Easyjet weist Castlelake-Angebot zurück
Castlelake will Easyjet für rund 5,5 Milliarden Euro übernehmen, stößt dabei jedoch auf deutlichen Widerstand des Verwaltungsrats.
Der US-Finanzinvestor Castlelake hat sein Angebot zur Übernahme der Billigfluglinie easyJet öffentlich gemacht. Vorgesehen ist ein Kaufpreis von 4,74 Milliarden Pfund beziehungsweise rund 5,5 Milliarden Euro. Castlelake erklärte, es handle sich bereits um das dritte Angebot, das nun veröffentlicht werde, da Easyjet bislang nicht bereit gewesen sei, in ernsthafte Gespräche einzutreten.
Deutliche Ablehnung durch Easyjet
Die Airline wies das Angebot umgehend zurück. Der Verwaltungsrat von Easyjet sprach von einem „opportunistischen Versuch“, das Unternehmen unter Wert zu erwerben. Aus Sicht des Gremiums entspreche das Vorgehen nicht dem Interesse der Aktionäre. Zudem kritisierte Easyjet die vorgeschlagene Struktur der Übernahme als nicht ausreichend transparent. Sie biete keine verlässliche Grundlage für eine Bewertung des Angebots.
Kursgewinne an der Börse
Im frühen Handel reagierten die Aktien von Easyjet deutlich positiv. Sie stiegen um mehr als fünf Prozent auf rund 5,30 Pfund und erreichten damit den höchsten Stand seit fast einem Jahr. Das Angebot von Castlelake bewertet das Unternehmen mit 625 Pence je Aktie. Dies entspricht einem Aufschlag von etwa 57 Prozent im Vergleich zum Kurs vom 29. Mai, also vor Bekanntwerden des Interesses.
Hintergrund des Investors
Castlelake verwaltet nach eigenen Angaben Vermögenswerte von rund 38 Milliarden US-Dollar (33,1 Milliarden Euro) und gilt als bedeutender Investor im Luftfahrtsektor. Zur Einhaltung europäischer Eigentumsregeln hat sich Castlelake mit den erfahrenen Branchenmanagern Peter Bellewund Mark Breen zusammengeschlossen. EU-Vorschriften verlangen, dass europäische Fluggesellschaften mehrheitlich in Besitz von EU-Bürgern bleiben und von diesen kontrolliert werden. Easyjet selbst wurde 1995 von dem britisch-zypriotischen Unternehmer Stelios Haji-Ioannou gegründet.
Streit um Struktur und Kontrolle
Easyjet bezeichnete die von Castlelake vorgeschlagene Eigentümerstruktur als „undurchsichtig“. Nach Einschätzung des Unternehmens lasse sich daraus keine klare Grundlage für eine seriöse Bewertung ableiten. Castlelake hingegen verwies darauf, dass ähnliche Beteiligungsmodelle bereits bei anderen europäischen Fluggesellschaften angewendet würden. Laut Analysten von Goodbody Stockbrokers könnte der Druck auf den Verwaltungsrat von Easyjet in den kommenden Tagen zunehmen. Anleger könnten zudem enttäuscht reagieren, dass kein europäischer Airline-Partner in die Überlegungen eingebunden wurde.
Finanzierung und nächste Schritte
Castlelake teilte mit, die Finanzierung des geplanten Kaufs solle vollständig über eine Kombination aus Eigen- und Fremdkapital erfolgen. Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung signalisiert dabei die Investmentbank Goldman Sachs. Nach britischem Übernahmerecht muss Castlelake bis zum 26. Juni ein verbindliches Angebot vorlegen oder die Übernahmepläne zurückziehen. Easyjet betonte derweil, sich weiterhin auf mittelfristige Ziele und den Ausbau des Urlaubsgeschäfts zu konzentrieren, das zunehmend zum Gewinn beitrage.
(APA/red)
