Brauereien erwarten moderate WM-Effekte
Die Brauwirtschaft blickt der Fußball-WM 2026 mit vorsichtigem Optimismus, aber gedämpften Erwartungen entgegen.
Die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft 2026 sorgt nicht nur bei Fans für Aufmerksamkeit, sondern auch in der heimischen Brauwirtschaft für vorsichtigen Optimismus. Österreich nimmt erstmals seit 1998 wieder an einer WM teil, was grundsätzlich zusätzliche Nachfrageimpulse erwarten lässt. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Einschätzung der Branche jedoch zurückhaltend.
Gedämpfte Erwartungen
Aus Sicht der Brauereien sind vor allem die Spielzeiten ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Die Austragung der WM in Nordamerika führt zu Anstoßzeiten, die für den mitteleuropäischen Raum teilweise ungünstig liegen. Besonders betroffen ist dabei der Konsum im Außer-Haus-Bereich, etwa in Gastronomie oder bei Public-Viewing-Veranstaltungen. Der Brauereiverband verwies auf APA-Anfrage darauf, dass die speziell für den Außer-Haus-Konsum ungünstigen TV-Übertragungszeiten sowie die Erfahrungen vergangener Großereignisse die wirtschaftlichen Erwartungen dämpfen. Großereignisse hätten wirtschaftlich in der Vergangenheit zunehmend seltener die erhofften Effekte gebracht. Auch die Fußball-Europameisterschaft 2024 mit vergleichsweise normalen Anstoßzeiten habe dies nur eingeschränkt geändert.
Chance unter besonderen Bedingungen
Die Branche sieht die WM daher nicht als gesicherten Wachstumstreiber, sondern eher als Chance unter spezifischen Rahmenbedingungen. Zwar könne das Turnier grundsätzlich für zusätzliche Nachfrage sorgen, eine Garantie für höhere Umsätze bestehe jedoch nicht. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Spielen der österreichischen Nationalmannschaft in der Vorrunde. Das Auftaktspiel gegen Argentinien findet an einem Montag um 19:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit statt und könnte damit vergleichsweise günstige Bedingungen für Gastronomie und öffentliche Übertragungen bieten. Die beiden weiteren Gruppenspiele sind hingegen deutlich weniger konsumfreundlich angesetzt: gegen Jordanien um 6:00 Uhr MESZ sowie gegen Algerien um 4:00 Uhr MESZ. Diese frühen Anstoßzeiten gelten als schwierig für den klassischen Außer-Haus-Konsum.
Herausforderungen für Gastronomie und Veranstalter
Die sehr frühen beziehungsweise teils ungewöhnlichen Spielzeiten stellen insbesondere Gastronomiebetriebe und Eventveranstalter vor wirtschaftliche Herausforderungen. Laut Branchenvertretern lassen sich solche Öffnungszeiten nur schwer kalkulatorisch abbilden, was das Risiko für Veranstalter erhöht. Insgesamt wird erwartet, dass sich der Konsum stärker in den privaten Bereich verlagert. Damit verschiebt sich auch der Schwerpunkt möglicher Umsatzeffekte weg von der klassischen Gastronomie hin zu Haushalten, die Spiele zuhause verfolgen.
Private Nutzung im Fokus der Vermarktung
Die Brauwirtschaft reagiert auf diese Entwicklung mit angepassten Vermarktungsstrategien. Im Mittelpunkt stehen dabei Produkt- und Markeninszenierungen im Lebensmittelhandel sowie speziell zusammengestellte Fan-Pakete für den Heimkonsum. Auch digitale Kampagnen rund um sogenannte Home-Viewing-Events sollen zusätzliche Kaufanreize schaffen. Ergänzend setzen Brauereien verstärkt auf eigene Vertriebskanäle, etwa firmeneigene Shops oder den Rampenverkauf. Diese werden als zusätzliche Möglichkeit gesehen, kurzfristige Nachfrageimpulse im Umfeld des Turniers zu nutzen.
Unsicherer Gesamtausblick
(APA/red)