KV-Poker im Tourismus endet ohne Ergebnis
Arbeitgeber und Gewerkschaft konnten sich bei den Kollektivvertrags-Verhandlungen für das Hotel- und Gastgewerbe nicht einigen.
Nach mehreren Wochen intensiver Verhandlungen gibt es weiterhin keinen Kollektivvertragsabschluss für die bis zu 240.000 Beschäftigten im österreichischen Tourismus. Die Kollektivvertragsverhandlungen 2026 für das Hotel- und Gastgewerbe seien ohne Einigung beendet worden, teilte die Arbeitgeberseite über die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) mit. Das von der Gewerkschaft abgelehnte „Letztangebot“ der Arbeitgeber kann von Betrieben nun freiwillig als Orientierung für mögliche Lohn- und Gehaltserhöhungen herangezogen werden. Verbindlich bleiben jedoch die seit 1. Mai 2025 gültigen Kollektivvertragstabellen.
Angebot der Arbeitgeberseite
Als letztes Angebot wurde seit 29. Mai eine Erhöhung um 3,4 Prozent in der untersten Lohngruppe sowie eine durchschnittliche Anhebung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne und -gehälter um 3 Prozent vorgeschlagen. Laut WKO sollen Betriebe dieses Angebot als Grundlage für freiwillige Anpassungen nutzen können. Aus Sicht der Arbeitgeber sei der wirtschaftliche Spielraum ausgeschöpft.
Kritik der Gewerkschaft
Die Gewerkschaft vida wies den Vorschlag zurück. Aus ihrer Sicht werde die Inflation nicht ausreichend abgegolten, und das Angebot sei für die Beschäftigten in der Branche nicht akzeptabel. Kritisiert wurde zudem, dass Arbeitnehmer trotz hoher Nachfrage in der Branche real an Kaufkraft verlieren könnten. Die Gewerkschaft sprach von einer unzureichenden Wertschätzung der Beschäftigten
Zahlen und Gegenpositionen
Die Arbeitgeberseite verweist auf die Entwicklung der vergangenen Jahre. In den letzten vier Jahren seien die Kollektivvertragslöhne und -gehälter bei einer Inflation von 24,8 Prozent um 27,1 Prozent erhöht worden. In der untersten Lohngruppe liege das Plus bei 28,6 Prozent und damit über der Teuerung. Darüber hinaus verweisen die Arbeitgeber auf Änderungen im Rahmen-Kollektivvertrag der vergangenen zwei Jahre. Diese hätten zusätzliche Effekte auf die Einkommen gebracht, etwa durch Sonderzahlungen auf IST-Lohn-Basis und einen flächendeckenden Nachtarbeitszuschlag.
Mitgliederbefragung und Rückweisung
Nach mehreren Verhandlungsrunden wurde das Angebot der Arbeitgeber am 29. Mai vorgelegt. Die Gewerkschaft lehnte dieses zunächst ab und führte anschließend eine basisdemokratische Mitgliederbefragung durch, die bis 23. Juni 2026 lief. Das Ergebnis bestätigte die Ablehnung des Vorschlags. Die Gewerkschaft betonte den Grundsatz „kein Abschluss auf Kosten der Kaufkraft“. Die Arbeitgeberseite äußerte hingegen Zweifel an der Aussagekraft der Online-Befragung. Diese sei öffentlich zugänglich gewesen und nicht auf tatsächliche Beschäftigte oder Gewerkschaftsmitglieder beschränkt gewesen. Zudem habe es keine technischen Sperren gegen Mehrfachteilnahmen gegeben.
Verhärtete Verhandlungspositionen
Aus Sicht der Arbeitgeber ist der Spielraum für weitere Zugeständnisse begrenzt. Vertreter der Branche, darunter Alois Rainer und Georg Imlauer, erklärten in einer Aussendung, das Angebot liege nahe an den Forderungen der Gewerkschaft. Die Gewerkschaft wiederum fordert weiterhin ein verbessertes Angebot und kritisiert das Ausbleiben weiterer Gesprächstermine. „Wir haben heute und auch in den vergangenen Tagen die Wirtschaftskammer um einen nächsten Verhandlungstermin ersucht“, sagte die Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, Eva Eberhart, im Ö1-„Mittagsjournal“ des ORF. „Das wurde von Wirtschaftskammer-Seite aber abgelehnt.“
(APA/red)
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