Gewerkschaft vida droht mit Generalstreik

Wirtschaftskammer bleibt trotz Drohung bei Nein zum Branchen-Kollektivvertrag.
© Pixabay

Die Gewerkschaft vida droht zu Ferienbeginn in Österreich mit einem Airline-Generalstreik am Flughafen Wien. Bei mehreren “Krisengipfeln” ĂŒber den Sommer soll mit den BetriebsrĂ€ten aller in Wien stationierten Fluglinien – AUA, Eurowings, Level und Lauda – ĂŒber “die weitere gemeinsame Vorgehensweise” beraten werden, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch in einer Aussendung mit.

Die Gewerkschafter wollen damit gegen die “ausufernden Wettbewerbsverzerrungen und Ausbeutungen des Airline-Personals durch Lohn- und Sozialdumping” protestieren. Hintergrund fĂŒr den Konflikt ist der massive Preiskampf der Airlines in Wien.

“Die immer absurder werdende Kollektivvertragspolitik der Wirtschaftskammer fĂŒr die Luftfahrtbranche – wohl mit RĂŒckendeckung von WKÖ-PrĂ€sident Mahrer (Harald, Anm.) – könnte bald einen Generalstreik bei allen Airlines in Österreich provozieren”, sagte Daniel Liebhart, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Luftfahrt, in einer Aussendung.

Gerechter Wettbewerb

Die vida fordert einen Branchen-Kollektivvertrag, der fĂŒr einen gerechteren Wettbewerb sorgen soll. Sie sieht die Wirtschaftskammer in der Verantwortung. Diese wĂŒrde die KV-Verhandlungen fĂŒr Level verschleppen und fĂŒr Wizz Air sogar verweigern, so die vida-Gewerkschafter Daniel Liebhart und Anton Fuszko. Bleibe die WKÖ stur, sei ein Arbeitskampf derzeit eine realistische Option.

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) hielt am Mittwoch trotz der Streikdrohung der Gewerkschaft an ihrem Nein zu einem Branchen-KV fĂŒr Piloten und Flugbegleiter von Fluggesellschaften in Österreich fest. Der zustĂ€ndige FunktionĂ€r Christian Domany, Vorsitzender der Berufsgruppe Luftfahrt, erklĂ€rte in einer Aussendung, die Aufregung der Gewerkschaft sei nicht nachvollziehbar.

“In der Luftfahrt sind Branchen-KVs aufgrund der globalen TĂ€tigkeit absolut unĂŒblich. Auch in Frankreich und Deutschland gibt es diese nicht. Das Anliegen der Wirtschaft ist es, den Standort und damit die ArbeitsplĂ€tze zu sichern. Die Forderung der Gewerkschaft nach einem Branchen-KV wĂŒrde dieses Ziel konterkarieren”, erklĂ€rte Domany. Er forderte die Gewerkschaft auf, die DrohgebĂ€rden sein zu lassen und “sachlich und konstruktiv” zu bleiben, um “eine fĂŒr alle Seiten gangbare und faire Lösung” zu finden.

Mindeststandards

RĂŒckendeckung fĂŒr die Streikdrohung kam vom Flugpersonal der Austrian Airlines. AUA-Pilot und Betriebsratschef Rainer Stratberger forderte, dass branchenweit eine “unterste Linie” eingezogen gehöre. Diese Mindeststandards gehörten in einen Branchen-Kollektivvertrag, sagte Stratberger am Mittwoch zur APA. Stratbergers Kritik richtete sich hauptsĂ€chlich gegen die ungarische Billigfluglinie Wizz Air, die fĂŒr die Mitarbeiter in Wien Personalleasingfirmen aus anderen LĂ€ndern einsetze. Es sei daher auch unklar, wo Wizz Air Steuern und Abgaben abfĂŒhre. FĂŒr die Basis in Wien hat Wizz Air weder einen Betriebsrat noch einen Kollektivvertrag. Bei der Billigtochter Level des British-Airways-Konzerns IAG gibt es zwar einen Betriebsrat in Wien, die KV-Verhandlungen stecken derzeit jedoch nach 14 GesprĂ€chsrunden fest. Bei der Ryanair-Tochter Laudamotion sowie den Lufthansa-Airlines Eurowings und AUA gibt es in Österreich sowohl einen Betriebsrat als auch jeweils einen eigenen Kollektivvertrag fĂŒr die hierzulande angestellten Mitarbeiter.

Preiskampf

Die Austrian Airlines ist wegen des Preisdrucks zuletzt tief in die roten Zahlen gerutscht. Bei der AUA ist das Lohnniveau deutlich höher als bei den Billigfluglinien, weshalb das Mithalten bei den Ticketpreisen zu Verlusten fĂŒhrt. AUA-Sprecher Peter Thier sagte auf APA-Anfrage: “Unsere EinschĂ€tzung ist, dass sich diese Drohung ganz deutlich an die Adresse der Billigflieger hier in Wien richtet.” Wenn man ĂŒber einen Branchen-KV spreche, dann mĂŒssten sich Wizz, Level und Co an der AUA orientieren und nicht umgekehrt, so der Sprecher.

Der Preiskampf am Flughafen Wien ist eine Folge der Pleite der einstigen deutschen Niki-Mutter Air Berlin. Nach den Insolvenzen im Jahr 2017 haben mehrere Billigflieger versucht, das Niki-Erbe anzutreten, woraufhin ein Match zwischen dem Platzhirschen AUA und einer Handvoll Billigfluglinien wie Laudamotion, Level, EasyJet, Vueling und Wizz Air ausbrach.

 

APA/red

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