Attestor will Condor vollständig übernehmen

Der britische Finanzinvestor Attestor will einem Insider zufolge die restlichen Condor-Anteile vom Staat erwerben.

21.07.2026 16:13
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Attestor hatte im Mai 2021 zunächst 51 Prozent an Condor übernommen und nach Unternehmensangaben 450 Millionen Euro Eigenkapital bereitgestellt.

Der britische Finanzinvestor Attestor plant einem Insider zufolge, die verbliebenen 49 Prozent der staatlichen Anteile an der Ferienfluggesellschaft Condor zu übernehmen. Wie eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte, soll die bereits 2021 vereinbarte Call-Option bis spätestens 30. September ausgeübt werden. Damit würde Attestor die vollständige Kontrolle über die Airline übernehmen. Eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht. Weder Attestor noch Condor wollten sich am Dienstag zu den Informationen äußern. Auch die Bundesregierung nahm auf Anfrage keine Stellung.

Suche nach strategischem Partner

Unabhängig von einer möglichen Komplettübernahme setzt Attestor nach Angaben des Insiders die Suche nach einem strategischen Co-Investor fort. Bevorzugt werde eine größere Fluggesellschaft oder eine Airline-Gruppe, mit der Condor weitere Wachstumsmöglichkeiten erschließen könnte. Ein konkreter Zeitdruck bestehe bei dieser Suche jedoch nicht.

Staat stieg nach Krisen bei Condor ein

Bund und Land Hessen halten derzeit zusammen noch 49 Prozent der Anteile an Condor. Der Staat war nach der Insolvenz des damaligen Mutterkonzerns Thomas Cook im Jahr 2019 sowie infolge der Corona-Krise als Anteilseigner eingestiegen, um die Fluggesellschaft zu stabilisieren. Attestor hatte im Mai 2021 zunächst 51 Prozent an Condor übernommen und nach Unternehmensangaben 450 Millionen Euro Eigenkapital bereitgestellt. Die Mittel flossen unter anderem in die Erneuerung der Flotte. Nachdem Condor einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW zurückgezahlt hat, kann der Investor nun die restlichen Anteile erwerben. Attestor verwaltet nach eigenen Angaben Vermögen von rund zehn Milliarden US-Dollar und hatte die Beteiligung an Condor bei seinem Einstieg als langfristiges Investment bezeichnet.

Strategischer Partner gilt als wichtig

Bereits im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass Attestor einen Minderheitsanteil an Condor an eine größere Fluggesellschaft abgeben möchte. Branchenexperte John Strickland erklärte damals, ein Finanzinvestor könne von der operativen Erfahrung eines strategischen Partners profitieren. Condor verfügt über eine Flotte von knapp 60 Flugzeugen, beschäftigt rund 4.000 Mitarbeiter und befördert nach Unternehmensangaben jährlich knapp zehn Millionen Passagiere. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern ist die Airline langfristig zu klein, um sich allein im Wettbewerb dauerhaft zu behaupten.

Gerber sieht Anbindung an größeren Konzern

Condor-Chef Peter Gerber hatte zuletzt im Magazin Stern erklärt, dass die Fluggesellschaft voraussichtlich Teil eines größeren Luftfahrtkonzerns werde. Eine Übernahme durch Lufthansa schloss er aus kartellrechtlichen Gründen aus. Als mögliche Interessenten nannte er unter anderem Fluggesellschaften aus der Golfregion sowie Turkish Airlines.

Konsolidierung in der Luftfahrtbranche

Neben Condor könnten sich nach Einschätzung von Marktbeobachtern weitere Übernahmemöglichkeiten im europäischen Luftverkehr ergeben. Verwiesen wird unter anderem auf die geplante Teilprivatisierung der portugiesischen Fluggesellschaft TAP sowie den Bieterwettbewerb um den britischen Billigflieger Easyjet. Branchenvertreter wie IATA-Chef Willie Walsh und Ryanair-Finanzchef Neil Sorahan rechnen angesichts steigender Kosten mit einer weiteren Konsolidierung des Marktes. Als Belastungsfaktor gilt unter anderem der durch den Iran-Krieg gestiegene Kerosinpreis, der den wirtschaftlichen Druck auf Fluggesellschaften erhöht.

(APA/red)

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