Skiurlaub mit Corona

Nur noch gut drei Monate bis Weihnachten. Und: Ja – die Skisaison 2020/21 soll stattfinden. Trotz strenger Covid-19-Regeln. Und mit Hausverstand. Darin sind sich die Verantwortlichen der großen Wintertourismusorte Österreichs einig.
© MCI/Unterlechner

Tirol bereitet sich auf den Corona-Winter vor – mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen

Viele kluge Köpfe im Land arbeiten aktuell an den Vorbereitungen für eine sichere Wintersaison. Wobei der Gondel- und Hüttenbetrieb unter Corona-Hygienemaßnahmen ja bereits im Sommer erfolgreich angelaufen ist. Zu den ersten Gletscherskigebieten, die in Betrieb gingen, zählen das Kitzsteinhorn, der Hintertuxer, der Kaunertaler, der Mölltaler und der Dachstein-Gletscher. Selbst renommierte Experten wie der deutsche Epidemiologe und Virologe Prof. Dr. Alexander Kekulé halten z.B. Sesselliftfahren – auch ohne jegliche Corona-Auflagen – für unbedenklich. Trotzdem wird es umfassende Maßnahmenpakete der Skigebiete für einen sicheren Wintersport geben: Bei der Gondelfahrt sind z.B. eine Maskenpflicht sowie eine Unterbelegung denkbar – so wie es vielerorts schon für den Sommerbetrieb festgelegt worden ist. Und beim Anstehen am Lift ein Mindestabstand zwischen den Skifahrern. Der Wintersport selbst gilt nicht als Risikosportart für Infektionen, da man im Freien bei kalten Temperaturen und in der Regel mit Abstand unterwegs ist. 

Après-Ski & Image-Probleme

Zu kämpfen haben einige Orte bzw. Regionen derzeit noch mit dem Image-Problem, das den Wintersport trifft. Nachdem sich im März 2020 zahlreiche Urlauber in österreichischen Skigebieten mit Covid-19 infiziert hatten, standen diese stark in der Kritik. Ja, die Silvretta Arena im Paznaun ist zum Synonym für die massive Ausbreitung des Virus geworden – vor allem wegen der großen Après-Ski-Szene. Erst im August mahnte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn wieder, Mallorca dürfe „kein zweites Ischgl“ werden. 

Après-Ski ist seither ein Reizwort im öffentlichen Diskurs. „Allerdings hilft es nicht, wenn wir Nachtbars oder Après-Ski-Lokale etikettieren und verbieten, ohne das Partygeschehen insgesamt in die Überlegungen einzubeziehen“, gibt Prof. Dr. Siegfried Walch zu bedenken. Er leitet am MCI Innsbruck das vom Land Tirol in Auftrag gegebene Projekt „Covid-19 Modellentwicklung Risikomanagement Wintertourismus“, in das Entscheidungsträger der Gemeinden eingebunden sind. Ziel ist, die mit einer Ansteckungsgefahr verbundenen Risiken zu minimieren. „Diese sind überall dort hoch, wo es in geschlossenen Räumen ohne entsprechenden Luftaustausch laut zugeht“, stellt der Experte klar. Egal ob eine Kirche, in der laut gesungen wird, eine Bar oder eine größere, ausgelassene Feier im Familienkreis. Walch: „Es braucht dafür in diesem Winter einen ,neuen‘ Hausverstand.“ Das gelte auch fürs Freie, wenngleich da jedenfalls mit weniger Infektionsrisiko zu rechnen sei: „Im Winter 2020/21 wird aber auch hier nicht ohne jeden Abstand, mit Windfang und unter dem Heizschirm, gefeiert werden können.“

Corona-Ampel & Regionalität

Österreich bereitet sich mit der Corona-Ampel, die Ende der ersten September-Woche vorgestellt wurde, auf ein regionales Risikomanagement auch im Tourismus vor. Wichtig sei nun, europaweit Vertrauen in dieses aufzubauen und zu halten, meint Walch dazu. Damit eine Betrachtung der Risiken auf Ebene ganzer Länder nicht auch zu Reisewarnungen für ganze Länder, sondern nur für einzelne Regionen führt. Dabei wird das Konzept der Bundesregierung für die Wintersaison, das aktuell noch in Ausarbeitung ist, quasi die Rahmenbedingungen vorgeben. Von diesem Regelwerk für die Corona-Ampelfarben Grün, Gelb, Orange und Rot erwarten sich die Verantwortlichen einerseits mehr Planungssicherheit. Andererseits hat die erste Gelb-Schaltung für Wien, Graz, Linz und den Bezirk Kufstein wegen mangelnder Transparenz gleich für viel Unmut gesorgt. Die Angst vor Verschärfungen oder gar einem „zweiten Lockdown“ ist groß. FaktuM hat sich bei einigen Chefs der großen Tourismus-
orte und -regionen umgehört, wie sie damit umgehen.

Viktoria Veider-Walser, Geschäftsführerin Kitzbühel Tourismus, will Qualität statt Quantität

„Der kommende Winter nimmt in der aktuellen Situation eine Sonderstellung ein. Trotz allem sind wir überzeugt, dass das Grundmotiv aktiver Erholung im winterlichen Naturraum weiterhin bestehen bleibt. Unsere Aufgabe wird es sein, jegliche Maßnahmen zur Sicherstellung eines unbeschwerten Urlaubserlebnisses zu gewährleisten. Mit einer multioptionalen Positionierung zwischen Sport und Lifestyle sowie dem Fokus auf Qualität statt Quantität, festgeschrieben in unserer Strategie ‚Kitzbühel 365‘, wurde wichtige Vorarbeit geleistet.

Angesichts der Corona-Situation gilt die Gesundheit aller in Kitzbühel anwesenden Personen als oberste Prämisse jeglicher Handlungsentscheidungen. Verbunden damit sehen wir unsere Rolle als Service- und Kommunikationseinrichtung, sowohl im digitalen als auch zwischenmenschlichen Bereich, noch mehr gefordert. Was wir zudem bemerken ist, dass der seit einigen Jahren prognostizierte Wertewandel durch die aktuelle Situation noch beschleunigt wird. So sehen wir, dass Qualität in jeglichen Bereichen mehr Bedeutung beigemessen wird. Dies bestärkt uns in unserer strategischen Ausrichtung. Mit einer starken ARGE aus Stadtgemeinde, Bergbahn AG Kitzbühel, Kitzbühel Tourismus und dem Kitzbüheler Skiclub sind wir zudem intensiv vernetzt. Gerade in unsicheren Zeiten bleiben wir dadurch flexibel und umsetzungsstark.

Die Mitglieder von Kitzbühel Tourismus bestmöglich zu unterstützen, ist eine unserer Kernaufgaben. Bereits für unsere Sommer- und Herbstkampagne haben wir unseren Kommunikationsauftrag um zahlreiche Leistungen für die Betriebe erweitert. Werbliche Partnerintegrationen im analogen und digitalen Bereich, die Zurverfügungstellung eines kostenfreien Online-Vertriebskanals, die Schaffung gemeinsamer, attraktiver Produkte und die Aufbereitung grafischer Leistungen zum einheitlichen Auftritt, besonders in den sozialen Medien, wurden von unseren Partnern sehr geschätzt und intensiv genutzt.

Die Vorbuchungen traditioneller Ferienzeiten sind bereits sehr positiv zu bewerten. Mit einer beachtlichen Anzahl an Stammgästen sind wir in der glücklichen Lage, sehr viele loyale Gäste auch diesen Winter begrüßen zu dürfen. Wir gehen zudem davon aus, dass Buchungen in diesem Winter tendenziell kurzfristiger erfolgen als in den vergangenen Jahren. Kitzbühel ist neben den Hauptmärkten Deutschland und Österreich sehr international besucht, und gerade bei den Gästen aus Fernmärkten steht teilweise noch ein großes Fragezeichen ob ihres Besuchs. Wir rechnen daher damit, dass sich die Anteile der Besucher-Nationen diesen Winter verstärkt auf Nahmärkte umschichten werden.

Selbstverständlich werden wir den aktuellen Gegebenheiten auch im Bereich Vertrieb mit adäquaten Angeboten begegnen. Gerade in Zeiten der Unsicherheit wird auf Planungssicherheit, das bedeutet adaptierte Umbuchungs- und Stornobedingungen, gesetzt werden. Zweitens rechnen wir auch in diesem Winter mit einer Fortführung von kürzeren Aufenthalten, gerade zu Winterbeginn. Auch hier werden wir mit hochwertigen Angeboten einen wichtigen Impuls zur Buchungsmotivation setzen.

Die abgelaufene Sommersaison hat uns eine erste Generalprobe für den Winter erlaubt. Gerade das steigende Interesse unserer Nahmärkte hilft, das Risiko von Reisewarnungen teilweise einzudämmen. Auch unsere Kommunikationsstrategie wurde demgemäß angepasst. 

Von der Politik würden wir uns klare Vorgaben und entsprechende Maßnahmen wünschen, die wir frühzeitig umsetzen und kommunizieren können. Dass Interessen divergieren und dass eine profunde Lösung oft Zeit braucht, ist uns jedoch bewusst.“

Andreas Steibl, Geschäftsführer Tourismusverband Paznaun-Ischgl, über die Vorkehrungen

„Wir haben in den letzten Wochen und Monaten eine umfassende Corona-Compliance für Paznaun-Ischgl erarbeitet, die unseren Gästen, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Einheimischen höchstmögliche Sicherheit gewährleisten soll (siehe Kasten). Die diesjährige Wintersaison wird – neben der Erholung, dem Erlebnis und dem herrlichen Skigebiet im Paznaun – geprägt sein von den Sicherheitsmaßnahmen gegen das Coronavirus. Wie immer aber werden wir vor Ort mit Leidenschaft, Energie und Begeisterung daran arbeiten, dass unsere Gäste eine großartige Zeit bei uns verbringen können.

Aufgrund von Corona/Covid-19 hat sich das Buchungsverhalten der Gäste generell verändert. Es wird äußerst kurzfristig, oftmals auch erst am Tag der Anreise gebucht – wie wir das schon in der Sommersaison bemerken. Daher können derzeit keine validen Zahlen zu Vorbuchungen kommuniziert werden.

Wie sich aktuell zeigt, ist jederzeit mit dem Hinaufsetzen der Reisewarnungen und damit Stornierungen zu rechnen. Die ,Corona-Ampel‘ wird zusätzliche Maßnahmen der Behörden mit sich bringen. Wir können von unserer Seite nur sämtliche Vorkehrungen treffen, dass im Paznaun Sicherheit für alle an oberster Stelle steht.

In den kommenden Wochen hoffen wir auf die gesetzlichen Vorgaben für den Tourismus. Auch die Frage der Zukunft des Après-Ski ist noch nicht gesetzlich gelöst. Wir gehen davon aus, dass es in der kommenden Saison keinen Après-Ski, wie wir ihn alle kennen, geben wird. Deshalb erstellen die Betreiber bereits alternative und sichere Konzepte.“

Von Karin Martin

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