Hotels lassen Unbefugte in die Zimmer ihrer Gäste
Ein schwerer Übergriff in einem britischen Hotel deckt massive Sicherheitslücken auf, die inzwischen auch andere große Hotelketten beschäftigen.
Wer in einem Hotel eincheckt, erwartet hinter der verschlossenen Zimmertür Sicherheit. Doch genau daran mangelt es offenbar in Teilen der internationalen Hotellerie. Ein schwerer Übergriff in einem Travelodge-Hotel hat massive Sicherheitsmängel offengelegt. Ein unabhängiger Untersuchungsbericht spricht von einem branchenweiten Problem. Inzwischen überprüfen auch andere große Hotelanbieter ihre Sicherheitsvorkehrungen.
Der Fall ereignete sich im Dezember 2022 in einem Hotel im englischen Maidenhead. Der Täter Kyran Smith gab sich an der Rezeption als Freund einer Frau aus und erhielt innerhalb von weniger als drei Minuten eine Schlüsselkarte für ihr Zimmer. Das Personal überprüfte seine Angaben nicht und holte auch keine Zustimmung der Frau ein. Smith wurde Anfang 2026 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt.
Besonders schwer wiegt der Umgang des Unternehmens mit der Betroffenen. Sie hatte sich bereits im Jänner 2023 schriftlich bei Travelodge beschwert. Eine angemessene Aufarbeitung blieb zunächst aus. Die damalige Konzernchefin Jo Boydell erfuhr erst im März 2026 von dem Fall.
Sicherheitsmängel in rund 60 Hotels
Ein unabhängiger Untersuchungsbericht unter Leitung des britischen Barristers Paul Greaney KC brachte im Oktober 2026 weitere Versäumnisse ans Licht. Noch im Sommer waren in knapp jedem zehnten Travelodge-Hotel unbefugte Zimmerzutritte gemeldet worden. Das entspricht rund 60 Standorten. Bei unangekündigten Tests konnten Prüfer außerdem über das Housekeeping Zugang zu Zimmern erhalten, ohne ausreichend kontrolliert zu werden.
Greaney betonte, dass solche Vorfälle nicht nur Travelodge betreffen. Unbefugte Zutritte seien ein Problem der gesamten britischen Hotelbranche. Auch Polizeizahlen geben Anlass zur Sorge: Zwischen Jänner 2023 und Jänner 2026 wurden in Hotels in England mindestens 4.011 Sexualdelikte registriert. Die Zahlen umfassen unterschiedliche Straftaten und lassen keine direkten Rückschlüsse auf unbefugte Zimmerzutritte zu.
Auch andere Hotelketten reagieren
Die Untersuchung hat inzwischen Konsequenzen für weitere große Anbieter. Anfang November bestätigte Whitbread-Chef Dominic Paul, dass auch Premier Inn seine Mitarbeiterschulungen und Identitätskontrollen überprüft habe. Gäste wurden zudem darauf hingewiesen, die zusätzliche Verriegelung an der Innenseite ihrer Zimmertüren zu nutzen.
Auch Merlin Entertainments, zu dem unter anderem die Hotels der Freizeitparks Alton Towers und Chessington gehören, hat seine Mitarbeiterschulungen verstärkt. Der Konzern sieht menschliches Versagen und mangelnde Schulung als wesentliche Ursachen solcher Sicherheitsprobleme.
Travelodge selbst hat ebenfalls Maßnahmen angekündigt. Ersatzschlüsselkarten sollen künftig nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung der Gäste ausgegeben werden. Mehr als 12.000 Mitarbeiter sollen geschult, Zimmernummern an der Rezeption nicht mehr laut ausgesprochen werden. Die Umsetzung der neuen Sicherheitsregeln soll unabhängig kontrolliert werden.
(red)



