Deutsche zeigen Verständnis für Gastronomiepreise

Gäste in Deutschland zeigen laut einer Umfrage mehr Verständnis für hohe Preise, als viele Gastronomiebetriebe erwarten.

23.03.2026 14:28
red04
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Eine große Mehrheit gibt an, über die Belastungen der Branche informiert zu sein.

Trotz anhaltend hoher Kosten und wirtschaftlicher Unsicherheit kann sich die Gastronomie in Deutschland auf den Rückhalt vieler Gäste verlassen. Das zeigen zwei repräsentative Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Online-Druckerei VistaPrint. Befragt wurden rund 2.000 Verbraucher sowie 201 Inhaber kleiner Gastronomiebetriebe. Die Ergebnisse verdeutlichen jedoch auch eine deutliche Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung der Betriebe und den tatsächlichen Erwartungen ihrer Gäste – insbesondere bei der Preisgestaltung.

Weniger Preisdruck als angenommen

Seit dem 1. Jänner 2026 gilt in Deutschland für Speisen in der Gastronomie wieder der ermäßigte Umsatzsteuersatz von sieben Prozent. Viele Betriebe gehen davon aus, dass Gäste diese Entlastung in Form niedrigerer Preise erwarten: 65,2 Prozent der befragten Gastronomen vertreten diese Ansicht. Mehr als die Hälfte hat daher Preise gesenkt, teilweise angepasst oder plant entsprechende Schritte. Auf Seiten der Gäste zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Nur rund ein Drittel erwartet tatsächlich sinkende Preise. Knapp die Hälfte der Befragten rechnet ausdrücklich nicht damit, während ein großer Teil Verständnis dafür hat, wenn Preise stabil bleiben.

Hohe Sensibilität für die Lage

Die Umfrage macht deutlich, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen der Gastronomie bei vielen Gästen präsent sind. Eine große Mehrheit gibt an, über die Belastungen der Branche informiert zu sein. Als zentrale Probleme nennen die befragten Betriebe vor allem gestiegene Energie- und Einkaufskosten, Personalmangel sowie rückläufige Gästezahlen. Die angespannte Lage spiegelt sich auch in den Zukunftsplänen wider: Mehr als 70 Prozent der Gastronomen haben in den vergangenen zwölf Monaten grundlegende Veränderungen in Erwägung gezogen, ein Teil davon sogar eine Schließung oder den Verkauf des Betriebs.

Gastronomie als sozialer Treffpunkt

Für viele Menschen ist Gastronomie weit mehr als reine Verpflegung. Cafés, Restaurants und Bars werden mit Genuss, Geselligkeit und sozialem Austausch verbunden. Entsprechend hoch ist die emotionale Bindung zu einzelnen Lokalen. Diese Verbundenheit zeigt sich auch in der Bereitschaft zur Unterstützung: Mehr als die Hälfte der Befragten würde ihr Lieblingslokal aktiv weiterempfehlen oder häufiger besuchen, sollte dessen Fortbestand gefährdet sein. Auch positive Online-Bewertungen oder andere Formen der Unterstützung kommen für viele infrage.

Kommunikation als unterschätzter Faktor

Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Außendarstellung der Betriebe. Nur ein kleiner Teil nutzt finanzielle Spielräume – etwa durch die Steuersenkung – für Marketingmaßnahmen. Der Großteil der Mittel fließt in laufende Kosten, Personal oder Instandhaltung. Der Landesgeschäftsführer des Branchenverbands DEHOGA Hamburg, Simon Wieck, sieht darin ein Risiko. Viele Gäste seien grundsätzlich bereit zu helfen, doch diese Unterstützung müsse aktiviert werden. Voraussetzung dafür sei eine offene Kommunikation über die wirtschaftliche Lage sowie eine stärkere Einbindung der Stammkundschaft.

(PA/red)

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