Pilotenstreik bei Lufthansa

Mehr als 5.000 Lufthansa-Piloten wollen am 12. und 13. März streiken – zahlreiche Flüge könnten ausfallen, während Verhandlungen über Betriebsrenten weiter festgefahren sind.

11.03.2026 9:47
red04
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Passagiere der Lufthansa müssen sich erneut auf Einschränkungen im Flugverkehr einstellen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat mehr als 5.000 Pilotinnen und Piloten zu einem zweitägigen Streik aufgerufen. Der Arbeitskampf soll am Donnerstag und Freitag, dem 12. und 13. März, stattfinden.

Betroffen sind vor allem Abflüge der Lufthansa-Kerngesellschaft aus Deutschland sowie Flüge der Frachttochter Lufthansa Cargo. Erstmals wird auch die Regionalgesellschaft Lufthansa Cityline in den Arbeitskampf einbezogen. Für viele Reisende bedeutet das, dass Flüge gestrichen oder verschoben werden könnten.

Bestimmte Flugverbindungen bleiben allerdings vom Streik ausgenommen. Aufgrund der angespannten Situation im Luftverkehr in Richtung Nahost hat die Gewerkschaft beschlossen, diese Strecken nicht zu bestreiken. Dazu zählen Flüge nach Ägypten, Aserbaidschan, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien sowie in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Entscheidung zum Arbeitskampf basiert auf Urabstimmungen unter den Piloten der betroffenen Gesellschaften. In den drei bestreikten Bereichen – Lufthansa-Kernbetrieb, Lufthansa Cargo und Lufthansa Cityline – sprach sich jeweils eine Mehrheit für Streikmaßnahmen aus. Bei der Lufthansa-Tochter Eurowings läuft derzeit noch eine Abstimmung unter den Beschäftigten, deren Ergebnis erst am kommenden Montag erwartet wird. Daher beteiligen sich die Eurowings-Piloten in dieser Woche noch nicht am Streik.

Der aktuelle Ausstand ist bereits die zweite größere Streikmaßnahme im laufenden Tarifkonflikt. Schon am 12. Februar hatten die Piloten für einen Tag ihre Arbeit niedergelegt. Damals mussten mehr als 800 Flüge gestrichen werden, rund 100.000 Passagiere waren betroffen.

Im Mittelpunkt des Konflikts stehen die Verhandlungen über die betriebliche Altersversorgung bei Lufthansa und Lufthansa Cargo. Nach Angaben der Gewerkschaft ist es trotz mehrerer Gesprächsrunden bislang nicht gelungen, eine Einigung zu erzielen. VC-Präsident Andreas Pinheiro kritisiert, dass es weiterhin kein konkretes Angebot des Arbeitgebers gebe. Gesprächsbereitschaft allein reiche nicht aus, solange keine substantiellen Verbesserungen der Betriebsrenten vorgeschlagen würden.

Auch der Sprecher der Tarifkommission, Arne Karstens, zeigte sich unzufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Gespräche. Mehrere Verhandlungsrunden sowie zusätzliche Bedenkzeiten hätten bislang zu keinem Ergebnis geführt. Selbst ein vermittelnder Vorschlag sei ohne Fortschritt geblieben. Weitere Gespräche seien aus Sicht der Gewerkschaft erst sinnvoll, wenn ein ernsthaft verhandlungsfähiges Angebot vorliege.

Parallel zum Tarifkonflikt steht auch die Zukunft der Regionaltochter Lufthansa Cityline zur Diskussion. Das Unternehmen betreibt derzeit rund 30 Regionaljets und beschäftigt etwa 500 Pilotinnen und Piloten. Nach Angaben des Lufthansa-Managements soll der Flugbetrieb der Gesellschaft im kommenden Jahr schrittweise eingestellt werden.

Die bisherigen Verbindungen sollen künftig von einer neu gegründeten Tochtergesellschaft übernommen werden: Lufthansa City Airlines. Laut Gewerkschaft steht die geplante Schließung der Cityline jedoch nicht in direktem Zusammenhang mit den laufenden Tarifverhandlungen.

In der aktuellen Tarifrunde fordert die Vereinigung Cockpit für die Jahre 2024, 2025 und 2026 jeweils Gehaltsanpassungen von 3,3 Prozent. Ein erstes Angebot der Lufthansa wurde jedoch abgelehnt, da es unter anderem eine Friedenspflicht bis Ende 2027 vorsah und damit weitere Streiks für mehrere Jahre ausgeschlossen hätte.

Die Lufthansa hatte nach dem ersten Streik vorgeschlagen, das bestehende System der Betriebsrenten kostenneutral zu reformieren. Anschließend sollte mit Unterstützung eines externen Moderators über die langfristige Organisation des Flugbetriebs gesprochen werden. Dabei geht es auch um Karriereperspektiven innerhalb des Konzerns.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte in diesem Zusammenhang, dass für viele Piloten vor allem die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen von Bedeutung seien. Diese Fragen würden seiner Einschätzung nach eine größere Rolle spielen als das bereits vergleichsweise gut ausgestattete Rentensystem. Gleichzeitig führt der Konzern auch Gespräche mit der Kabinengewerkschaft UFO über einen neuen Manteltarifvertrag.

Die Vereinigung Cockpit reagierte zunächst zurückhaltend auf den Vorschlag des Managements. Die Gewerkschaft kritisiert seit längerem die Strategie des Konzerns, neue Flugbetriebe wie Lufthansa City Airlines oder Discover aufzubauen. Dadurch könnten aus ihrer Sicht die Arbeitsbedingungen in den bestehenden Konzerngesellschaften unter Druck geraten.

In den aktuellen Tarifverhandlungen konzentriert sich die Gewerkschaft jedoch auf jene Punkte, die tatsächlich über Tarifverträge geregelt werden können. Strategische Entscheidungen des Konzerns lassen sich rechtlich nicht direkt über Tarifverträge festlegen.

APA/Red.

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