Hotellerie und Gastronomie sagen KV-Gespräche ab

Aufgrund Äußerungen des Gewerkschaftsvorsitzenden Hebenstreit haben die WKÖ-Fachverbände die KV-Verhandlungen abgesagt.

04.02.2026 11:30
red04
© JAKOB LANGWIESER
Alois Rainer und Georg Imlauer

Die Fachverbände Hotellerie und Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) haben die für den morgigen Donnerstag geplanten Kollektivvertragsverhandlungen abgesagt. Als Begründung führen sie scharfe Angriffe des Gewerkschafters Roman Hebenstreit an, die im Vorfeld geäußert worden seien. Laut WKÖ müsse der vida-Vorsitzende zu einer „sachlichen Verhandlungskultur zurückkehren“, seine „Entgleisungen korrigieren und sich dafür entschuldigen“.

Offener Brief

Die Obleute der Fachverbände, Georg Imlauer (Hotellerie) und Alois Rainer (Gastronomie), wandten sich in einem offenen Brief an Hebenstreit. Sie kritisieren, dass der Gewerkschafter regelmäßig Arbeitgeber pauschal angreife. In diesem Fall sei jedoch „eine rote Linie überschritten“ worden, da versucht worden sei, die gesamte Branche zu „kriminalisieren und diskreditieren“. Ziel sei nicht, Kritik zu verhindern, betonen die Verbandsvertreter, sondern darauf hinzuweisen, dass pauschale Unterstellungen das Vertrauen zerstörten und die Basis der Sozialpartnerschaft gefährdeten.

Auswirkungen auf Beschäftigte

Laut Angaben der Gewerkschaft vida arbeiten rund 200.000 Menschen unter dem Hotellerie-/Gastro-Kollektivvertrag, wobei saisonbedingte Schwankungen üblich sind. In einigen Tourismusregionen gelten zudem eigene KV-Regelungen. Imlauer und Rainer schreiben, solange keine Bereitschaft zu konstruktiver Zusammenarbeit erkennbar sei, fehle die Grundlage für seriöse Verhandlungen. Sie beziehen sich dabei auf kürzliche Aussagen Hebestreits, der den Nächtigungsrekord der Branche kritisierte und von „massiven Fehlentwicklungen, moralischer Schieflage und fiskalischer Malversation“ sprach.

Forderungen der Gewerkschaft

Hebenstreit fordert von der Branche eine stärkere „unternehmerische Verantwortung“. Er kritisiert unter anderem die Abwicklung von Coronahilfen über die COFAG, die seiner Ansicht nach „Milliardenförderungen ohne Gegenleistung“ ermöglicht hätten. Beschäftigte müssten jeden Euro zweimal umdrehen, während Unternehmen hohe Gewinne privatisierten. Zudem griff der Gewerkschaftsvorsitzende die Branche wegen eines aufgedeckten Sozialbetrugs mit manipulierten Softwarelösungen an und bezeichnete einige Praktiken als „organisierte Kriminalität“. Die vida fordert darüber hinaus ein „Experience Rating“ in der Arbeitslosenversicherung für Firmen mit hoher Fluktuation sowie eine konsequente Bekämpfung von Steuerkriminalität. „Nur wenn die Branche endlich unternehmerische Verantwortung lernt, verdient sie auch den Namen ‚Rückgrat der Wirtschaft‘“, so Hebenstreit.

(APA/red)

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