefragt.“

Ungeachtet des aktuellen Booms liegen die UmsĂ€tze der ReisebĂŒros und Veranstalter fĂŒr das bisherige Tourismusjahr dem DRV zufolge insgesamt noch unter dem Niveau der Vergleichszeitraums von 2019. „Vor diesem Hintergrund rechnen wir zwar mit einem hervorragenden Sommer, werden das Vor-Corona-Niveau aber in diesem Jahr voraussichtlich noch nicht erreichen“, bekrĂ€ftigte Fiebig eine frĂŒhere Prognose. FĂŒr 2023 zeigte er sich vorsichtig optimistisch, trotz des nicht absehbaren Verlaufs des Ukraine-Kriegs und der gestiegenen Inflation.

 

apa

GefÀllt Ihnen der Beitrag?
Facebook
Twitter
LinkedIn
Telegram
WhatsApp
Email
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner