Lohnvorwürfe gegen Salzburger Bäckerei Essl
Mehr als 30 ehemalige Mitarbeiter haben sich wegen ausstehender Lohnzahlungen an die Arbeiterkammer gewandt.
Die Salzburger Traditionsbäckerei Essl, die in der Landeshauptstadt mehrere Filialen betreibt, steht im Verdacht, über Jahre Löhne nicht oder nur teilweise ausgezahlt zu haben. Seit 2024 haben sich mehr als 30 ehemalige Mitarbeiter an die Arbeiterkammer Salzburg gewandt. Heimo Typplt, Leiter der AK-Rechtsschutzabteilung, bezeichnete die Fälle als „in der Dimension unüblich“.
Nachzahlungen und gerichtliche Verfahren
Nur in wenigen Fällen wurden Löhne auf Intervention der Arbeiterkammer nachbezahlt. In anderen Fällen brachte die AK Klage beim Arbeits- und Sozialgericht ein, was zu bedingten Zahlungsbefehlen führte. Auch nach diesen Urteilen wurden die Forderungen oft nur teilweise erfüllt. Ende Jänner 2026 waren noch vier Verfahren anhängig. Operative Geschäftsführerin der Bäckerei ist Stefanie Essl, frühere ÖVP-Gemeinderätin und seit März 2023 Bezirksobfrau des Wirtschaftsbundes Salzburg-Stadt. Sie hält 91 Prozent der Gesellschaftsanteile. Essl erklärte gegenüber den Salzburger Nachrichten und Zack Zack, dass die vom Gericht angeordneten Zahlungen erledigt seien und sie grundsätzlich immer den vereinbarten Lohn ausgezahlt habe. Sie wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete die Konflikte teilweise als persönliche Auseinandersetzungen mit ehemaligen Mitarbeitern.
Insolvenzverfahren und Sanierungsplan
Essl gab bekannt, ihre Funktion als Bezirksobfrau des Wirtschaftsbundes vorläufig ruhend zu stellen. Ihr Stellvertreter Florian Ritter übernimmt bis auf Weiteres die geschäftsführenden Aufgaben. Sie wolle sich künftig auf die „positive Abwicklung des laufenden Insolvenzverfahrens“ konzentrieren. Über die Essl GmbH wurde im September 2024 ein Insolvenzverfahren eröffnet. Die ersten Beschwerden bei der Arbeiterkammer stammen jedoch aus der Zeit davor. Damals betrugen die Verbindlichkeiten rund 482.000 Euro. Ein Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent wurde von den Gläubigern angenommen, die Zahlungsfrist endet im Dezember 2026. Der Betrieb wurde fortgeführt, zuletzt beschäftigte die Bäckerei 25 Mitarbeiter.
(APA/red)