Mount Everest künftig nur für erfahrene Bergsteiger

Nepal verschärft die Auflagen für Bergsteiger am Mount Everest – künftig ist ein Nachweis über vorherige 7.000-Meter-Gipfel innerhalb des Landes Pflicht.

18.02.2026 10:19
red04
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Die neue Regelung soll den Expeditionstourismus im restlichen Himalaya-Gebiet stärken.

Nepal hat ein neues Tourismusgesetz verabschiedet, das die Anforderungen für Bergsteiger, die den höchsten Berg der Welt besteigen wollen, deutlich verschärft. Mit der am gestrigen Dienstag von der Nationalversammlung einstimmig angenommenen Regelung sollen vor allem unerfahrene Alpinisten von Expeditionen auf den Mount Everest ferngehalten werden.

Qualifikationsnachweis künftig Pflicht

Ein zentrales Element des neuen Gesetzes ist die Pflicht, mindestens einen weiteren 7.000-Meter-Gipfel in Nepal erfolgreich bestiegen zu haben, bevor eine Genehmigung für eine Everest-Besteigung erteilt wird. Die nepalesischen Behörden begründen die Neuerung mit dem Ziel, die Sicherheit am Berg zu erhöhen, Umweltbelastungen zu reduzieren und zugleich den Expeditionstourismus im restlichen Himalaya-Gebiet zu stärken. Reiseveranstalter in Nepal haben bereits reagiert und ihre Angebote um Expeditionen zu geeigneten 7.000-Meter-Gipfeln wie Himlung oder Baruntse erweitert, die künftig als Qualifikationsziele gelten sollen. Berge außerhalb Nepals kommen nach den neuen Bestimmungen nicht als Nachweisorte infrage.

Weitere Voraussetzungen

Neben dem Gipfelnachweis sieht das Gesetz vor, dass Bewerber für Everest-Genehmigungen künftig ein detailliertes Höhenbergsteiger-Profil mit einem konkreten Kletterplan vorlegen müssen. Auch soll die bisherige Pflicht, ein aktuelles Gesundheitszeugnis vorzulegen, künftig auch für lokales Begleitpersonal und Träger gelten. Bisher war ein Gesundheitszeugnis zwar bereits für ausländische Alpinisten vorgeschrieben, neu ist jedoch die Ausweitung dieser Pflicht auf alle am Aufstieg beteiligten Personen.

Tourismusdruck am „Dach der Welt“

Seit der Erstbesteigung des Berges im Jahr 1953 ist der Mount Everest zu einem der bekanntesten und meistbesuchten Ziele des Höhenbergsteigens geworden. Jährlich ziehen Hunderte von Bergsteigern aus aller Welt in die Region, wobei die Zahl der Expeditionen in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Die nepalesischen Behörden sehen in der wachsenden Popularität auch Risiken: Überfüllung und mangelnde Erfahrung einzelner Teilnehmer werden als Faktoren angesehen, die zu Unfällen und erhöhtem Druck auf Rettungsdienste beitragen können. Die Organisation Himalayan Database schätzt, dass zwischen 1921 und 2024 etwa 340 Menschen bei Versuchen, den Everest zu bezwingen, ums Leben kamen – viele Leichen liegen noch am Berg, da Bergung in der extremen Höhe oft nicht möglich ist.

Zeitplan und Übergangsregelungen

Das neue Gesetz muss nach der Verabschiedung durch die Nationalversammlung noch durch das Repräsentantenhaus bestätigt und vom Präsidenten Nepals unterzeichnet werden. Bis dahin gilt der bisherige Regelungsrahmen, und Bergsteiger können die heurige Saison noch unter den alten Anforderungen nutzen. Die neuen Bestimmungen dürften insbesondere Hobby-Bergsteiger betreffen, die bislang mit geringer alpiner Erfahrung versucht haben, den Everest zu bezwingen. Nepal hofft jedenfalls, dass die Regelungen nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die Einnahmen aus dem nationalen Bergtourismus gerechter verteilen.

(red)

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