Flughafen Graz verliert Passagiere

Nach einem Passagierrückgang 2026 setzt der Flughafen Graz auf neue Airlines, größere Flugzeuge und ein starkes Wachstum im Frachtgeschäft.

21.10.2026 14:32
red04
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Besonders deutlich fiel der Rückgang im Charterbereich aus.

Der Flughafen Graz rechnet für 2026 mit rund 810.000 Passagieren und damit mit einem Rückgang von rund 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2025 waren noch 831.000 Fluggäste gezählt worden. Geschäftsführer Wolfgang Grimus führte die Entwicklung vor allem auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran zurück. Im ersten Quartal hatte der Flughafen noch ein Passagierplus verzeichnet.

Chartergeschäft rückläufig

Bislang wurden 2026 rund 684.000 Passagiere am Flughafen Graz-Thalerhof gezählt, etwa 0,4 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Charterbereich aus: Dort wurden rund 182.000 Fluggäste registriert, ein Minus von 6,5 Prozent. Im Linienverkehr konnte Graz hingegen zulegen. Rund 503.000 Passagiere bedeuteten ein Plus von etwa zwei Prozent. Seit April sei der Rückgang bei den Gesamtzahlen jedoch deutlich zu spüren, erklärte Grimus. Wegen der stark gestiegenen Kerosinpreise würden Airlines ihre Flugprogramme reduzieren, um wirtschaftlich zu bleiben.

Wien-Graz vorerst ohne Rückkehr

Davon betroffen war auch die Verbindung zwischen Wien und Graz. Eine baldige Wiederaufnahme hält Grimus für unwahrscheinlich. Die kleineren Flugzeuge, mit denen die Strecke bedient wurde, würden zunehmend ausgemustert. Erst wenn kleinere Elektroflugzeuge für etwa 24 Passagiere marktreif seien, könnte die Verbindung für Airlines wieder interessant werden. Das sei frühestens Anfang der 2030er-Jahre zu erwarten. Als weiteren Belastungsfaktor nannte Grimus die Flugabgabe von derzeit zwölf Euro pro Passagier. Da diese in mehreren europäischen Ländern bereits abgeschafft worden sei, würden Verbindungen teilweise ins Ausland verlagert, etwa von Graz nach Ljubljana. Gemeinsam mit Mark Perz, Vorstand der Holding Graz, forderte Grimus die Bundesregierung auf, die Abgabe abzuschaffen oder deutlich zu reduzieren.

Rekord bei der Fracht erwartet

Für den Winter und vor allem für 2027 zeigt sich Grimus grundsätzlich zuversichtlich, auch wenn das Umfeld volatil bleibe. Die Flugpläne würden weiterhin stark von den Kerosinpreisen beeinflusst. Im Winterflugplan sind etwa im November und Jänner einzelne Verbindungen nach London reduziert, wobei es sich traditionell um schwächere Reisezeiträume handelt. Größere Flugzeuge auf den Strecken nach Frankfurt und München sowie ein erwartetes Wachstum bei der Fracht sollen einen Teil der wegfallenden Einnahmen aus der Wien-Verbindung ausgleichen. Bei der Fracht zeichnet sich bereits ein Rekordjahr ab: Seit Jahresbeginn wurden rund 15.700 Tonnen abgefertigt, 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Bis Jahresende könnte erstmals die Marke von 20.000 Tonnen überschritten werden. Als Wachstumsfeld gilt insbesondere Pharma-Fracht.

Vier neue Airlines ab 2027

Für den Sommer 2027 kündigte Grimus vier neue Airlines am Flughafen Graz an. Aegean Airlines soll Graz mit Rhodos verbinden, Freebird Airlines wird neben Corendon Airlines auch Heraklion anfliegen. SkyAlps plant eine Verbindung nach Olbia, Air Cairo eine nach Hurghada. Die neuen Strecken sollen die Lücke, die durch den Wegfall des Eurowings-Standorts entstanden ist, weitgehend schließen. Zu Berichten über einen möglichen Erwerb des Flughafens durch das Land Steiermark und einen damit verbundenen Beitrag zur Modernisierung des Stadions Liebenau wollte sich Holding-Graz-Vorstand Perz nicht äußern. „Der Flughafen steht derzeit nicht zum Verkauf.“

(APA/red)

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