Portugal sucht strategischen Partner für TAP
Lufthansa und Air France-KLM haben verbindliche Angebote für einen Einstieg bei der portugiesischen Fluggesellschaft TAP abgegeben.
Die deutsche Lufthansa und der französisch-niederländische Luftfahrtkonzern Air France-KLM haben verbindliche Angebote für den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an der portugiesischen Fluggesellschaft TAP abgegeben. Das teilte die staatliche portugiesische Holding Parpublica am Mittwoch nach Ende der Angebotsfrist in Lissabon mit. Portugal plant den Verkauf von 44,9 Prozent der staatlichen Airline an einen strategischen Partner. Ziel ist es, TAP langfristig wettbewerbsfähiger aufzustellen und stärker in eine internationale Luftfahrtgruppe einzubinden. Nach den im April eingereichten unverbindlichen Angeboten sind Lufthansa und Air France-KLM die einzigen verbliebenen Interessenten. Die portugiesische Regierung hatte beide Vorschläge zu diesem Zeitpunkt als strategisch und finanziell vergleichbar bewertet.
Lufthansa sieht Chancen im Brasilien-Geschäft
Lufthansa-Chef Carsten Spohr betonte, dass sein Konzern TAP als Teil der Lufthansa Gruppe weiterentwickeln wolle. Besonders die Verbindungen nach Lateinamerika, vor allem nach Brasilien, gelten für die deutsche Airline als wichtiger Faktor. Nach den Vorstellungen der Lufthansa soll Lissabon als internationales Drehkreuz gestärkt werden. Gleichzeitig solle die nationale Identität von TAP erhalten bleiben, wie es auch bei anderen Fluggesellschaften innerhalb der Lufthansa Gruppe der Fall sei.
Beteiligung könnte rund 700 Millionen Euro wert sein
Analysten des Analysehauses Bernstein schätzen den Wert des angebotenen Anteils auf etwa 700 Millionen Euro. Grundlage ist eine angenommene Gesamtbewertung von TAP in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro. Der Privatisierungsprozess der portugiesischen Fluggesellschaft war im Juli 2025 erneut gestartet worden. Nach aktuellem Zeitplan soll die Entscheidung über den Verkauf bis Ende September abgeschlossen sein.
Regierung setzt auf starken Partner
Die portugiesische Regierung sieht eine Einbindung von TAP in eine größere Airline-Gruppe als notwendig an. Hintergrund sind die Vorgaben der Europäischen Union, die weitere staatliche Unterstützung für die Fluggesellschaft einschränken. TAP ist für potenzielle Käufer insbesondere wegen ihres Streckennetzes nach Brasilien, in portugiesischsprachige Länder Afrikas sowie in die USA interessant. Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz erklärte, bei der Auswahl des Partners werde nicht ausschließlich der Kaufpreis entscheidend sein. Der künftige Eigentümer müsse auch zur wirtschaftlichen Entwicklung des gesamten Landes beitragen, unter anderem durch die Unterstützung von Standorten wie Porto und den Flughäfen auf den Azoren.
(APA/red)