Nahost-Konflikt bremst Reise-Nachfrage nicht

Trotz geopolitischer Krisen und Unsicherheiten bleibt die Nachfrage nach Urlaubsreisen bei Deutschen stabil.

03.03.2026 10:11
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Zu den beliebtesten Sommerzielen zählt auch Ägypten.

Die jüngste Eskalation im Nahen Osten verunsichert viele Reisende. In der deutschen Tourismusbranche wird die Nachfrage nach Urlauben dennoch als stabil beschrieben. „Die jüngste Zuspitzung in Nahost zeigt: Wir leben in einer zunehmend volatilen Welt. Doch trotz geopolitischer Krisen, Klimarisiken und wachsender Digitalisierung bleibt der Wunsch nach Urlaub sehr stark“, sagte Dertour-Chef Christoph Debus der Deutschen Presse-Agentur. Mit der aktuellen Buchungsentwicklung sei man zufrieden.

Sicherheit und Beratung gewinnen an Bedeutung

Auch der Deutscher Reiseverband (DRV) spricht von einer stabilen Urlaubsnachfrage auf hohem Niveau. DRV-Präsident Albin Loidl äußerte sich mit Blick auf die Lage im Nahen Osten jedoch besorgt. Für die Branche habe die Sicherheit der Reisenden und der Partner vor Ort oberste Priorität. Die aktuellen Entwicklungen zeigten, wie eng verbunden und zugleich fragil die Welt sei. Die Stellungnahmen erfolgten zum Auftakt der Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin, der weltweit größten Reisefachmesse. Vor dem Hintergrund internationaler Krisen legen viele Urlauber bei der Reiseplanung offenbar verstärkt Wert auf Absicherung. Gerade in unsicheren Zeiten setzten die Deutschen auf Verlässlichkeit und Sicherheit, erklärte Loidl. Vertrauen sei zur wichtigsten Grundlage geworden. Besonders Flugpauschalreisen verzeichneten eine starke Nachfrage und deutlich mehr Gäste als im Vorjahr.

Mehr Informationssuche

Auch Dertour beobachtet einen steigenden Beratungsbedarf. Kunden informierten sich intensiver über die Situation vor Ort. Die Nachfrage nach Unterstützung durch Reiseveranstalter nehme spürbar zu, so Debus. In Krisenzeiten werde der Mehrwert eines Veranstalters deutlicher, da dieser Sicherheit und persönliche Ansprechpartner biete. Parallel dazu hält der Trend zur frühzeitigen Buchung an. Viele Urlauber entscheiden sich früher als in den Vorjahren für ihre Reise. Nach Angaben des DRV wurde ein Großteil der Sommerurlaube bereits im vergangenen halben Jahr gebucht.

Ägypten weiter gefragt

Zu den beliebtesten Sommerzielen zählt nach DRV-Angaben auch Ägypten. Im Ranking liegt das Land auf Platz vier hinter der Türkei, Spanien und Griechenland. Dertour verweist auf das aus Branchensicht attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis. In Ägypten erhielten Reisende häufig ein Fünf-Sterne-Hotel zu Preisen, die in anderen Regionen eher für drei oder vier Sterne üblich seien. Ob sich der Krieg im Nahen Osten auf die Nachfrage nach Ägypten auswirkt, bleibt unklar. Eine Einschätzung sei derzeit nicht möglich, teilte ein Sprecher des Reiseveranstalters TUI mit. Auch zu möglichen langfristigen Folgen für den Tourismus wollte sich der DRV nicht festlegen. Es sei zu früh für Prognosen, erklärte Loidl. Vorrang habe derzeit der enge Austausch mit Veranstaltern vor Ort.

USA mit rückläufiger Entwicklung

Politische Entwicklungen wirken sich inzwischen auch auf die Vereinigte Staaten als wichtiges Fernreiseziel aus. Nach einer Erholung der Nachfrage nach der Pandemie reisten 2024 nahezu so viele Deutsche in die USA wie zuvor, wie die U.S. Travel Association mitteilte. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Besucher aus Deutschland jedoch um 11,3 Prozent. Als Gründe gelten unter anderem politische Debatten und mögliche Maßnahmen wie eine Visa-Gebühr oder verschärfte Kontrollen. Zwar bleiben die USA nach Angaben des Deutscher Reiseverband das beliebteste Fernziel, für den Sommer zeigen sich jedoch zweistellige Rückgänge bei Buchungen und Umsätzen. Laut einer Umfrage des Instituts YouGov nennt etwa die Hälfte der Befragten politische und gesellschaftliche Entwicklungen als Ursache. Veranstalter beobachten ebenfalls Zurückhaltung. Während die Nachfrage nach USA-Reisen sinkt, verzeichnen Ziele wie Kanada Zuwächse. Auch Alternativen wie Japan oder Länder in Südamerika rücken stärker in den Fokus. Langfristig wird jedoch mit einer Erholung gerechnet.

(APA/red)

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