Hitzesommer bringt Wiens Tourismus ins Schwitzen

Während Freibäder und klimatisierte Museen vom heißen Sommer profitieren, kämpfen andere Tourismusbetriebe mit Umsatzeinbußen und steigenden Kosten.

01.09.2026 10:47
red04
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Bei großer Hitze bleiben Gäste aus oder verschieben ihren Aufenthalt.

Der Rekordsommer in Wien hat auch für die Tourismuswirtschaft eine Schattenseite. Mit den Temperaturen steigen die Kosten für Kühlung und Klimaanlagen. Gleichzeitig bleiben bei großer Hitze Gäste aus oder verschieben ihren Aufenthalt. Besonders betroffen sind Gastronomie und Hotellerie. Andere Bereiche, etwa Museen und Freibäder, profitieren hingegen von der Abkühlung, die sie ihren Besuchern bieten können.

Weniger Gäste im Schanigarten

In der Gastronomie verschieben sich die Betriebszeiten nach hinten. „Für uns bedeuten die hohen Temperaturen zwei Dinge: Die Betriebszeiten verlagern sich nach hinten, wenn es am Abend dann kühler wird. Und die Umsätze gehen zurück, einfach weil sich die Laune auszugehen mit steigenden Temperaturen abkühlt“, sagt Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Wien. Manche Gasthäuser haben im Sommer Betriebsurlaub gemacht, andere die Zeit genutzt, um Urlaubsstände bei den Mitarbeitern abzubauen. Auch der Schanigarten ist bei extremer Hitze kein Selbstläufer mehr. „Wir haben heuer gelernt, dass der Umsatzmotor Schanigarten nicht nur bei zu niedrigen Temperaturen stottert, sondern auch bei zu hohen“, sagt Peschta. Für die Gasträume wird eine leistungsfähige Klimaanlage damit immer wichtiger. Die Kehrseite sind höhere Energiekosten.

Klimaanlagen als großer Kostenfaktor

In der Hotellerie fällt der Investitionsbedarf noch deutlich höher aus. „Nicht-klimatisierte Zimmer kann man in einem Sommer wie heuer nicht verkaufen. Das hat sich bewiesen“, sagt Felix Neutatz, Obmann der Wiener Hotellerie. Nach seinen Angaben sind zahlreiche Anlagen für die hohen Temperaturen nicht ausreichend dimensioniert. Bei 35 Grad und mehr im Freien würden manche Klimaanlagen die Zimmer nicht mehr auf unter 25 Grad bringen. Für die Hotels kann die notwendige Nachrüstung teuer werden. „Das sind schon einmal mehrere 100.000 Euro, bei großen Hotels gehen neue Kühlanlagen auch schon weit über die Millionengrenze“, sagt Neutatz. Die Kosten entstehen nicht erst, wenn ein Gast eincheckt. Zimmer müssen schon vorher gekühlt werden. Ein stark aufgeheiztes Zimmer lasse sich nicht innerhalb kurzer Zeit auf eine angenehme Temperatur bringen, erklärt Neutatz.

Ausweichen auf kühlere Reiseziele

Auch die Reisebüros rechnen damit, dass die Hitze das Reiseverhalten beeinflusst. „Ab 30 Grad werden Städtereisen mühsam, das wissen die Gäste“, sagt Gregor Kadanka, Obmann der Wiener Reisebüros. Wer Wien bei großer Hitze vermeiden will, kann den Aufenthalt auf das Frühjahr oder den Herbst verschieben. Eine andere Möglichkeit ist, gleich eine kühlere Stadt zu wählen. Kadanka nennt Stockholm, Kopenhagen und Helsinki als mögliche Gewinner. Für Wien wäre eine solche Verschiebung allerdings nicht unproblematisch. September und Oktober gehören zu den stärksten Monaten für Kongresse und Seminare. Die Hotels sind dann bereits gut gefüllt. Gleichzeitig fehlt im Sommer ein großer Teil der Geschäftsreisenden. „Eine Verschiebung weiterer Städtetouristen vom Sommer in den Frühling oder Herbst ist also problematisch“, sagt Kadanka. Der Sommer würde dadurch weiter geschwächt, während die Kapazitäten in der starken Saison davor und danach begrenzt sind.

Museen und Freibäder als Gewinner

Nicht alle Freizeitbetriebe leiden unter der Hitze. Wer klimatisierte Räume oder Möglichkeiten zur Abkühlung anbietet, kann sogar profitieren. „Dort wo es gekühlt ist oder man sich erfrischen kann, waren die Attraktionen gut besucht“, sagt Gerti Schmied, Obfrau der Freizeitbetriebe in der Wirtschaftskammer Wien. Sie nennt Museen, Freibäder sowie die Kapuzinergruft und die Katakomben unter dem Stephansdom. Auch die Fremdenführer müssen sich auf die Temperaturen einstellen. Führungen könnten verstärkt am frühen Morgen oder am späteren Abend stattfinden. Museen reagieren ebenfalls mit veränderten Öffnungszeiten. Das Belvedere etwa hat im Sommer länger geöffnet.

Forderung nach mehr Unterstützung

Für Dominic Schmid, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, ist der Handlungsbedarf klar. Die Betriebe müssten bei Investitionen unterstützt werden, etwa durch Förderungen und Freibeträge. Auch bei Genehmigungen für Klimageräte und Photovoltaikanlagen brauche es Erleichterungen. Daneben setzt Schmid auf zusätzliche touristische Angebote. Wien könne sich noch stärker als Eventstadt positionieren. Beim Kongresstourismus habe die Stadt bereits gezeigt, was möglich sei. Schmid spricht sich deshalb erneut für ein eigenes Eventboard aus. „Das Vienna Convention Bureau hat uns als Kongress-Stadt an die Weltspitze gebracht. Das können wir auch im Eventbereich schaffen.“

(APA/red)

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