Buchungslage für Sommer noch unter Vorjahr
Geopolitische Unsicherheiten wirken sich auf die Nachfrage und das Buchungsverhalten der Reisenden aus.
Die aktuellen geopolitischen Spannungen, insbesondere der Krieg im Nahen Osten, wirken sich auch auf den österreichischen Tourismus aus. Wie die Tourismus-Bundesspartenobfrau in der Wirtschaftskammer Österreich, Susanne Kraus-Winkler, erklärte, liegt die Buchungslage derzeit noch unter dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig sei ein Trend zu kurzfristigeren Buchungen erkennbar. Trotz dieser Zurückhaltung rechnet die nationale Tourismusmarketingorganisation Österreich Werbung (ÖW) für die Sommersaison mit einem Anstieg der Gästezahlen. Insgesamt könnten rund zwei Millionen mehr Ankünfte als im Vorjahr verzeichnet werden.
Österreich im europäischen Wettbewerb stabil
Nach Einschätzung von ÖW-Geschäftsführerin Astrid Steharnig Staudinger behauptet sich Österreich weiterhin stabil im europäischen Wettbewerb. Grundlage dieser Einschätzung ist eine Umfrage unter 10.000 Personen in zehn wichtigen Herkunftsmärkten. Demnach planen rund 13 Millionen Menschen konkret einen Sommerurlaub in Österreich und haben diesen größtenteils bereits gebucht. Darüber hinaus sieht die ÖW weiteres Potenzial: Etwa 11 Millionen Personen könnten noch für eine Reise nach Österreich gewonnen werden. Insgesamt ergibt sich daraus ein mögliches Volumen von bis zu 24 Millionen Gästen.
Erwartungen im Vergleich zum Vorjahr
Im vergangenen Jahr waren auf Basis einer vergleichbaren Studie rund 22,5 Millionen Sommergäste prognostiziert worden, tatsächlich reisten 21,9 Millionen an. Die Verantwortlichen verweisen darauf, dass sich diese Prognosen in der Vergangenheit als relativ zuverlässig erwiesen haben.
Betriebe melden gemischte Aussichten
Eine aktuelle Blitzumfrage der Wirtschaftskammer unter Beherbergungsbetrieben zeigt ein uneinheitliches Bild: 55 Prozent der Betriebe berichten von einer schwächeren Buchungslage als im Vorjahr, während lediglich 14 Prozent eine Verbesserung feststellen. Der Rest liegt etwa auf Vorjahresniveau. Auch die Erwartungen für die Sommersaison sind unterschiedlich: 38 Prozent der Betriebe blicken optimistisch auf die kommenden Monate, 37 Prozent zeigen sich abwartend, und ein Viertel äußert sich pessimistisch. Insgesamt wird jedoch eher mit einer erfolgreichen Saison gerechnet.
Veränderungen im Reiseverhalten
Laut Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner haben sich sowohl das Reiseverhalten als auch internationale Flugrouten verändert. Wichtige Drehkreuze im Golfraum könnten wieder verstärkt genutzt werden, was sich positiv auf den internationalen Tourismus auswirken dürfte. Besonders Fernmärkte wie die USA und China gelten weiterhin als bedeutend.
Versorgungslage bei Treibstoffen stabil
Befürchtungen hinsichtlich möglicher Treibstoffengpässe in Europa weist die Staatssekretärin zurück. Trotz entsprechender Warnungen der Europäischen Kommission sei die Versorgung in Österreich gesichert. Dies gelte sowohl für den Flugverkehr als auch für den Individualverkehr. Die Preise hätten sich zuletzt stabilisiert, wenn auch auf höherem Niveau.
Wirtschaftliche Herausforderungen bleiben
Neben der Nachfrageentwicklung steht vor allem die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe im Fokus. Steigende Kosten für Lebensmittel, Personal und Energie setzen die Branche unter Druck. Diese Mehrkosten könnten nicht vollständig an die Gäste weitergegeben werden, wodurch die Ertragslage vieler Unternehmen angespannt bleibe. Branchenvertreter betonen daher, dass es nicht nur auf hohe Gästezahlen ankomme, sondern darauf, diese auch in entsprechende Wertschöpfung umzusetzen.
ESC ohne kurzfristigen Effekt
Der bevorstehende Eurovision Song Contest in Wien sorgt bislang nicht für einen deutlichen Anstieg der Hotelbuchungen. Nach Einschätzung der Tourismusverantwortlichen greifen viele Besucher auf alternative Unterkünfte oder günstigere Optionen zurück. Langfristig wird dem Großereignis jedoch ein positiver Effekt zugeschrieben: Die internationale Aufmerksamkeit soll dazu beitragen, zukünftige Nachfrage zu generieren, auch wenn kurzfristige Impulse begrenzt bleiben.
(APA/red)