Tourismus mit Weitblick

Österreichs Destinationen sollen mehr sein als Wirtschaftsräume.

24.02.2026 9:38
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Tourismus entsteht nicht im luftleeren Raum. Infrastruktur, Fachkräftemangel, ökologische Herausforderungen und eine zunehmend kritische öffentliche Debatte zeigen deutlich: Wer langfristig erfolgreich sein will, braucht mehr als gute Nächtigungszahlen. Gefragt ist ein neues Verständnis von Destinationen – nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern als Lebensraum.

Genau dieser Perspektivenwechsel stand im Mittelpunkt einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion auf Einladung des Destinations-Netzwerk Austria (dna) und des Travel Industry Club Tourismus Austria (TICT). Die Botschaft war klar: Wirtschaftlicher Erfolg im Tourismus braucht Rückhalt in der Bevölkerung.

Mathias Schattleitner, Präsident des dna, betonte, dass Destinationsmanagement mit Lebensraumperspektive längst eine zentrale Führungsaufgabe sei. Es gehe darum, wirtschaftliche Stärke und Lebensqualität strategisch zu verbinden und den Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aktiv zu gestalten. Marco Riederer, Präsident des TICT, sprach von einem strukturellen Transformationsprozess, der ein neues Mindset, sektorübergreifende Kooperationen und neue Rollenprofile in den Destinationen erfordere.

Auch auf politischer Ebene wird der Wandel vorangetrieben. Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner kündigte an, die Lebensraumperspektive im Rahmen der Weiterentwicklung der „Vision T“ strategisch zu verankern. Tourismus dürfe nicht isoliert über Kennzahlen definiert werden, sondern müsse als Teil des regionalen Lebensraums verstanden werden. Nachhaltigkeit, Arbeitsmarkt und gesellschaftliche Akzeptanz seien nur gemeinsam mit wirtschaftlicher Entwicklung zu denken.

Aus wissenschaftlicher Sicht sieht Dagmar Lund-Durlacher vom Zentrum für Nachhaltigen Tourismus (ZENAT) in Berlin vor allem strukturelle Hürden. Viele Organisationen seien historisch stark ökonomisch geprägt und arbeiteten in klar abgegrenzten Zuständigkeiten. Die Lebensraumperspektive verlange jedoch systemisches Denken, langfristige Zielsetzungen und neue Messgrößen jenseits klassischer Kennzahlen.

Konkrete Schritte setzt das dna mit dem „Lebensraum Lab“. Seit Anfang 2024 arbeiten Vertreterinnen und Vertreter aus zehn österreichischen Destinationen gemeinsam mit Partnern aus Bund und Österreich Werbung an neuen Instrumenten für ein verantwortungsvolles Destinationsmanagement. Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, Rollenbilder weiterzuentwickeln und praxistaugliche Werkzeuge bereitzustellen.

Manuel Bitschnau, Geschäftsführer von Montafon Tourismus und Initiator des Projekts, sieht in diesem Ansatz enormes Potenzial: Destinationsmanagement 4.0 steigere nicht nur die regionale Wertschöpfung, sondern auch die Lebensqualität der Bevölkerung und reduziere Konflikte vor Ort.

Das Ergebnis des Prozesses ist ein umfassender Handlungsleitfaden, der den Transformationsweg konkret beschreibt. Doch der Wandel ist damit nicht abgeschlossen. Das Destinations-Netzwerk Austria will das Thema strategisch weiter verankern – mit Netzwerkformaten, Wissenstransfer und praxisnaher Weiterbildung.

Die Richtung ist klar: Österreichs Tourismuszukunft entscheidet sich nicht allein an der Zahl der Gäste, sondern an der Balance zwischen wirtschaftlichem Erfolg und lebenswertem Lebensraum.

APA/Red.

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