Tourismuspreise bleiben Teil der Inflation
Statistik Austria weist Forderungen nach einer Sonderberechnung ausländischer Gäste in der Inflationsmessung zurück.
Die Debatte um die Rolle des Tourismus in der österreichischen Inflationsmessung hat am Donnerstagabend eine klare Zurückweisung erhalten. Statistik Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk erteilte dem Wunsch von Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner nach einer geänderten Berechnungsweise eine klare Absage. In der ZIB 2 verwies Lenk auf internationale Vorgaben und methodische Grenzen, die eine Differenzierung nach der Herkunft der Gäste schlicht nicht zulassen.
Internationale Regeln lassen keinen Spielraum
Konkret geht es um die Frage, ob Preise in Hotels und Tourismusregionen anders gewichtet oder teilweise aus der Inflationsmessung herausgerechnet werden könnten, wenn dort überwiegend oder ausschließlich ausländische Gäste nächtigen. Zehetners Argument: Ausländische Touristen würden wirtschaftlich betrachtet einen Dienstleistungsexport darstellen und sollten daher die inländische Teuerung nicht verzerren.
Lenk stellte klar, dass die Preiserhebung unabhängig davon erfolge, wer die Leistung konsumiert. Die Statistik erfasse Hotelpreise in Tourismusregionen generell, ohne Kenntnis darüber, ob ein Gast aus dem Inland oder Ausland stammt. Eine saubere Trennung sei weder praktikabel noch statistisch zulässig. Zudem unterliege die Inflationsberechnung internationalen Standards, die Vergleichbarkeit und Qualität sichern sollen.
Würde eine Herausrechnung etwas ändern?
Hinter dem politischen Vorstoß steht womöglich die Hoffnung, die gemessene Inflation könnte ohne touristische Preise niedriger ausfallen, weil der Tourismus regional stark präsent ist. Statistisch berechenbar scheint diese Annahme jedoch nicht zu sein.
Eine Herausrechnung ausländischer Gäste würde nicht zwingend zu einer niedrigeren Inflationsrate führen. Hotelpreise wirken in der offiziellen Teuerung nur mit einem begrenzten Gewicht, zudem nutzen auch Inländer touristische Leistungen. Umgekehrt könnte eine stärkere Fokussierung auf rein inländischen Konsum sogar zeigen, dass andere Bereiche – etwa Wohnen oder Dienstleistungen außerhalb des Tourismus – die Inflation stärker treiben als angenommen.
Strukturfrage statt Rechenfrage
Hier trifft ein statistisches Problem auf eine strukturelle Frage der Tourismuswirtschaft. Steigende Preise in stark nachgefragten Regionen betreffen Einheimische und Betriebe ebenso wie Gäste aus dem Ausland. Eine methodische Verschiebung in der Inflationsberechnung würde daran wenig ändern, wohl aber die Vergleichbarkeit der Daten schwächen.
Statistik Austria bleibt vorerst bei ihrer Linie.
(APA/red)