Alpine Hospitality Summit zeigt Herausforderungen
Der Alpine Hospitality Summit 2026 brachte führende Vertreter der Hotel-, Immobilien- und Investmentbranche im Alpenraum zusammen.
Der alpine Tourismus lebt von Mobilität, seine wirtschaftliche Grundlage bleibt jedoch die Immobilie. Genau an dieser Schnittstelle positionierte sich der Alpine Hospitality Summit, der am 7. Mai 2026 im Grand Tirolia Kitzbühel stattfand. Im Mittelpunkt standen die Herausforderungen und Perspektiven der alpinen Hotellerie – von Finanzierung und Investitionen bis hin zu Betrieb, Innovation und Gastgeberkultur. Rund 340 Entscheidungsträger aus der Hotelimmobilien-, Ferienhotellerie- und Investmentbranche kamen in Kitzbühel zusammen. Der Summit hat sich damit als eines der wichtigsten Branchentreffen im Alpenraum etabliert. Neben den offiziellen Panels prägten vor allem intensive Gespräche abseits der Bühne die Veranstaltung.
Internationaler Blick auf den Alpenraum
Die Initiatoren Thomas Reisenzahn und Marco Riederer betonten insbesondere die zunehmende Internationalität des Treffens. Erstmals seien Teilnehmer aus dem gesamten Alpenbogen vertreten gewesen – einer der bedeutendsten touristischen Regionen Europas. Gleichzeitig machten aktuelle Branchenzahlen deutlich, dass die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe trotz stabiler Nachfrage angespannt bleibt. Zwar entwickle sich die Wintersaison insgesamt positiv, doch gerade der für viele Wintersportregionen besonders wichtige März verzeichne seit Jahren rückläufige Nächtigungszahlen. Auch höhere Preise könnten die steigenden Kosten nur teilweise kompensieren.
Steigende Kosten belasten die Betriebe
Die österreichische Hotellerie und Gastronomie verzeichneten in den vergangenen zehn Jahren Preissteigerungen von rund 66 Prozent und lagen damit deutlich über dem EU-Durchschnitt. Gleichzeitig stiegen die Arbeitsstückkosten im Dienstleistungsbereich um nahezu 50 Prozent. Besonders stark zeigt sich der Druck bei den Personalkosten: In einem 4-Sterne-Hotel erhöhten sich die Mitarbeiterkosten innerhalb von drei Jahren um mehr als 21 Prozent und damit deutlich stärker als die Umsätze. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner stellte in ihrer Begrüßung dennoch die positiven Entwicklungen in den Vordergrund. Mit Blick auf das Gästeplus im vergangenen Winter sprach sie von einem wichtigen Signal für den Standort Österreich. Ziel seien „volle Häuser und volle Kassen“. Gleichzeitig verwies sie auf staatliche Maßnahmen zur Inflationsdämpfung.
Österreich und Schweiz im Vergleich
Ein wiederkehrendes Thema des Summits war die Wettbewerbsfähigkeit der alpinen Destinationen im internationalen Vergleich. Besonders deutlich wurde dies beim Blick auf die Schweiz. Während Auslastung, Wareneinsatz und Personalkosten in österreichischen und Schweizer 4-Sterne-Hotels laut den präsentierten Zahlen ähnlich ausfallen, zeigen sich Unterschiede bei den Erträgen. Schweizer Betriebe erzielen sowohl beim Beherbergungsertrag als auch beim RevPAR deutlich höhere Werte. Kurt Baumgartner von der Belvedere Hotel Familie verwies darauf, dass sich die Preisentwicklung in Österreich und die Stärke des Schweizer Franken inzwischen teilweise angenähert hätten. In seinem Betrieb im Schweizer Scuol dominierten mittlerweile wieder heimische Gäste. Anders beschrieb Hans-Jürg Buff von der Swiss Mountain Hotel Group die Lage in international geprägten Destinationen wie St. Moritz. Dort belaste der starke Franken den internationalen Markt deutlich stärker. Auch geopolitische Krisen wirkten sich unmittelbar auf die Nachfrage aus.
Immobilienwerte und Finanzierung
Ein zentrales Diskussionsthema war die zunehmende Entkopplung von operativem Geschäft und Immobilienwerten. Viele Hotelprojekte seien allein aus dem laufenden Betrieb kaum noch wirtschaftlich darstellbar. Erst langfristige Wertsteigerungen der Immobilie machten Investitionen attraktiv. Susanne Kraus-Winkler, Obfrau der Sektion Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich, sprach von einem grundlegenden Wandel der Branche. Früher sei der Hotelbau stärker von Leidenschaft geprägt gewesen, heute müsse vor allem das Spannungsfeld zwischen Rendite und Finanzierung bewältigt werden. Mit sinkenden operativen Margen werde auch die Fremdfinanzierung schwieriger. Entscheidend sei daher eine tragfähige Kapitalstruktur bereits in den ersten Jahren eines Projekts. Der Tiroler Unternehmer Fritz Unterberger betonte die steigenden Anforderungen an Eigenkapitalquoten. Unter 20 bis 30 Prozent Eigenmittel seien viele Projekte kaum mehr finanzierbar. OeHT-Geschäftsführer Matthias Matzer verwies hingegen darauf, dass bei entsprechender Bonität auch geringere Eigenmittelanteile möglich seien. Gleichzeitig zeigten aktuelle Kennzahlen des Hotel-Fitness-Checks eine zunehmende Verschuldung vieler Betriebe. Im oberen Quartil der 4-Sterne-Hotellerie liege die rechnerische Schuldentilgungsdauer bereits bei mehr als 19 Jahren.
Neue Generation von Gastgebern
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen zeigte der Summit auch die Innovationskraft der Branche. Besonders im Fokus standen junge und vielfach branchenfremde Gastgeber, die neue Konzepte in die alpine Hotellerie bringen. Unternehmer, Künstler, Sportler oder Quereinsteiger präsentierten Hotels und Rückzugsorte, die klassische Tourismuskonzepte neu interpretieren. Beispiele dafür waren unter anderem das Refugium Lunz am See, das Stieg’nhaus Mühlbach, das Gralhof, der Molzbachhof sowie die Südtiroler Häuser Sporthotel Zoll und Traminerhof. Sie verdeutlichten, dass die alpine Hotellerie trotz steigender Kosten und komplexerer Finanzierung weiterhin von Kreativität und individueller Gastgeberkultur geprägt ist.
(PA/red)