Vermittlungsversuch für Tourismus-KV gestartet
Nach dem Scheitern der KV-Gespräche setzt die Gewerkschaft auf die Vermittlungsbemühungen von Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.
Für die Beschäftigten im österreichischen Tourismus gibt es weiterhin keinen neuen Kollektivvertrag. Nach dem Abbruch der Gespräche zwischen der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und der Gewerkschaft vida Ende Juni sind die Verhandlungen ins Stocken geraten. Betroffen sind bis zu 250.000 Arbeitnehmer in der Branche. Die Verhandlungen für den Kollektivvertrag im Hotel- und Gastgewerbe konnten bislang nicht fortgesetzt werden. Die Wirtschaftskammer hatte Ende Juni mitgeteilt, dass die Gespräche ohne Einigung beendet worden seien. Das von der Gewerkschaft abgelehnte letzte Angebot könne von den Betrieben freiwillig umgesetzt werden. Andernfalls bleibe der Kollektivvertrag aus dem Jahr 2025 gültig.
Staatssekretärin sucht Gespräch mit Gewerkschaft
Angesichts der festgefahrenen Situation hat sich Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) als Vermittlerin eingeschaltet. Gestern führte sie ein Gespräch mit der Gewerkschaft vida, wie diese am heutigen Freitag bekanntgab. Nach Angaben der Gewerkschaft verlief das Treffen sachlich und konstruktiv. Eva Eberhart, Vorsitzende des vida-Fachbereichs Tourismus und Leiterin der KV-Verhandlungen auf Arbeitnehmerseite, erklärte, Zehetner habe sich ausführlich mit dem bisherigen Verlauf der Gespräche bis zu deren Abbruch beschäftigt. Ein gemeinsamer Schwerpunkt sei die hohe Personalfluktuation in der Tourismusbranche gewesen. Beide Seiten hätten demnach darin ein volkswirtschaftliches Problem gesehen, bei dem Maßnahmen notwendig seien.
Gewerkschaft sieht geringe Chancen für rasche Fortsetzung
Ob es zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen kommt, bleibt offen. Eberhart zeigte sich zurückhaltend und bezweifelte, dass die Staatssekretärin kurzfristig ein neues Angebot der Arbeitgeberseite erreichen könne. Die Gewerkschaft fordert unter anderem, dass die von ihr kritisierten Reallohnverluste aus dem letzten Vorschlag der WKÖ zurückgenommen werden. Besonders betroffen seien laut vida Beschäftigte in niedrigeren Lohngruppen sowie Lehrlinge.
Streit um Löhne und Arbeitsbedingungen
Nach Darstellung der Gewerkschaft wurden die Verhandlungen von der WKÖ einseitig beendet. Grund dafür seien Forderungen nach einer Abgeltung der rollierenden Inflation sowie nach Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen gewesen. Die Arbeitgeberseite hatte hingegen erklärt, die Gespräche seien ohne Einigung abgeschlossen worden. Die weitere Umsetzung des letzten Angebots liege nun bei den einzelnen Betrieben.
Fragen zur Zukunft des Tourismus übergeben
Die Gewerkschaft setzt weiterhin auf die Vermittlungsbemühungen der Staatssekretärin. Eberhart betonte, dass die Beschäftigten nicht die Folgen des Stillstands tragen dürften. Im Rahmen des Gesprächs übergab vida Zehetner zudem einen Fragenkatalog zur aktuellen Lage und zur zukünftigen Entwicklung des österreichischen Tourismus sowie zur Situation der Beschäftigten.
(APA/red)